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Manchester-Kapitalisimus

Mit Manchester-Kapitalismus bezeichnet man eine Ausprägung des Kapitalismus, die durch freie Entfaltung unternehmerischer Interessen bei allergrößter Zurückhaltung des Staates gekennzeichnet ist (daher auch Manchesterliberalismus genannt). Der Begriff bezieht sich auf die englische Industriestadt Manchester, wo im frühen 19. Jahrhundert die industrielle Revolution sich besonders rasch vollzogen hatte und wo deren negative Folgen besonders deutlich wurden, d.h. die Verelendung des Proletariats. Vergleichbare Entwicklungen vollzogen sich auch in anderen Städten inner- und außerhalb Großbritanniens, doch blieb der Begriff ebenso an Manchester haften wie z.B. Chicago noch heute mit Gangstersyndikaten assoziiert wird.

Der Begriff wird heute weniger historisch-beschreibend gebraucht als vielmehr auf Gegenwart und Zukunft bezogen. In diesem Zusammenhang drückt er Kritik an einer nach Meinung der Kritiker zu liberalen Politik aus, die den Abläufen des Marktes zu viel Spielraum lässt und soziale und andere gemeinschaftsbezogene Verpflichtungen des Unternehmertums zu wenig geltend macht. Speziell in Deutschland wird er in kritischer Absicht als Gegenmodell der im Grundgesetz verankerten sozialen Marktwirtschaft genannt.

 

 
   

 

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Marktwirtschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

Marktwirtschaft ist ein Sammelbegriff für verschiedene Wirtschaftssysteme, denen gemeinsam ist, dass Güter auf einem Markt getauscht werden. Das Angebot von Waren wird durch deren Nachfrage geregelt und umgekehrt. Produktion wie Konsumtion von Gütern wird letztlich über einen Markt gesteuert.

 

Marktwirtschaft grenzt sich damit von der Subsistenzwirtschaft ab (Produktion nur für den eigenen Bedarf, Konsumtion der selber erzeugten Produkte), und zum anderen von der Planwirtschaft (Produktion wie Konsumtion werden zentral geplant).

Markt- wie Planwirtschaft sind Organisationsformen für eine arbeitsteilige Wirtschaft, bei der die "Teilnehmer" aus eigenem Interesse zusammenfinden, um die produzierten Güter unter vorgegebenen Normen zu übertragen.

 

Inhaltsverzeichnis  

1 Formen der Marktwirtschaft

1.1 Freie Marktwirtschaft

1.2 Soziale Marktwirtschaft

1.2.1 Interpretation von "sozial"

2 Geschichte der Marktwirtschaft

 

Formen der Marktwirtschaft

Schumpeter unterscheidet zwei Erscheinungsformen der Marktwirtschaft: die Kreislauf-Marktwirtschaft und die kapitalistische Entwicklung.

Freie Marktwirtschaft

Bei der freien Marktwirtschaft, deren Prinzip von Adam Smith entwickelt wurde, bestimmen lediglich Angebot und Nachfrage die Wirtschaftstätigkeiten. Gesellschaftliche beziehungsweise staatliche Eingriffe, bei der Angebot und Nachfrage gewissen Regeln unterworfen werden, finden nicht statt. Die freie Marktwirtschaft existiert in ihrer reinen Form nur in der Theorie. In der Praxis zeigt sich die Notwendigkeit gesellschaftliche Regeln einzuführen. Unterschiede in Kenntnis, Wissen und Fähigkeiten bei den Marktteilnehmern führen ohne Regelungen zur Deformation der Marktwirschaft (Monopole); externe Faktoren, zum Beispiel verschmutzte Luft, werden am Markt nicht berücksichtigt (ökologische Marktwirtschaft); in der Zukunft sich auswirkende Handlungen werden nicht ausgeführt (warum soll ich einen Baum pflanzen, der erst in 100 Jahren auf den Markt gebracht werden kann) (Nachhaltigkeit).

