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Über Russen und Deutsche
Russland! Deutschlands Beziehungen zu diesem Land sind
lang. Es sind Familienbande. Nicht nur dass deutsche
Frauen dort zeitweilig das Sagen hatten. Auch Russinnen
hatten und haben nachhaltigen Einfluss auf deutsche
Männer. Zum Beispiel auf mich. Seit 16 Jahren bin ich mit
einer Russin verheiratet (Stand 2008) und sich ihrem
Einwirken zu entziehen ist weder gewollt noch klug. So
befruchten sich die beiden Nationen auf offizieller wie
auf privater Ebene.
Das es in den Beziehungen zwischen deutschen und Russen
auch immer eisige Zeiten gab trifft zu. Ich selbst bin in
einer solchen Eiszeit, dem kalten Krieg, groß geworden.
Aber müssen deshalb die Beziehungen zwischen den Menschen
eisig sein? Nein, bei uns sind sie es nicht und, was
Warmherzigkeit betrifft bin ich nirgendwo offener und
herzlicher empfangen und unterstützt worden als im Kreise
meiner angeheirateten russischen Familie und unserer
Freunde.
Dabei sah es ja nie danach aus, dass ich mich Russland
auch privat nähern würde. Mein Großvater war 3 Tage vor
Kriegsende von einem Russen aus dem Hinterhalt erschossen
worden. Ungerechtes Schicksal schon deshalb, weil er gegen
die Nazis war, jede kriegerische Auseinandersetzung mit
unseren Nachbarn für Wahnsinn hielt, sich aber als
Volkssturmmann glaubte seiner Verpflichtung zum Endkampf
nicht entziehen zu können. Außerdem hängte die SS
Verweigerer an der nächsten Laterne auf. Nun also stand
meine Großmutter mit 3 heranwachsenden Jugendlichen allein
da. Keine leichte Aufgabe.

Und während der nächsten 45 Jahre trugen die Russen auch
nicht unbedingt dazu bei Vertrauen zu wecken und
Vorurteile abzubauen. Mein Vater, der die Kommunisten so
hasste wie ich sie heute hasse, sprach nur von den
„Genickschussakrobaten“. Er meinte die Kommunisten, aber
sagte Russen. Später aber, als ich ihm meine neue Frau
vorstellte, war er aufgeschlossen und herzlich und ließ
das junge Mädchen nichts spüren von seinen inneren
Vorbehalten. Auch hatte die Perestroika natürlich die Welt
erstaunt – auch uns.
Unabhängig davon hatten mein großes Interesse für
Literatur, Geschichte und Politik schon früh dazu geführt
mich Russland und den Russen auf eine ganz eigene Art zu
nähern. Es war und blieb alles theoretisch, denn Russen
kannten wir im Westen gar nicht. Aber das „russisches
Leben und Denken“ faszinierend war entging mir nicht.
So war es neben dem Faktor Liebe und Familiengründung auch
eine glückliche Wendung des Schicksals für den Kopf, den
Geist, das Verständnis, nun tiefere und nähere Eindrücke
von Russland und den Russen zu erhalten. Sie richtig
einschätzen zu lernen, ihre Lebensumstände erforschen zu
können und zu verstehen warum sie uns in der Vergangenheit
und Gegenwart manchmal so unverständlich erscheinen.
Zugegeben: Vieles an ihnen und ihrer Lebensgestaltung
zieht mich an. Das ihnen inhärent anarchistische zum
Beispiel. Die Staatsferne der normalen Leute. Ihren Weg am
Offiziellen vorbei zum Beispiel. Das organisierte Chaos
und die Fähigkeit zu improvisieren und zu überleben. Genau
besehen gibt es diese Fähigkeiten auch bei amerikanischen
Pionieren und gelegentliche Ähnlichkeiten fallen
wahrscheinlich nur auf, wenn man beide Nationen näher
kennen lernt.
Und so ist es bei der Beurteilung der Russen wie bei den
Vorurteilen gegenüber den Amerikanern. Die, die so beladen
sind kennen weder unsere östlichen Nachbarn noch waren sie
je in Amerika. Meine Gedankensplitter und Berichte zu
Russland sollen wieder Merkwürdigkeiten aufspießen.
Sarkastische Kommentare eingeschlossen. Wenn Sie
weichgespültes lesen wollen, berichte ohne Ecken und
Kanten kaufen Sie sich einen Reiseführer. Den können Sie
dann neben den über Kanada stellen. Meine Eindrücke
gehören da eher nicht hin.
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