Klabautzke & Co. - Geschichten aus einem verrückten Haus

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Klabautzke & Co. - Stories from a Crazy House

       
   

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Klabautzke & Co
Einleitung
Die Bewohner
Es brennt

 

 

 

 
 

 

   

 

 

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Es brennt !!!“

 

Es war einer dieser Tage, wo alles schief geht. Es fing gleich morgens an. Ich war schon vor dem Frühstück einmal auf die Nase gefallen, weil ich beim anziehen ein Buch las und nicht gleichzeitig lesen, auf einem Bein stehen und eine Socke anziehen konnte. So war ich umgefallen, was kräftig rumste. Meine Mutter war aus der Küche gekommen und hatte gedacht, es sei etwas ernstes passiert. War es aber nicht, nur das Buch hatte ein Eselsohr bekommen, mein Arm tat weh und meine Nase auch. Während Mutter und ich frühstückten hörten wir dann ein Donnergetöse aus Klabautzkes Wohnung unter uns. Es war früher und lauter als gewöhnlich. Es klang als würde er die ganze Wohnung in Stücke schlagen. Martha’s Stimme war auch zu hören und ebenso die von Carmen. Dann hörten wir die Wohnungstür und Sekunden später lief Martha mit einem Taschentuch vor der Nase über die Straße. Carmen lief auch aus dem Haus, aber nicht ohne die Wohnungstür so zuzuknallen, daß bei uns der Schuhlöffel im Korridor von der Wand fiel. Es rappelte noch eine Weile und man hörte Klabautzke fluchen, dann wurde es still.

 

 Später traf ich mich mit Fridolin zum spielen. Der gute Freund hatte eine mächtig dicke Backe, von einer Schelle die ihm Klabautzke gegeben hatte. Wir holten meine Indianerfiguren und gingen auf den Hof, weil es dort einige Steine gab, die eine hervorragende Kulisse für sich verteidigende Indianer war, während der angreifende Stamm über die Ebene, also die Hoffläche, reiten konnte. Fridolin war Häuptling der Apatchen, ich der Führer der Sioux. Eben griffen meine Sioux erneut unbarmherzig an, die Apatchen verteidigten sich so gut sie konnten, waren aber der Übermacht der Feinde auf Dauer wohl doch nicht gewachsen, als es begann ziemlich brenzlig zu riechen. Ich glaubte nun endlich hätten meine Sioux mal getroffen, mit ihren Brandpfeilen etwas bei den Apatchen in Brand geschossen und wollte schon zu Fridolin hinüberrobben um zu erspähen was das wohl sei, als Fridolin plötzlich aufschrie. Ich hielt das nur für eine neue Taktik in dieser harten kriegerischen Auseinandersetzung, aber da sprang er, gegen alle abgemachten Kampfregeln, auf und schrie es „brennt“. Natürlich, endlich hatte ich getroffen. Was mich ärgerte war, das Fridolin über meine Ebene raste, auf die Haustür zu und ohne Rücksicht auf meine Figuren. Ich sprang ebenfalls auf und wollte ihn gerade einen Spielverderber nennen, als ich große weiß-graue Qualmwolken aus dem Küchenfenster der Klabautzkes quellen sah. Das konnte nun wirklich keiner meiner Pfeile gewesen sein. Ich rannte hinter Fridolin her. Wir rannten in Haus und Fridolin versuchte mit zitternden Fingern, seine Wohnungstür aufzubekommen, was nicht einfach war, den er trug den Schlüssel an einer Schnur um den Hals. Schließlich sprang die Tür auf und wir rannten durch den Korridor in die Küche. Sie war voller Rauch und wir konnten nichts sehen, aber aus dem Wohnzimmer kam ein Stöhnen. Auch hier war alles verqualmt, aber undeutlich nahmen wir Klabautzke war. Er lag neben dem Sofa, das glimmte und entsetzlich qualmte. Rote Glut fraß sich von der Sitzfläche langsam die Rückenlehne hoch und kleine Flammen züngelten auf. Rund um das Sofa lagen viele Flaschen Schnaps und Bier und es stank entsetzlich. Wir mußten husten und Fridolin schrie: Papa! Papa! Aber Klabautzke grunzte nur und als er sich aufrichten wollte kippte er gleich wieder zur anderen Seite. Glücklicherweise war auf und dicht über dem Boden nicht so viel Rauch, wie weiter oben und so krochen wir auf Klabautzke zu und versuchten ich ihn aus dem Zimmer zu ziehen.
 