 

Schon Jeremy Bentham und seine Nachfolger haben solche Einschränkungen erkannt. Der an sich liberal eingestellte Utilitarist Bentham entwickelte aus sozialen Gründen den felicific calculus. Diese Philosophie beruht auf der Grundlage, daß das größte zu erreichende Gut dasjenige wäre, welches zum "größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl" führt (greatest happiness for the greatest number). Der praxisnahe Sozialreformer schränkte allerdings später das zweite Prinzip zum greatest happiness principle ein. Es hat Ähnlichkeiten mit heutigen Encounter-Leitlinien der sozialen Interaktion.

 

Soziale Marktwirtschaft

Zur Abgrenzung einer sozialverantwortlichen Form des Kapitalismus von seiner reinen Ausprägung wurde 1947 der Begriff soziale Marktwirtschaft geprägt. Die Ökonomie der BRD wird diesem Begriff zugeordnet. Unter Einbindung des Umweltschutzes prägten Josef Riegler und andere um 1986 den Begriff ökosoziale Marktwirtschaft - zwar noch wenig gebräuchlich, aber in seinen Inhalten als Leitlinie anerkannt.

Die soziale Marktwirtschaft (auch "Rheinischer Kapitalismus") wurde in den 1950er Jahren von Konrad Adenauer als Alternative zur damaligen Mehrheitsmeinung der CDU-Mitglieder, doch insbesondere zu dem von der SPD geforderten Sozialismus entworfen. Gleichzeitig wurde er auch in anderen Staaten entwickelt. Wichtige Schritte in Österreich waren beispielsweise Kartellverbote und Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb.

 

Um 1960 war die zunächst heftige Kritik an der sozialen Marktwirtschaft versiegt. Die Marktwirtschaft hatte ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt, und die Devise "Wohlstand für alle" von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard schien keine Utopie mehr zu sein: Das enorme Wirtschaftswachstum der fünfziger Jahre ermöglichte zugleich die Eingliederung der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen und den Ausbau der Sozialpolitik. Doch das nächste heiße Thema wartete schon: der (teilweise oder vermeintliche) Widerspruch zwischen Familien- und Frauenpolitik. Immerhin meinten Ende 1963 über 62 % der Deutschen, es ginge ihnen im Moment am besten.

Geistige Väter der Idee waren Franz Oppenheimer und nach dem Zweiten Weltkrieg Alfred Müller-Armack sowie der erste Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard. Während Armack eher der "Denker" war, musste Erhard innerhalb und außerhalb seiner eigenen Partei, der CDU, jahrelang für die Umsetzung der Idee einer nicht staatlich gelenkten Allokation von Waren und Dienstleistungen kämpfen - obwohl anfangs längst nicht alle Preise auf einmal freigegeben worden sind. Erhard hat die Idee der Marktwirtschaft insbesondere in seinem Werk 'Wohlstand für alle' propagiert.

Karl von Vogelsang (1818 - 1890) hat als einer der wichtigsten Sozialreformer der Gründerzeit die christliche Soziallehre geprägt, während fast gleichzeitig die sozialistische Bewegung den "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Kommunismus entwickelte (erste Parteigründungen England 1883 Hyndman, Deutsches Reich Bebel und Liebknecht 1869/75).

 

Ansätze der sozialen Marktwirtschaft gehen auf den Kathedersozialismus (siehe Verein für Socialpolitik und Historische Schule) zurück.

Wesentliche Namen sind Adolph Wagner, Gustav von Schmoller und besonders Lujo Brentano, sowie außerhalb dieser direkten Tradition Wilhelm Röpke.

 

Interpretation von "sozial"

Das Adjektiv "sozial" wurde und wird unterschiedlich interpretiert: Erhard ging - ganz im Sinne von Adam Smith und den Nationalökonomen des 19. Jahrhunderts - davon aus, dass Marktwirtschaft immer sozial wäre, da eigennütziges Handeln des Einzelnen zur Steigerung des Gemeinwohls führe; 'soziale Marktwirtschaft' wäre demnach ein Pleonasmus.

