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Einen pakistanischen Schwiegersohn habe ich bekommen. Er wurde mir nie vorgestellt, noch habe ich ihn nach einem Jahr gesehen. Angeblich hat ihn meine Tochter geheiratet um ihn vor
Abschiebung zu bewahren. Also aus Mitleid. Aber das hat nichts genutzt. Er sollte trotzdem abgeschoben werden. Da ist er "umgezogen". Nach London. Da arbeitet er jetzt - angeblich. Klar das ich mir meine Gedanken mache. Wo ich ja schon immer von der Aufgeschlossenheit des Islam so begeistert war......
Die andere Kultur ist keine Entschuldigung
Ehrenmorde und Parallelwelten: Wir haben viel zu lange geduldet, dass der Islam in Deutschland immer aggressiver auftritt Von Necla Kelek,
Tagesspiegel Berlin vom 25.02.2005
Ein Ehrenmord hat mit dem Islam nichts zu tun", sagte der Islamratsvorsitzende Ali Kizilkaya dieser Zeitung, als er zum Mord an der 23jährigen Türkin Hatun Sürücü befragt wurde. Selbstjustiz sei weder durch den Koran noch durch die islamische Tradition legitimiert. Der Vertreter von 32 Berliner Islamgemeinden sollte seine religiösen Bücher
besser kennen, sind sie doch „heilig“, das heißt, sie gelten nicht nur im Wortsinne, sondern Wort für Wort und sind – nach Auffassung der Strenggläubigen – nicht im selben Sinne auslegbar, wie es bei den Christen seit der Aufklärung mit der Bibel üblich ist. Im Gegensatz zum eindeutigen christlichen Gebot „Du sollst nicht töten“ ist der Islam in der Frage von Leben und Tod voller Widersprüche. Auf der einen Seite wird der Mord verdammt, aber es lassen sich eine Vielzahl von Beispielen aus der Sunna, den
Bräuchen des Propheten, und den Hadithen, den ihm zugeschriebenen Worten und Taten, finden, die das genaue Gegenteil belegen, ja die geradezu Morde legitimieren.
Der Prophet selbst ist mit seinen Gegnern nicht zimperlich umgegangen. „Wer wird diese Tochter des Marwan für mich beseitigen?“, lautete die Frage an seine Gefolgsleute, als er sich in Medina von der Dichterin Asma´bint Marwan verspottet fühlte. Sie wurde von einem eifrigen Muslim, Umayr ibn Adi, nachts beim Stillen ihres sechsten Kindes
erstochen. „Den nächsten Morgen, beim Gebet in der Moschee, sprach Mohammed: ,Hast du die Tochter des Marwan getötet?’ ,Ja’, antwortete dieser, doch sage mir, gibt es einen Grund zur Befürchtung?’ ,Nein, nicht im geringsten’ sagte Mohammed, ,kaum dass ein paar Ziegenböcke darüber aneinander gerieten.’"
Die Liste der „Ehrenmörder“, die zum Ruhme des Propheten und seiner Kalifen gemordet haben, ist lang, Dolch und seidene Schnur sind seit jeher ein Mittel des religiösen Streits. Und war die Fatwa gegen Salman Rushdie etwas anderes als ein Aufruf zur Selbstjustiz?
Und so fremd wie Herr Kizilkaya meint, ist das Thema Ehrenmord dem Islam gar nicht: In Hadithen, die von zwei der anerkanntesten Islamgelehrten aufgezeichnet wurden, nämlich Nr. 6935 von Bukharyy und Nr. 6524 von Muslim, heißt es: „Es ist nicht erlaubt, einen Muslim zu töten, außer für eines der drei Verbrechen: (1) Ein verheirateter Mann oder
eine verheiratete Frau, der oder die (bewiesenermaßen) Ehebruch begeht. (2) Wenn er einen anderen Muslim getötet hat. (3) Wenn er dem Islam den Rücken kehrt (die Lebensweise in der Öffentlichkeit ablehnt) und sich von ihm und der islamischen Gesellschaft abwendet.“ Und Mohammed soll gesagt haben: „Wer auch immer wechselt (den Islam als Religion
und Lebensweise ablehnt), tötet ihn."
Am Grab von Hatun Sürücü waren alte muslimisch-orthodox gekleidete Männer mit Bärten und Käppis zu sehen, die getrennt von den verschleierten Frauen ihre Suren murmelten. Diese ehrenwerten Männer werden vermutlich zur ersten Generation von Migranten gehören, die hier bereits seit 20 Jahren oder länger noch lebt. Ihre Weisheiten stammen aus der
Wüste Arabiens, den Bergen Kurdistans, den Weiten Anatoliens, in denen seit Tausenden Jahren ein archaischer Kodex überlebenswichtig zu sein scheint und hier ungebrochen weiter gelebt wird.
Es sind Begriffe wie Ehre und Schande, Respekt und Strafe, die ihr Denken bestimmen. Und sie meinen mit diesen Worten anderes als wir. Es sind andere Werte als die des aufgeklärten Europas. Da ist die Frau die „Ehre des Mannes“ und eben kein gleichberechtigter, unabhängiger Mensch mit eigenen Rechten. Und niemand hat sich bisher darum
gekümmert.
