„We like it the way it is...“ – Canadians on South Shore  

       
   

The philosophy of Liberty is based on the principle of Self-Ownership

>all kinds of socialism cause poverty<

   
   

von Rudi Raabe

   
       

A page that over and above its political content also shows the world and environment of people who stand for their libertarian ideas.

         
       

Kanadaimpressionen - Bilder einer Region - Impressions of Canada - Pictures of a Region

         

Denk mal nach...

     

 

     

Think about it...

 
       

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Vom Lesen und Nichtlesen

 

Es gibt 4 Möglichkeiten wie Sie an diese Brochure gekommen sein können: Erste Möglichkeit: Sie haben sie geklaut. Das ist nicht recht, um in der bevorzugten kanadischen Sprachwendung zu bleiben: „It’s against the law, Sir/Madam...“ aber es spricht für das Heft. Langweilige Hefte werden nicht geklaut. Ich nehme das aber zu Ihren Gunsten nicht an, sondern glaube daran, dass Sie sehr ehrlich sind....

Deshalb kommen wir gleich zur zweiten Möglichkeit: Sie haben die Broschure geschenkt bekommen. Na toll, gratuliere! Der Schenkende könnte zwei Gründe haben. Erster Grund: Er hat es selbst geschenkt bekommen und gibt es nun an Sie weiter, weil es ihm nicht gefällt. Zweiter Grund: Der Schenkende mag des Ding und will Ihnen eine Freude machen. Sollten Sie also das Heft geschenkt bekommen haben, spielen Sie ein bisschen Detektiv und versuchen Sie hinter die Beweggründe des Schenkers zu kommen.

Dritte Möglichkeit: Sie haben sich das Heft geliehen. Von einer Privatperson oder aus einer Bibliothek. Dann seien Sie mal schon dankbar, dass Sie in einen progressiven Haushalt geraten sind oder ihre örtliche Bibliothek einen aufgeschlossenen Bibliothekar hat, der auch vor dem Einkauf unkonventionellerer Magazine nicht zurückschreckt.

Letzte und vierte Möglichkeit: Sie haben sich das Magazin selbst gekauft. Wahnsinn, jetzt bin ich aber wirklich gerührt. Kann das wahr sein? Ich glaub’s noch nicht. Nehmen wir an Sie haben sich vergriffen und erwarten ein Heft ganz anderen Inhalts. Tauschen Sie es schnell um. Das zurückerhaltenen Geld können Sie zum Erwerb einer Mahlzeit für Ihre hungernden Kinder ausgeben, dem örtlichen Veteranenclub spenden, oder als Ansparung für das nächste Auto ihrer Frau verwenden. Oder Sie verschenken das Magazin wie bereits unter Option 1 beschrieben.

Nein, wirklich, Sie wollen das Heft behalten? Zum Lesen??? Nicht etwa um ihr wackliges Bett an einer Seite zu unterstützen, ihre Kinder die schwarz-weiß Seiten kolorieren zu lassen, oder die 3 Rezepte auszuprobieren die hier abgedruckt sind?

Das überrascht mich nun aber doch, soviel wählerisches Bewusstsein hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut. Sagen Sie mir jetzt nicht, Sie würden die Auseinandersetzung suchen, das kritische Hinterfragen oder Infragestellen des Bestehenden. Sagen Sie mir nicht, dass Sie es für zwingend Notwendig halten gelegentlich als Querdenker gegen Restriktionen zu opponieren, dass Sie den Mut haben Ihr Wolkenkuckucksheim der Beschaulichkeit, des überkommenen Konservativismus zu verlassen und sich nach anderen Ufern umzuschauen. Sie möglicherweise sogar neugierig sind wie „Leben“ auch sonst noch organisiert sein kann. Und sagen Sie mir bitte nicht, dass Sie die seit Jahrzehnten eingefrorenen Rituale, festgeschriebenen und festgeklopften Statements à la „Wir haben das schon immer so gemacht...“ lästig finden und Sie nach einer Veränderung dürsten, einen Ansatz wünschen um ausgetretene Trampelpfade zu verlassen. SIE KÖNNEN NICHT VON HIER SEIN....

Dabei hätte Sie es doch viel bequemer haben können. Schließlich ist der Buchmarkt voll von wunderschönen Bildbänden über Kanada, Nova Scotia, dem Lunenburg County und der South Shore. Grandiose Fotobände, von hochtalentierten Photographen anspruchsvoll und aufwendig gestaltet. Faszinierende Farborgien von roten Fischerhütten vor grünen Bäumen in kleinen blauen Buchten. Herrlich, einmalig schön. Mit diesen Büchern hätten Sie sich behaglich zurücklehnen können, sie hätten darin blättern können (lesen tut man in diesen Bildbänden eher selten...). Kurzum es wäre erholsam gewesen. Sie hätten sich ein bisschen geräkelt und satt und zufrieden festgestellt „We like the way it is...“

 

Und nun? Nun haben Sie ein Heft, das sie ärgern wird, das Sie zur Stellungnahme zwingen will. Ein Magazin, das möchte, dass Sie nicht nur ihre Augen benutzen um die Bilder anzuschauen, sondern auch Ihren Kopf um mitzudenken. Das ist schon mal unbequem. Und Unbequemes liegt dem Menschen im Allgemeinen nicht, den Menschen on South Shore schon gar nicht. Aber wo steht, dass man seinen Kopf nur dazu benutzen soll um die Kappe mit dem Emblem des örtlichen Hockey-Clubs, oder des größtes Arbeitgebers darauf zu platzieren. Nirgends. Sehen Sie – wagen Sie einmal einen Schritt in eine neue Richtung, denken Sie mal quer, lösen Sie sich mal von der praktizierten, über Generationen vererbten Blickrichtung. Schließlich ist die Welt ja größer, hätte Sie das für möglich gehalten, tatsächlich größer als South Shore, als Lunenburg County, ja sogar größer als Nova Scotia. Seien Sie jetzt nicht frustriert – die Welt ist auch größer als Kanada. Naja, geographisch ist Kanada wirklich fast führend. Da gibt es nur noch Russland...., aber Geographie ist nun nicht alles. Ich weiß doch wie neugierig Sie sind, wie Sie schon immer glühend nach Informationen aus anderen Regionen lechzten, schon immer wissen wollten, wie das Leben woanders organisiert ist.

Es wird schwer werden, aber Sie haben mein Mitgefühl. Sollten Sie allerdings nach der Inhalation des Heftes immer noch der Meinung sein, dass das einzige Beeinträchtigende der Lebensqualität die Schwarzfliege ist und lediglich über deren Bekämpfung eine politische Diskussion entbrennen sollte – klappen Sie das Heft getrost wieder zu. Schauen Sie sich lieber eine Soap-Opera an, oder wenigstens die Werbung über die letzte Spaghetti-Sauce oder die neueste Damenbinde. Oder das Wetter – das ist auch erschöpfend, konfliktarm, unabwendbar und während Sie dann Ihren Kräcker in den Dipp tauchen und andere kalorienreiche Fastfood in sich versenken, sparen Sie die Kalorien die durch tieferes Nachdenken verbraucht werden.

Lehnen Sie sich zurück und stellen Sie, nicht zum ersten Mal, aber glücklich und zufrieden zum wiederholten Male fest:

„I like the way it is...“

 
   

 

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