Adenauer ließ aus politischen Gründen den Begriff 'freie Marktwirtschaft' zugunsten des Begriffs 'soziale Marktwirtschaft' fallen und benützte die Instrumente der Umverteilung (Steuerprogression, Sozialversicherungssystem, Sozialhilfe, sozialer Wohnungsbau) als Argumente für das 'Soziale' in der bundesdeutschen Wirtschaftsform. So sollte die damals weit verbreitete Forderung nach einer - angeblich sozialeren - "planwirtschaftlichen" Wirtschaftsform (richtiger: Zentralverwaltungswirtschaft) analog zur DDR) entkräftet werden.

 

Kritik am Begriff der 'sozialen' Marktwirtschaft übte von nicht-sozialistischer Seite insbesondere Friedrich A. Hayek, der vor allem im Begriff 'sozialer Rechtsstaat' einen inneren Widerspruch sah.

Während die Praxis der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland weitgehend unumstritten ist und mit der Sozialstaatsgarantie ihren Niederschlag im Grundgesetz gefunden hat, bestehen gravierende Unterschiede in der Auslegung von Begriff und Zielsetzung einer so benannten Wirtschaftsform. Wiederholt bricht beispielsweise (in Wellen von einigen Jahren) der alte Streit zwischen Monetaristen und Keynesianern auf und findet seinen Niederschlag auch in der Berufung oder Nichtberufung von Wirtschafts-Wissenschaftern in die Kreise der so genannten Wirtschaftsweisen. Neuere Beispiele für solchen Streit sind die keynesianisch begründeten Publikationen und öffentlichen Auftritte des ehemaligen Bundesfinanzministers Oskar Lafontaine.

Wesentlichen Problemfelder der bundesdeutschen Marktwirtschaft sind derzeit Arbeitslosigkeit, Rentensysteme, Gesundheitswesen und Ökologie.

 

Geschichte der Marktwirtschaft

Im Mittelalter hatte sich am Rande einer agrarischen Naturalwirtschaft eine effiziente, regional ausgerichtete Marktwirtschaft entwickelt. Der Austausch der von Handwerkern gefertigten Produkte erfolgte auf einem durch Körperschaften (Zünften, Räten etc.) organisierten und durch persönliche Beziehungen geprägten Markt. Diese Körperschaften »planten« das Marktvolumen, indem sie die Zahl der Produzenten strikt begrenzten. So sollte ein Gleichgewicht von Produktion und Konsumtion gewährleistet werden. Diese Regulation bezog sich auch auf die Produktionsmethoden, Werkzeuge und deren technische Innovation. In dieser regulierten Marktwirtschaft gab es keinerlei Platz für Konkurrenz.

 

Die heutige kapitalistische Form der Marktwirtschaft entstand zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Im Absolutismus bildete sich ein moderner Territorialstaat heraus, für dessen bürokratische und militärische Bedürfnisse eine Expansion der Geldwirtschaft notwendig wurde. Im Außenhandel sollten die für den zentralen Staat notwendigen Geldüberschüsse erwirtschaftet werden. Der Merkantilismus versuchte deshalb die durch Zünfte stark regulierten lokalen Märkte für den entstehenden Weltmarkt aufzulösen. Zunehmend wurden die für lokale Märkte produzierenden Handwerker und Kleinbauern der anonymen Konkurrenz überregionaler, weltweiter Märkte unterworfen.

 

Ideologische Grundlage für das heutige Wirtschaftssystem liefert die Theorie von Adam Smith (1723-1790) mit dem Bild von der "unsichtbaren Hand des Marktes", die aus den egoistischen Handlungen des Einzelnen automatisch das Beste für den allgemeinen Wohlstand erzeugen würde. Diese Behauptung wurde seither regelmäßig angezweifelt, doch als Grundlage des kapitalistischen Systems bildet sie das Fundament der heutigen Wirtschafts- und Finanzwissenschaft.