Nach Ermittlungen der Polizei hat es in den letzten fünf Monaten allein in Berlin fünf ähnliche Morde gegeben. Papatya, eine Berliner Kriseneinrichtung für junge Migrantinnen, hat zwischen 1996 und 2004 45 Morde „im Namen der Ehre“ gezählt. Die Täter fühlen sich aufgrund ihrer Tradition zur Selbstjustiz legitimiert, sie sind in den Augen vieler
ihrer Glaubensbrüder Märtyrer. Dabei sind solche Taten nichts als Meuchelmorde. Mit dem unveräußerlichen Recht des Menschen auf Würde hat diese vermeintliche „Ehre“ nämlich nichts zu tun. „Ehrenmord“ klingt missverständlich – als handele es sich um eine kulturell bedingten, uns vielleicht einfach nur unverständlichen Hintergrund. Und mancher
deutsche Richter zeigt in seinem Strafmaß dann auch mehr Verständnis für diese „andere Kultur“, als das Grundgesetz erlaubt. So geschehen etwa vor einigen Jahren in Bremen, als die kurdischen Mörder eines jungen Paares nur wegen Totschlags belangt wurden. Auch in anderen Fällen wurden meist nur die Täter, nicht aber die Anstifter und Helfer
bestraft. Das ist so ähnlich wie in der Türkei, wo bis vor einigen Monaten für Morde aus diesen Gründen mildernde Umstände geltend gemacht werden konnten.
Verdächtig der Tat sind drei Brüder von Hatun Sürücü. Wenn stimmt, was die Polizei ermittelt hat, dann wurde sie von ihren Brüdern aus dem Haus gelockt und kaltblütig erschossen. Mit Schüssen in den Körper und den Kopf. Was muss geschehen, bevor ein Bruder seiner wehrlosen Schwester in den Kopf schießt? Nicht aus Versehen, nicht im Affekt,
sondern hinterhältig, gezielt unter den Augen seiner Brüder? Wie wurden diese jungen Menschen erzogen? Sie sind soviel wir wissen, in Berlin aufgewachsen, sind auf Berliner Schulen gegangen. Konnten wir ihnen nicht verständlich machen, das jeder Recht auf sein eigenes Leben hat? Waren sie auf der Koranschule? Hat man ihnen da nicht beigebracht,
was Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben ist?
Was haben diese Eltern ihren Kindern für ein Weltbild vermittelt? Ist er einfach böse, oder waren Schläge, Zwang und Angst oder Gehirnwäsche nötig, um den 18 jährigen zu solch einer Tat zu bringen? Haben sie dem Jungen das Paradies versprochen? Haben sie gesagt „Tu es für Gott?“ Oder wollten sie den „guten Ruf“ ihrer Familie in der muslimischen
Gemeinde wiederherstellen? Wir müssen fragen, was ist das für eine soziale Gruppe, in der man durch Mord Ansehen erlangt? Wir wissen es nicht. Zu unserem Entsetzen scheint dies alles möglich.
Das erste Erziehungsziel von traditionell lebenden Türken und Muslimen ist die Erziehung zu Respekt und Gehorsam gegenüber Älteren. So ist es Jüngeren nicht erlaubt, Älteren zu widersprechen, sie haben zu schweigen, wenn Ältere im Raum sind. Und zwar in allen Lebenslagen. Sie sagen Anne zur Mutter, Baba zum Vater, Abi zum älterer Bruder, Abla
zur älteren Schwester. Sie beim Vornamen zu nennen wäre respektlos und würde bestraft. Und diese Strafe sind in aller Regel Schläge. „Wer sein Kind nicht schlägt, hat später das Nachsehen“, lautet ein türkisches Sprichwort. Und wenn ein türkischer Schüler in die Schule kommt, sagen viele Eltern dem Lehrer eine andere Volksweisheit: „Das Fleisch
gehört dir, die Knochen mir.“ Was soviel bedeutet wie: mach mit dem Kind, was du für richtig hältst.
Im Religionsunterricht, den die Islamische Förderation auf Gerichtsbeschluss an Berliner Grundschulen durchführen darf, gibt es Materialien, in denen steht: „Im Namen Allahs. Es gibt zwei Arten von Menschen, die einen sind unsere Geschwister im Glauben, mit den anderen sind wir durch das Mensch-Sein verbunden.“ Das Grundgesetz kennt aber keine
„zwei Arten von Menschen“, im Gegenteil: Als die Deutschen ihre Verfassung formulierten, saß ihnen noch die Erfahrung mit dem Nationalsozialismus im Nacken, der allerdings „zwei Arten von Menschen“ gekannt hat. Die Muslime haben – wollen sie an der demokratischen Gesellschaft teilhaben – dringenden Diskussionsbedarf über ihr Menschen- und
Weltbild.
