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Zu naiv für einen
Kultusminister?
Peter Krause wird nicht Kultusminister von Thüringen. Das ist
gut so. Denn für diesen Job war er in diesem Land zu naiv.
Außerdem hatte er als Bürgerrechtler und DDR-Kritiker die
falsche Biografie.
VON Dr. Nicolaus Fest
Peter Krause, Gründungsmitglied der DDR-Bürgerrechtsbewegung
Neues Forum, wird nun doch nicht Kultusminister Thüringens.
Entmutigt von einer tagelangen medialen Hetzjagd, erklärte der
CDU-Politiker, dass er auf das Amt verzichte. Der Grund für
diesen Rücktritt ist Naivität. Peter Krause hat tatsächlich
geglaubt, in diesem Land herrsche so etwas wie Meinungsfreiheit.
So was rächt sich.
Vier Dinge werden ihm vorgehalten: Zunächst habe er vor rund
zehn Jahren für eine konservative Zeitschrift gearbeitet. Dass
er nach vier Monaten von sich aus wegen unüberbrückbarer
inhaltlicher Differenzen kündigte, spielt keine Rolle.
Außerdem habe er 2002 im ebenfalls rechtslastigen Blatt „Etappe“
einen Artikel veröffentlicht. Auch wenn der Artikel keine
reaktionären Bedürfnisse erfüllte, sondern im Gegenteil sehr
kritisch mit einem Säulenheiligen der rechten Intellektuellen
umsprang, kann es auch hierfür keine Gnade geben.
Drittens hat Krause dem Nationalsozialismus „forcierte
Modernität“ bescheinigt. Das ist zwar eine These, die von vielen
Fachleuten geteilt wird, kann aber so ausgelegt werden, als sei
„forcierte Modernität“ etwas Positives. Da aber jeder weiß, dass
es im Nationalsozialismus außer dem geheimen Widerstand von
Günter Grass nichts Positives gab, ist auch diese Äußerung
mindestens naiv.
Schließlich hat Krause die Verschwörer des 20. Juli 1944 als
„Mittäter“ bezeichnet.
Über diesen Begriff kann man, mag er auch rechtstechnisch
korrekt sein, sicherlich streiten, wie über viele Aspekte des
versuchten Tyrannenmords. Dass ihm aber nunmehr ausgerechnet
Leute fehlende Sensibilität im Umgang mit den Helden des
deutschen Widerstands vorwerfen, die hiervon bis zur Diskussion
um den Tom-Cruise-Film mehr oder minder noch nie gehört hatten,
ist bemerkenswert. Zumindest bisher hatte man nicht den
Eindruck, der 20. Juli sei für Grüne, Linke und SPD ein Datum
nationaler Freude.
Egal. Krause war zu naiv.
So bleibt als Fazit: Hätte Krause wie Rudi Dutschke zum
„bewaffneten Kampf“ gegen die Bundesrepublik aufgerufen, würde
man Straßen nach ihm benennen.
Wäre er Mitglied der Waffen-SS gewesen, könnte ihm dies als
Jugendsünde verziehen werden.
Hätte er trotz Steinwürfen auf Polizisten Außenminister werden
wollen, wäre das als „biografischer Bruch“ durchgegangen.
Hätte er versucht, eine Stasi-Intrige gegen Bundespräsident
Lübke aufrecht zu halten, hätten ihm die Großrichter der
Süddeutschen Zeitung attestiert, er habe zu einem „anständigen
Staatswesen“ beigetragen.
Und vor allem wäre seine Berufung zum Kultusminister Thüringens
überhaupt kein Problem, wenn er zu Zeiten der DDR als
Stasi-Zuträger gearbeitet hätte – so wie viele, die heute im
Bundestag oder in den Landtagen sitzen.
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