 
 
   

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Marxismus

 

Als Marxismus wird der Inhalt der Schriften von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) bezeichnet. Die Interpretation der Inhalte, ihre Einordnung, die Gewichtung einzelner Teile ist stark von der philosophischen und politischen Position des jeweiligen Betrachters abhängig.

 

Inhaltsverzeichnis  

1 Das marxistische Geschichtsbild

2 Die marxistischen Schlußfolgerungen für die Geschichte

3 Geschichtliche Auswirkungen des Marxismus

4 Marxismus

4.1 Wissenschaftlicher Sozialismus

4.2 Wissenschaftstheorie

4.3 Geschichte marxistischer Bewegungen/Organisationen

4.4 Ökonomisches

4.5 Philosophie

4.6 Historischer Materialismus

 

Das marxistische Geschichtsbild

Das kulturelle und geistige Sein einer Gesellschaft wird in letzter Instanz von ihren wirtschaftlichen Grundlagen und Arbeitsweisen bestimmt wird. Laut Marx ist die Geschichte eine »Geschichte von Klassenkämpfen. Aus einer anfangs [[egalitär|egalitären], klassenlosen Gesellschaft bildet sich durch Überschußproduktion Privateigentum heraus. Dies ist die Voraussetzung für die Entstehung von Klassen. Die antagonistischen Interessenkonflikte zwischen den Klassen äußern sich im Klassenkampf. Dieser bildet den Motor für die geschichtliche Entwicklung, die über verschiedene Gesellschaftsformen mit jeweils anderen Produktionsweisen später wieder zu einer klassenlosen (industrialisierten) Gesellschaft (Kommunismus) führt.

 

Das marxistische Geschichtsbild ist ein dialektisches.

 

Die marxistischen Schlußfolgerungen für die Geschichte

Nach marxistischer Ansicht wird das heutige ökonomische System, der Kapitalismus als Wirtschafts- und Herrschaftssystem untergehen, wenn die unterdrückte Klasse, das Proletariat die ökonomische und politische Macht übernimmt. Diese Diktatur des Proletariats, welche die "Diktatur des Kapitals" ablöst ist die Übergangsphase zum Kommunismus, der klassenlosen Gesellschaft.

 

Geschichtliche Auswirkungen des Marxismus

Der Marxismus beeinflußte in hohem Maße die Arbeiterbewegung sowie die sozialistische Ideologie, für welche er ein theoretisches Fundament lieferte, aber ebenso die Idee, das bestehende System nicht als "von Gott" oder "der Natur" gegeben hinnehmen zu müssen.

 

Als Folge darauf entstand zum Beispiel der Marxismus-Leninismus, welcher die Überwerfung der herrschenden Klasse in einer Revolution propagierte, sowie dessen Tochterideologien Trotzkismus und Stalinismus, während reformistisch Denkende wie etwa die Sozialdemokratie die Meinung vertrat, das bestehende System durch Reformen verändern zu können.

 

Marxismus

Unter Marxismus wird eine politische und/oder wissenschaftliche Theorie verstanden, die sich direkt auf Karl Marx und Friedrich Engels bezieht. Während Marx selbst kein "Marxist" sein wollte, entwickelte sich tatsächlich unter diesem Begriff schon zu seinen Lebzeiten eine diesbezüglich orientierte Gruppierung von Sozialisten und Sozialistinnen, die um die Jahrhundertwende allerdings inhaltlich schon weit auseinander differenziert war. Mit der Russischen Revolution entstanden dann mit dem Marxismus-Leninismus Konzepte politischer Herrschaft, die von vielen als mit der marxschen "Klassenlosen Gesellschaft" als unvereinbar eingeschätzt wurden.