Islam bedeutet übersetzt „Hingabe“ oder auch „Unterwerfung“. Dies ist nicht nur ein Glaubenssatz, sondern ein Lebensprinzip. Der jüngere Bruder unterwirft sich dem Abi, der dem Baba, der Familie, der Gemeinde, den Worten des Propheten. Ein eigener Wille, eine individueller Mensch mit freiem Willen ist in diesem System nicht vorgesehen. Und was
das Kollektiv oder der Ältere beschließt, wird gemacht.
Nun wird eingewandt, diese „Ehrenmorde“ seien ein Problem der Unterschicht. Nicht weiter von Bedeutung, die Mehrheit sei anders. Ich muss Sie enttäuschen. Ich betreibe seit über 10 Jahren intensiv Forschungen im Bereich der Migrations- und Religionssoziologie. In jedem Jahr wird die islamische Leitkultur unter den Migranten stärker, tritt sie
aggressiver auf.
Auch innerhalb der türkischen Migrationsgesellschaft haben sich parallele Strukturen herausgebildet. Die türkischen Republikaner klagen über mangelnden Nachwuchs und über den wachsenden Einfluss der mit saudi-arabischen Petrodollars finanzierten Islamisten. Die Grünen feiern alle paar Tage die Einweihung einer neuen Moschee. Und in jedem Jahr
kommen Tausende von Importbräuten in die traditionell-islamischen Familien, damit sie viele muslimische Kinder bekommen zum Ruhme Allahs.
Aber wir – seien wir nun deutscher oder türkischer Herkunft – Verfassungspatrioten müssen uns auch fragen, was wir falsch gemacht haben. Es gibt eine Reihe von Versäumnissen. Eines der fundamentalen Missverständnisse der deutschen Politik und Pädagogik ist der Multikulturalismus. Er gründet auf der irrigen und sentimentalen Annahme, dass alle
Kulturen in ihrem tiefsten Grunde auf denselben Werten fußen; oder dass sie zumindest, selbst wenn diese Werte verschieden sind, alle gleichermaßen achtenswert sind.
Den Deutschen fehlt das nötige Selbstwertgefühl für ihre Errungenschaften. Sie – und das sind oft gerade die für die Integration politisch Verantwortlichen – lassen es zu oft zu, dass die Grund- und Menschenrechte relativiert werden. Die linken und liberalen „Multikultis“ und „die interkulturelle Pädagogik“ haben der Integration einen
Bärendienst erwiesen. Unter dem Motto „Alles ist Kultur“ haben sie die Selbstausgrenzung der Migranten befördert. Statt Deutsch-Förderunterricht fordern sie zum Beispiel „Muttersprache zuerst“. In Bremen lernt ein türkisches Kind kurdischer Herkunft zuerst Kurdisch und dann Deutsch. Zum Glück gab es in meiner ersten Schule in Deutschland diese
Ideen noch nicht. Die Mitschüler waren stolz, mir deutsche Worte beizubringen. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist der wichtigste Schritt zur Integration.
Wenn muslimische Schüler einer Berliner Schule meinten, sie könnten den Mord an Hatun Sürücü mit der Begründung „Sie wollte leben wie eine Deutsche“ gutheißen, zeigt das doch auch, wie gering inzwischen das Bewusstsein für die humanistischen Werte ist. Wir alle haben jahrelang so getan, als wären diese ungeschriebenen Gesetze einer
demokratischen Zivilgesellschaft Allgemeingut. Jetzt müssen wir feststellen, dass einige dafür nur noch Spott übrig haben.
Die Reaktion des Schulleiters der Thomas-Morus-Oberschule war genau richtig. Wir dürfen nicht schweigen. Denn Schweigen und Angst gehört zum System, nur so kann sich dieses reaktionäre Gedankengut ausbreiten. Wir müssen über die Menschenrechte sprechen, aber wir müssen auch dagegen auftreten, dass Eltern aus vorgeblich religiösen Gründen
verhindern wollen, dass Kinder am Sport- oder Schwimm- oder Biologieunterricht, an Klassenfesten und -fahrten teilnehmen. Oder dass diese Eltern Freundschaften mit deutschen Klassenkameraden verhindern. All das hat nichts mit Religion, sondern nur mit der Ablehnung der deutschen Gesellschaft zu tun.
Mit Vorsicht und Fingerspitzengefühl gegenüber den muslimisch orthodoxen Eltern und ihren Islam-Vereinen ist es, wie der „interkulturelle“ Schulpsychologe Ali Ucar meint warnen zu müssen, nicht getan. Das Grundgesetz schützt die Kinder – notfalls auch vor der Willkür ihrer Eltern. Und darauf müssen wir bestehen und den Kindern in der Schule den
Freiraum bieten, auf den jeder in dieser Gesellschaft Anspruch hat.
Wenn die Vorstellungen und Praktiken einer vormodernen, antidemokratischen Welt weiter unkontrolliert und nicht hinterfragt als „schützenswerte Kultur“ gelten, wenn wir Demokraten das Attentat auf Hatun Sürücü nicht auch als Angriff auf unsere Lebensweise begreifen, wenn wir nicht unsere Verfassung verteidigen, dann ist nicht nur Holland in
Not, sondern auch unsere Zivilgesellschaft in Gefahr.
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