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Favorites, Vorbilder
und Ideale
Jeder Mensch sollte Vorbilder
haben. Sind es in der Zeit der Unschuld, der Kindheit, zunächst die
Eltern, kommen später fremde Menschen hinzu. In dieser Phase können
das Lehrer oder Nachbarn sein. Sowie sich allerdings der Horizont
erweitert werden es Fremde, möglicherweise Menschen die man nur aus
der Literatur oder den Medien kennt. Wenn in dieser - pubertären -
Zeit die Eltern noch als Vorbild gelten und auch tatsächlich
Vorbild sind, kann man von einem seltenen Glücksfall sprechen.
In dieser Zeit des Heranwachsen sucht man sich aber oft, weil zwar für
Ideale empfänglich, aber ohne den Durchblick und Informationen auf die
Hintergründe, die negativen und nicht medial positiv aufbereiteten
Wesenzüge und Handlungen eines Menschen, falsche Vorbilder. So haben
ganze Generationen von Jugendlichen für Totalitaristen wie Ho Chi
Minh oder Che Guevara geschwärmt. Der Glaube an das
Positive des gewählten Vorbildes ist durch nichts zu erschüttern. Ein
derart, oft unter Zeitgeistgesichtspunkten gewähltes „Vorbild“
wirft man, auch wenn man es inzwischen besser wissen könnte, oft nicht
mehr über Bord. Es begleitet, ein Leben.
Ich habe natürlich keine wissenschaftliche Untersuchung zur Hand, aber
aus meinen Erfahrungen kann ich berichten, dass es offensichtlich
zwei Gruppen von Jugendlichen gibt. Die eine – größere - Gruppe
sucht sich „politische Vorbilder“. Mangels eigener Fähigkeiten
oder Talente, welche die Suche nach „Fachvorbildern“ sinnvoll machen
würde, erfolgt eine Hinwendung zu „sozialen Vorbildern“, also
Weltverbesserern und Glücks- und Heilsversprechern. Die Gruppe
dieser Suchenden ist ausgesprochen homogen, und wenn ich an die
Teenager in den Tagen des Sechstagekrieges denke, also genau 40
Jahre her, wie sie demonstrativ mit Palitüchern rumliefen,
ohne auch nur das geringste Wissen über die Zusammenhänge zu haben
und sie mit den Jugendlichen vergleiche die jetzt Che-T-Shirts
tragen, kann ich keinen Unterschied erkennen. Das Vorbild wurde
emotional gewählt, Wissen ist da nachrangig Ich habe keinen
Jugendlichen getroffen der sich wirklich in die historischen
Zusammenhänge versenkt hätte. Dabei wäre es heute mit dem
Internet, als Ergänzung zur Bibliothek so viel einfacher.
Dann gibt es eine kleine Gruppe Jugendlicher die, meist talentiert,
gezielt Vorbilder suchen, denen sie in wirklicher Leistung
nacheifern. Ich denke an Kinder und Jugendliche die sich einen
Pianisten, einen Schriftsteller oder einen gestaltenden Künstler
als Vorbild suchen und oft in Wettbewerben ihrem Ideal nahe zu kommen
versuchen.
Natürlich können Eltern ihren Kindern bewusst, unter Berücksichtigung
der Altersstufe, Vorbilder nahe bringen. Wir zum Beispiel tun das.
Wobei es nicht mehr als eine Hoffnung ist, dass der gepflanzte Same
auch aufgeht, blüht und gedeiht. Ich selbst habe meine
Vorbilder selten getauscht, einige habe ich bereits seit früher
Kindheit. Das lag auch daran, dass es relativ lange dauerte bis
ich ein Vorbild als solches annahm. Es hatte sich quasi zu beweisen.
In sofern war ich lernfähig, als ich aus der Enttäuschung über eine
Person darauf schloss, dass, je länger man wartet, um so mehr
an Informationen über jemanden ans Tageslicht kommen. Diese Erkenntnis
hatte ich schon recht früh – und oft wurde ich, wenn ich jemanden
auserkoren hatte „Vorbild zu sein“ bitter enttäuscht.
Meine Galerie der Vorbilder ist im Laufe der Jahre gewachsen. Einige
sind erst in jüngster Zeit hinzu gekommen. Dabei meint „Vorbild“
nicht, dass ich ihnen etwa in allem nachzueifern gedenke. Bei der
Sopranistin Lucia Aliberti, beispielsweise, wäre das ja auch
schlecht möglich. Aber, – sie alle haben etwas, was mich anspricht,
mehr anspricht als bei anderen ihrer Gruppe. Bei Künstlern ist es
natürlich zunächst das Talent. Bei Politikern mehr der
Charakter und die Gradlinigkeit. Dabei kann es durchaus vorkommen,
dass ich einen für meine Galerie ausgewählten Menschen zwar
künstlerisch schätze, mich aber von seiner politischen
Einstellung deutlich distanziere. (Beispiel Daniel Barenboim)
Ich habe, frank und frei, in meine Galerie diejenigen aufgenommen,
die, für mich erkennbar, das Beste in ihrem Job gaben und geben.
Sie imponieren mir, sie gefallen mir, einige dienen mir als Vorbild
und einigen möchte ich am liebsten meine direkte Sympathie und
Unterstützung zuteil werden lassen. (Hirsi Ali)
Aber, ich bin auch so frei die aufzuzählen, die ich hasse. Die
meine persönlichen Feinde sind. Ich habe mich immer einer
gutmenschlichen Erziehung entzogen. Einer Erziehung wo alles glatt
gebügelt wird, besänftigt, langatmig umschrieben. Wo man nur noch
lieben und nicht mehr hassen darf. Wenn ich also in der Rubrik „Assholes“
solche namentlich benenne, dann…, ja dann sind sie auch welche.
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