 

Marx und Engels waren im 19. Jahrhundert bedeutende Theoretiker (und Praktiker) der Arbeiterbewegung. Sie sind die Verfasser des "Kommunistischen Manifests", das sie im Auftrag des Bundes der Kommunisten 1845 vorlegten. Ihre Arbeit stützten sie philosophisch auf die Dialektik Hegels - dessen philosophischen Idealismus sie allerdings scharf kritisierten und den sie deshalb "vom Kopf auf die Füße stellten" - und den (undialektischen) Materialismus Feuerbachs.

 

Wissenschaftlicher Sozialismus

Ihr Bestreben war, den Begriff des "Sozialismus" bzw. "Kommunismus" wissenschaftlich zu fundieren, um sich gegen Ansätze des Frühsozialismus bzw. "Utopischen Sozialismus" abzugrenzen, deren Vertretern sie vorwarfen, sie wollten ihre politischen Utopien direkt in die Tat umsetzen, ohne hinreichende gesellschaftliche Bedingungen vorzufinden. Marx/ Engels sprachen zwar hinsichtlich ihrer Arbeit auch vom "Wissenschaftlichen Sozialismus", verstanden unter dem seinerzeit geläufigen Begriff aber keine dogmatische Lehre, sondern die Analyse der Bewegungsgesetze von Gesellschaftsformationen in Hinblick auf die klassenlose Gesellschaft. Die Grundlage für ihren wissenschaftlichen Sozialismus formulierten sie 1844 in der Schrift "Die Deutsche Ideologie", die auch ihrem eigenen Selbstverständnis dienen sollte und erst 1932 publiziert worden ist. Engels hat allerdings in seinen Spätwerken direkter auf den Wissenschaftlichen Sozialismus Bezug genommen.

 

Wissenschaftstheorie

Wissenschaftstheoretisch ging es seinerzeit wesentlich um zwei Punkte: Erstens galt es, dem im 19. Jahrhundert allein geltenden Grundsatz von der Schöpfung der Welt durch Gott eine materialistische Weltsicht gegenüber zu stellen, bei der die Welt aus sich selbst heraus erklärbar ist. Im Bereich der Naturwissenschaft hat ja - unabhängig von Marx und Engels - gleichzeitig ganz wesentlich Charles Darwin mit seiner Entwicklungsgeschichte der biologischen Arten eine solche Weltsicht durchgesetzt. Zweitens wurde versucht, die Gesellschaftswissenschaften an die Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaften anzubinden und die gesellschaftlichen Prozesse theoretisch im Gesamtzusammenhang der Welt - als "Totalität" (Hegel) - erfassen zu können; Marx zitiert selbst eine Rezension zustimmend, in der soziale Organismen als der Biologie analoge Erscheinungen für die jeweilige Epoche besprochen werden (nicht nur der zu Physik und Chemie, wie ältere Ansätze, und ohne die heutige (!) Vorstellung bestimmter Systemtheorie).

 

Geschichte marxistischer Bewegungen/Organisationen

Marx und Engels waren intensiv auch in die Entwicklung der internationalen Sozialdemokratie eingebunden, die sich lange als Partei des Marxismus und des Wissenschaftlichen Sozialismus verstand. Hier wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert herum der Marxismus als theoretisches Lehrgebäude betrachtet, dem allerdings in der Praxis keine Bedeutung zukomme. Vollends verlor der Marxismus seinen wissenschaftlichen Gehalt dann unter Lenin und Stalin bei der Entstehung der Sowjetunion und später den osteuropäischen Satellitenstaaten. Unter Stalin (Über Dialektischen und Historischen Materialismus) pervertierte der Marxismus völlig zu einer Rechtfertigungsdoktrin totalitärer Herrschaft.

 

Es gab aber auch die Weiterentwicklung des Marxismus im Sinne von Marx, durch wissenschaftliche Analyse der sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen. Unter diesen *linken* Vertretern des Marxismus sind Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci besonders hervorzuheben.

