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Carmen
Herr Professor Lampe war ein gebildeter Mann. Er hatte eine Goldbrille auf der Nase und immer eine Aktentasche unter dem Arm. Zu mir war er immer sehr nett, einmal schenkte er mir ein Wilhelm Busch Buch. Wenn ich mit meiner Mutter in seiner Wohnung war und sie nach dem Ficus schaute und ob alle Fenster richtig zu waren war ich jedesmal sehr
beeindruckt von den vielen Büchern. Einige Mal war ich auch in seiner Wohnung, wenn Gustav Lampe da war. Dann gab er mir Atlanten zum ansehen, oder Bücher mit alten Schiffen, Mongolfieren oder Flugzeugen. Die meisten Bücher aber enthielten Bilder von alten Gebäuden in Griechenland und Italien, Marmorstatuen und viele nackte Frauen und Männer, in
Marmor, ähnlich den Figuren im Hausflur unten.
Er machte gern ein Schwätzchen und wenn er ins plaudern kam, war ist nicht einfach seiner Wege zu gehen, sondern so ein Pläuschen konnte durchaus eine halbe Stunde oder mehr dauern. Vater, der wenig Zeit hatte, versuchte immer längere Unterhaltungen zu verkürzen, Mutter hatte schon mehr Geduld. Mit Klabautzke konnte Lampe überhaupt nicht reden,
aber mit Martha tauschte er gern Neuigkeiten und simpelsten Klatsch aus. Auch mit Frau Dr. Motte und mit Paula Pelle konnte er lange tratschen. Vater sagte, das sei eine Kompensation für seine „hochgeistige Arbeit“, da entspanne er sich. Ganz besonders interessiert war er aber an Gesprächen mit Carmen Klabautzke. Da blühte er richtig auf. Er wurde
sichtlich größer, er schien den Bauch einzuziehen und auf seiner Stirn bildeten sich kleine Schweißperlen. Er konnte Carmen lange nachschauen und oft richtete er so ein, hatte ich den Eindruck, der er just in dem Moment aus der Haustür trat, wenn Carmen kam. Auch bei Paula blühte er auf, aber nicht so wie bei Carmen.
Da ich natürlich viel im Haus, im Hof und auf der Treppe spielte hatte ich auch viele Gelegenheiten Gespräche und Begegnungen mitzubekommen. |
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