„We like it the way it is...“ – Canadians on South Shore  

       
   

The philosophy of Liberty is based on the principle of Self-Ownership

>all kinds of socialism cause poverty<

   
   

von Rudi Raabe

   
       

A page that over and above its political content also shows the world and environment of people who stand for their libertarian ideas.

         
       

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Von Bäumen und Hölzern

 

Dem Flugreisenden der nach Nova Scotia kommt, bietet sich ein grandioses Bild. Blaue Seen. Grüne Bäume. Malerische Küsten, an denen sich die schaumkronenbesetzten Wogen des Atlantiks brechen. Hin und wieder ein rotangestrichenes oder grau verwittertes Gerätehäuschen eines Fischers, dass sich in eine Bucht kuschelt. Herrlich anzusehen, besonders aus der Luft. Denen, den das nicht reicht und die später vom Bodenerlebnis eher enttäuscht sind, hat die Firma Air Scapes ein Geschenk gemacht und für den heimischen Computer einen Screensaver produziert. Für 9.90 $CAN bekommt man 150 aufregende Luftaufnahmen, die je nach eingestellter Geschwindigkeit, von Yarmouth bis Cape Breton, so ziemlich jede malerische Ecke, klinisch rein aus der Luft fotografiert, über den Monitor laufen lassen. Das schafft Distanz zur tatsächlichen Natur und man kann sich optisch aufgeilen - ohne sich einer Auseinandersetzung stellen zu müssen. Auseinandersetzen? Worüber? „We like the way it is...!

Auf dem Boden sieht es schon anders aus. Hier bestätigt sich der malerische Eindruck, den der Blick aus der Luft verspricht, nicht immer. Hier wird mit der Natur noch umgegangen wie zu Großvaters Zeiten. Für die Natur haben die Eingeborenen in South Shore nicht viel getan. Die haben sie geschenkt bekommen. Sie haben weder die Seen blau angestrichen, noch die Bäume grün, noch haben sie die Natur sonderlich entwickelt oder touristisch aufbereitet. Wie wir später noch im Einzelnen sehen werden, haben sie nicht nur für die Touristen nichts getan, nicht einmal für sich selbst haben sie etwas getan.

Natur haben wir genug, wozu über Reserven nachdenken. Wir haben eine Umweltschutzbehörde. Das reicht! Das ist Alibi genug. Schonender Umgang mit der Natur? Was ist das, wo soll ich was schonen, sind doch eh‘ nur ein paar Bäume, was macht das schon, die werden schon nachwachsen.... Wiederaufforstung oder überhaupt Forstwirtschaft scheinen, von winzigen Ausnahmen abgesehen, Fremdworte zu sein. So wird geklotzt und gehackt das die Borke fliegt. Beispiel gefällig? Gehen Sie mal zur Fähre. Ach, so, Sie gehen ja nicht, na gut dann fahren Sie mal dorthin. Schauen Sie sich mal die Hügel und Böschungen über dem LaHave-River an. Raubbau und Bodenerosion wie in einem Drittweltland. Kriminelle Energie, die woanders strengste Sanktionen nach sich ziehen würde. Hier: kein Problem. Bodenverdichtung, Erosionsschäden wie am Jangtsekiang. "Also, das am LaHave-River..... das ist irgendeine Kapitalgesellschaft da...., was hat das mit mir zu tun?" Treuherzig schaut mir mein Nachbar in die Augen: "Mein Wald ist 400 Acres groß, das ist mein Kapital (...leider hat noch keine Gesellschaft den richtigen Preis geboten...) da stehen genug Bäume, das reicht noch für Jahre...." Und so opfert er jede freie Minute um Bäume zu fällen, sie zu zersägen, zu splitten, in kamingerechte Scheite zu verwandeln, um sie bei sich; und den Nachbarn gegen eine lebensstandardsteigernde Vergütung, durch den Schornstein zu jagen. Holz? Holz bekommst Du von Scott der macht das schon, der liefert Dir Deinen Wintervorrat. So gehen 80 Jahre Wuchs in Flammen auf. O.K. Ja, - Holz ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff. So weit richtig. Nur ---- wenn nichts nachgepflanzt wird? Wo, wo werden hier Setzlinge gepflanzt, Lücken gefüllt, wo eine sinnvolle Wald- und Forstwirtschaft betrieben? Bei Scott nicht, nein, seinen Freunden nicht, die alle nur mal eben „ein bisschen Holz einschlagen...“ und bei dem Großgrundbesitzer oder der Kapitalgesellschaft schon gar nicht. Setzlinge setzen? Das kostet ja Geld. So verrückt ist hier keiner. Abholzen ja, nachpflanzen nein. Ja, das Schild „Managed Forrest“ habe ich schon einmal versteckt irgendwo gesehen. Aber dieses Feigenblatt der Wiederherstellung umgenieteten Waldbestandes entschuldigt nichts. Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Und so sieht alles vom Himmel grün und propper aus, und besonders auf den Fotos die über den Monitor flimmern. Und weil viele eben noch ein paar Bäume haben kann man die Nase rümpfen über die bösen Ami’s, die das Kyoto-Abkommen nicht unterzeichnet haben, das ist nicht nett, aber so sind sie die Ami’s. Bei uns ist alles in Ordnung. Und dann nutzt man die Zeitung, die auch schon mal verschämt über Klärschlämme aus Bergwerken berichtet hat, über Umweltsünden bei Sydney oder sonst wo, um seinen Kamin anzuzünden.

Dann schaut man aus dem Fenster, da sieht man doch Tag für Tag Holzlaster in die Sägewerke fahren, Tag für Tag, jahrein, jahraus. Was wollen Sie denn, es ist doch genug da...und man hält das Schwachholz welches dort geliefert wird für eine Waldernte. Ha, Waldernte, diese Stämmchenwirtschaft, diese dünnen Strohhalme nennen sie Baumstämme. Das soll das Ergebnis einer vernünftigen Kosten-Nutzen-Rechnung sein? Mensch Scott Du Waldschrat! Überleg doch mal. Du, - oder Deine Kinder, oder Kindeskinder -,  könntest aus den gleichen Acres ein vielfaches an Wert herausholen. Ich meine wirkliche Werte, dicke mächtige Stämme. Wenn Du, ja, wenn Du Waldpflege, Ausforstung und Pflanzwesen betreiben würdest. Du könntest was für Dich und für die Umwelt tun....Wozu? Ja weißt Du denn nicht, dass es Länder gibt in denen Privatwaldbesitzer sehr wohlhabende Leute sind. Nein, die laufen nicht mehr selbst mit der Kettensäge in den Wald. Die sitzen am PC, analysieren mit hohem Verantwortungsbewusstsein ihre Bestände, rechnen die Erträge für die nächsten Generationen hoch. Sie haben so etwas wie eine hoch entwickelte Ethik des Waldbesitzers, handeln für ihre Enkel und die Generationen von morgen.

Du hast genug? Dir reichen die paar Quart Holz, die Du jedes Jahr verkaufst? „You like the way it is....?“ Ach ja Scott. Du hast ja so recht, Deine Kinder werden sowieso diese Gegend verlassen, wenn sie was aus sich machen wollen. Und für die paar Doofen die zurückbleiben brauchst Du doch nun wirklich keinen Aufstand zu machen. „Ja, ja, nach Dir die Sintflut, es sieht ja auch überall noch grün aus --- wenn man nicht so genau hinschaut....oder aus der Luft runterguckt ...

 

....oder auf den Screensaver von Air Scapes.

 
   

 

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