 

Während die SPD nach dem 2. Weltkrieg 1959 die letzten Reste marxistischer Anschauung mit ihrem Godesberger Programm ablegte, kam es in der Bundesrepublik durch die Studentenbewegung (68er) zu einer neomarxistischen Renaissance. Im wesentlichen lassen sich zwei Strömungen erkennen: eine undogmatisch freiheitliche Vorstellung (insbesondere bei Teilen der Jungsozialisten in der SPD und dem Sozialistischen Büro, Offenbach) und einen Block verschiedener marxistisch-leninistischer Gruppen und kleiner Kaderparteien, die sich jeweils einem realsozialistischen Vorbild zuordneten (China, Albanien). Dazu gehörte nach dem Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in der Bundesrepublik deren Nachfolge-Partei Deutsche Kommunistische Partei (DKP; in Westberlin SEW), die sich an der Sowjetunion (UdSSR) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) orientierte.

 

Aus den verschiedenen marxistischen Strömungen und (zumeist studentischen) Gruppen sind vielfältige wissenschaftliche Arbeiten und spezielle Richtungen marxistischer Wissenschaft hervorgegangen, deren primäres Interesse es oft war, die "bürgerliche Wissenschaft" zu "entlarven". In vielen Bereichen haben jedoch die Vorstellungen eines kritischen Marxismus heute im Alltag und den Wissenschaften Eingang gefunden, ohne daß in Deutschland (nach der Auflösung der DDR) sich spezielle marxistische Wissenschaften als solche erhalten haben.

 

Nach dem Umbruch von 1990 versuchen nun Marxisten in der ganzen Welt, die Fehler des Realsozialismus zu analysieren und damit den Marxismus zu erneuern. Bisher sind folgende wesentliche Fehler analysiert:

 

1. Der Kapitalismus war nicht weit genug entwickelt, die neue Gesellschaft *im Schoße der Alten* (Marx) nicht genug ausgebildet.

 

2. Die Revolution erfolgte nicht in den fortgeschrittensten Länder, sondern im rückständigen Rußland.

 

3. Es erfolgte keine Vergesellschaftung der Produktionsmittel (wie von Marx gefordert), sondern nur eine Verstaatlichung.

 

4. Die Arbeiterklasse ist wohl nicht in der Lage, die bestehenden Verhältnisse umzustürzen (denn längst hat sie mehr *zu verlieren als ihre Ketten* und zahlenmäßig ist sie stark im Schwinden begriffen).

 

5. Es muß eine revolutionäre Umwälzung stattfinden, was aber nicht gleichbedeutend mit einer Revolution ist.

 

6. Der Aufbau einer neuen Gesellschaft ist nur auf demokratischer Grundlage möglich.

 

Ökonomisches

Eine Hauptschrift des Marxismus ist die dreibändige Arbeit "Das Kapital" von Karl Marx, in der die Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktion analysiert werden, bei der aus in Fabriken investiertem Geld durch die Produktion von "Mehrwert" durch die Arbeiter dann "Kapital" und die Wertform der Ware als ökonomische Zellenform (analog biologischer Körperzelle) in der kapitalistischen Gesellschaft entsteht (s. u.).

 

Philosophie

Philosophisch ist der Marxismus von zwei wesentlichen Begriffen geprägt, von der Dialektik (These > Antithese >> Synthese, bei Hegel) und vom Materialismus. Im Gegensatz zu einigen der späteren Strömungen sprach Marx nur von "meiner dialektischen Methode" mit der er seine grundlegenden Analysen bewertete, die durchaus "positivistischen" Charakter haben, wenn er von "objektiver" Erkenntnis spricht. Der Materialismus, der Geschichte ohne Gotteseinfluß erklären will, ist bei ihm Analyse, die dialektisch interpretiert wird. Von "Historischen Materialismus" oder gar von "Dialektischen Materialismus" sprachen Marx und Engels - wenn überhaupt (Engels) - gerade nicht im Sinne eines mechanischen Prozesses. <>

 

Als Hauptthese kann gelten: "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewußtsein". Der Mensch werde durch seine Umwelt geprägt, je nachdem ob er beispielsweise in einer Gemeinschaft von Sammlern und Jägern, in einer Sklavenhaltergesellschaft, im bäuerlichen Absolutismus oder in der bürgerlichen Gesellschaft der beginnenden Industrialisierung Englands lebe. Durch die Prozesse der Arbeit/ Produktion werde die jeweils vorgefundene Umwelt verändert und dadurch verändere sich auch der Mensch selbst wieder usw.

