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IN DER AKTENTASCHE NUR FRÜHSTÜCKSBROTE
„Was haben Sie bisher gemacht – geschrieben?“ Seine Augen nahmen einen tastenförmigen Ausdruck an und ich sah deutlich wie in seinem Gehirn das Bild eines Buchhalters hinter einer Schreibmaschine entstand. Er konnte ja nicht wissen, daß ich unter „schreiben“ etwas anderes verstand. Er war Werkführer, und den herkömmlichen Machtstrukturen
entsprechend würde ich in den nächsten Monaten zur befehlsempfangenden Arbeiterschaft des Sägewerkes gehören. „Nicht trinken hier!“ Diese nicht unbedingt unfreundliche Empfehlung noch und ich war eingestellt. Als „Skitsetegner“ dessen Arbeit in Zukunft darin bestehen würde, unter Verwendung eines Bleistiftes die Form einer Schablone mehrere
Hundert Male auf Buchenholzstücke zu zeichnen. Die erforderliche Intelligenz und das hochgradige Einfühlungsvermögen, das dazu erforderlich war, besonders beim sorgfältigen Aussparen der Astlöcher, brachte ich gerade noch mit. Nun fahre ich also täglich 12 km zum Savvaerk, Dänen alle, nein, ein Türke. Sie sind reserviert. Spreche ich, der ich
außer „mojn“ und „knallert“ doch kein Wort dänisch spreche (bisher), allerdings jemanden an, erhalte ich freundlich Auskunft. Ein Volksdeutscher und ein Grenzdäne sprechen perfekt deutsch. Viele kommen mit der Aktentasche, doch sie enthält, genau wie bei den deutschen Arbeitern, nur Frühstücksbrote. Alle haben ihre kleinen Angewohnheiten. Der
Volksdeutsche wendet nach jeder Stulle sein Gebiß und einer „bohrt nach Öl“ . Wir sitzen wahllos durcheinander im blauen Dunst zwanzigminütiger Entspannung. Die Atmosphäre ist gut, Streit gibt es nie und die ruhige Sachlichkeit des Werkführers ermöglicht reibungsloses Arbeiten. Der Besitzer, als Attribut einen schwarz-weißgefleckten Jagdhund
an seiner Seite, läuft hin und wieder selbstbewußt durch die Bretterstapel. Er hat keine Frühstücksbrote in der Aktentasche.
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