 Klabautzke war zu schwer und so rannte Fridolin in den Hausflur und rief um Hilfe. Ich kletterte auf einen Stuhl und machte das Fenster auf. Ich hatte fast das Gefühl ohnmächtig zu werden und ich begann entsetzlich zu husten. Der Zug zwischen Küchen- und Wohnzimmerfenster wirbelte den ganzen Rauch um und nun war das Zimmer richtig blau. Ich geriet langsam in Panik, denn Alfons begann zu röcheln und zu spucken und konnte nicht hochkommen. Ich rannte ins Badezimmer, die Küche war schon viel zu verqualmt und da fand ich auch was ich suchte: Ein Eimer mit Wasser. Der Haken war: Es war ein Eimer voll mit schmutzigem Wischwasser, der Schrubber steckte noch, den Martha vergessen hatte auszukippen. Ich schleppte ihn zurück ins Wohnzimmer. Schwer war und Luft bekam ich nun fast auch keine mehr. Ich kippte ihn auf die Glut des Sofas- und erstarrte fast vor Schreck. Jetzt ging die Qualmerei erst richtig los. Mir tränten die Augen, ich konnte nicht mehr und rannte in den Hausflur- direkt in die Arme von Otto Pelle. Der sagte gar nichts sondern rannte an mir vorbei und verschwand in der Undurchsichtigkeit des Wohnzimmers. Ich tastete mich mit Fridolin vorsichtig hinterher und wir sahen wie Otto Pelle das Sofa anhob und die eine Seite aufs Fensterbrett stellte. Da sprang er zur anderen Seite, schob und - das Sofa war verschwunden es gab einen Krach, wir rannten zum Fenster, da lag es und qualmte im Vorgarten weiter. Otto packte Alfons an den Armen und schleifte ihn vom Wohnzimmer durch den Korridor in den Hausflur. Da lag er nun der starke Alfons und röchelte vor sich hin. Die Haustür ging auf und Martha kam herein. Sie hatte verweinte Augen, eins war ganz blau und lila und schneuzte in ein großes Taschentuch. Nach einem kurzen Blick auf Alfons sagte sie: „Ich glaube es war ein Unfall, danke Herr Pelle!“ Pelle sagte: „Mir müssen sie nicht danken, danken sie den Jungs, die haben das Schlimmste verhindert.“ Martha warf uns einen dankbaren Blick zu. Da ging wieder die Haustür auf und Carmen kam herein. Sie begann gleich zu schimpfen wie ein Rohrspatz überschüttete ihren Vater mit einem Wortschwall, der mir verboten wurde zu wiederholen, piekte ihren Vater mit der Spitze ihrer hohen, roten Schuhe in die Seite: „Eh, Alter, wach auf, los, los.“ Sie blickte zu ihrer Mutter: „Besoffen wie ein Schwein!“ Martha rang die Hände. Da ging wieder die Haustür auf und Frau Dr. Motte kam herein. Da sie nicht an Alfons und uns vorbeikonnte blieb sie stehen und betrachtete Alfons wie ein Insekt. Angeekelt wandte sie sich ab und sagte, sich einen Weg zum Fahrstuhl bahnend: „Widerlich, einfach widerlich.“ Carmen machte einen bösen Finger hinter ihr her und stakelte in die Wohnung.
 
 Otto Pelle hatte inzwischen aus dem Wohnzimmerfenster einige Eimer Wasser auf das Sofa gekippt, dessen Glut nun erstarb das aber weiterqualmte und entsetzlich stank. Der Mief zog durch die ganze Straße . Dann half er Martha Alfons in die nun wieder betretbare Wohnung zurückzuschleifen und sie zogen ihn ins Schlafzimmer vors Bett. Die Kraft ihn reinzuhieven hatten sie nicht. Martha bedankte sich bei Otto Pelle, der nach oben in seine Wohnung ging. Fridolin und ich wollten uns nun auch dünn machen, als Martha uns ins Wohnzimmer winkte. Jetzt erst nahm ich war, das es hier aussah als hätte eine Bombe eingeschlagen. Sie schloß das Fenster und zog aus einem Vertico eine große Tafel Schokolade hervor: „Vielen Dank für Eure Hilfe“, sagte sie und schneuzte sich erneut. Carmen saß in all dem Chaos am Tisch und feilte sich ungerührt die Fingernägel: „Eh, Kleener, janz schön mutig wa?“ Fragte sie in meine Richtung. Ich wurde rot wie ihre Fingernägel und starrte auf ihre Beine. Sie hatte sie übergeschlagen und ihr roter Schuh wippte am Fuß hin und her. Ich war froh das mich Fridolin ins Freie zog. Zum Indianerspiel hatten wir nun keine Lust mehr, aber wir schwelgten in Schokolade. Fridolin machte ein trauriges Gesicht: „Du weißt, mein Vater ist nicht immer einfach....“, murmelte er entschuldigend.
 
 Einige Tage später zerhackte Alfons fluchend das Sofa im Vorgarten.

 

 
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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