 

In dieser Anschauung von Dialektik gehört aber zum Sein (Basis) auch die soziale und geistige Umwelt, der zugleich konkret (als Überbau) die kulturellen Institutionen (Politik, Recht...) gegenüber stehen. Das ist deshalb von großer Bedeutung, weil sonst - wäre die Basis nur bewußtloser Prozeß der Umwelt - die Entwicklung relativ mechanisch und ohne Einflußmöglichkeit durch den Menschen ablaufen würde. Eine solche Interpretation wiederum tendiert dazu, sich in diese Entwicklung politisch abwartend einzufügen (grob gesagt: Sozialdemokratie) oder - beim Interpretationsmonopol durch eine politische Herrschaft - die Entwicklung diktatorisch vorzugeben, was gerade "richtig" zu tun sei (wie durch "die Partei der Arbeiterklasse" z. B. unter Lenin, Stalin).

 

Die im "Kapital" angesprochene "dialektische Methode" ist demgegenüber primär Analyse der Möglichkeit und nicht die Formulierung einer gesetzmäßigen Entwicklung zum Sozialismus. Im Konstrukt "Basis - Überbau" ist die Basis des historischen Prozesses die Arbeit/ Produktion (als Movens) zu der sich der Überbau (zumeist, mehr oder weniger) im Widerspruch befindet. Die Auflösung dieses Widerspruchs z. B. zur politischen Herrschaft (auch Kultur, Recht etc.) kann unter bestimmten Umständen, wenn das Neue sich im Alten der Basis herausgebildet hat, durch den Klassenkampf realisiert werden. Wenn also z. B. einer bereits entwickelten Industrie, die auf liberale Verhältnisse angewiesen ist, um in eigener Dynamik wachsen zu können, ein absolutistisches Herrschaftssystem auf der Ebene von Befehl und Gehorsam gegenüber stehe, könne sich im - an sich permanenten - Klassenkampf (im Widerspruch unterschiedlicher Interessen) eine Entscheidung durch eine Revolution anbahnen (Ende offen: "Sozialismus oder Barbarei").

 

Historischer Materialismus

Im genannten Fall - Übergang vom Feudalismus zur bürgerlichen (Industrie-) Gesellschaft - waren die dialektischen Antipoden (These, Antithese) einerseits Adel und Bauern, andererseits war es aber das liberale Bürgertum, das sich als neue Klasse entwickelte und - zuerst mit Hilfe der Bauern in den Bauernkriegen zu Beginn des 16. JH , im 19. JH dann mit Hilfe des Proletariats - seinen Einfluß im Staatswesen steigerte und schließlich, als das Bürgertum "im Schoße des Alten" voll entwickelt war, die Fürstenherrschaft ablösen konnte. Im 16. JH hatte sich - vor allem in den Städten - eine der Kaufmannschaft entstammende - Gruppierung herausgebildet, die über große Gewinne im Fernhandel (Fugger, Welser) erste protoindustrielle Fabriken (Manufaktur) einrichten konnte. Im gleichen Prozeß - als zwei Seiten einer Medaille - entstand eine Gruppe von Fabrik-Arbeitern. Da letztere durch ihre Arbeit mehr Profite erzeugten als der Fabrikherr in diese Produktion investiert hatte, entstand durch diesen "Mehrwert" aus dem eingesetzten Geld dann "Kapital".

 

Dieser Prozeß, der z.B. in England und Holland früher zum bürgerlichen Staat unter den politisch weitgehend entmachteten Königshäusern führte, relativiert auch die Vorstellung jener Verlaufsform des Klassenkampfes, dieser sei "immer" unmittelbar mit Leben oder Tod einer der beiden kämpfenden Klassen verbunden, womöglich in der Vorstellung, die unterlegene Klasse solle nach marxistischer Vorstellung durch Tötung ihrer Mitglieder liquidiert werden (analog zur - bürgerlichen - Französischen Revolution). Historisch haben sich viele Kompromißformen ergeben - aber die Klasse des Feudaladels als politische Herrschaft wurde überwunden, selbst dort, wo bis heute ein Königshaus oberste Repräsentanz einer Demokratie ist. In Rußland, in dem es zur Revolution 1917 kein nennenswertes Proletariat (Fabrik-Arbeiterklasse) als gesellschaftliche Kraft der Demokratie gab, entwickelte sich nach Auffassung einiger linker Kritikerinnen und Kritiker der Kommunismus sowjetischer Prägung als Diktatur einer Parteien-Bürokratie über die später entstehende Arbeiterklasse.

 

Marx und Engels gingen deshalb von einer klassenlosen Gesellschaft im sich - nach einer Übergangszeit, dem Sozialismus - entwickelnden Kommunismus aus, weil im Zuge dieses letzten großen dialektischen Zyklus der proletarischen Revolution alle Menschen frei vom Privateigentum an den Produktionsmitteln seien und zur Assoziation freier gebildeter Individuen würden, die die notwendige Arbeit, die gesellschaftliche Produktion, demokratisch gestalten.

 

 

 
   

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Mitbestimmung

 

Mitbestimmung bezeichnet die Gewährung von Entscheidungsbefugnissen für diejenigen, die zwar von den Ergebnissen der Entscheidungen betroffen sind, aufgrund formaler Rechts- oder Besitzverhältnisse aber zunächst keinen Einfluß auf den Entscheidungsprozess haben.

Häufig bezieht sich Mitbestimmung auf den Zugewinn von Einflußmöglichkeit von Arbeitnehmern auf (im weitesten Sinne) wirtschaftliche Entscheidungen.

 
 
   

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Naturrecht


Als Naturrecht oder überpositives Recht bezeichnet man ein dem durch Normen geregeltem gesetzem oder positivem Recht vorgehendes Recht. In vielen positivrechtlichen Regelungen finden sich Normen des Naturrechtes, die entweder zur größeren Sicherheit einfach wiedergegeben sind oder auf eine konkrete Situation detailliert angewendet werden.

Die Berufung auf überpositives Recht geht davon aus, dass bestimmte Rechtssätze unabhängig von der konkreten Ausgestaltung durch die Rechtsordnung "schlechthin" Geltung beanspruchen und somit durch einen positiven Akt der Rechtssetzung weder geschaffen werden müssen, noch außer Kraft gesetzt werden können. Ein Beispiel für überpositives Recht stellt nach herrschendem Rechtsverständnis die Würde des Menschen dar. Das deutsche Grundgesetz garantiert diese zwar in Art. 1 GG, doch wird ihre Unantastbarkeit hier nur als Prinzip des Rechts dargestellt; folgen soll sie vielmehr als allgemein gültiger Rechtssatz aus vorgelagerten ethischen oder religiösen Anschauungen, die für alle menschlichen Gesellschaften gelten sollen. Eine Konsequenz dieser Auffassung ist, dass die Menschenwürde nicht nur unantastbar, sondern insbesondere auch unverzichtbar sein soll, der Rechtsträger also nicht wirksam in ihre Verletzung einwilligen kann. Darüber hinaus führt der Gedanke, die Menschenwürde sei durch überpositives Recht vorgegeben, auch dazu, dass auch außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzs ein Eingriff in die Menschenwürde eines Individuums gegen das ja gerade von keinem Rechtssetzungsakt geschaffene, sondern aus sich heraus geltende überpositive Recht verstieße und eine auf einen solchen Eingriff gerichtete Norm, die sich der Sache nach als ein durch positives Recht unternommener Eingriff in das überpositive Recht darstellte, keinen Gehorsam erwarten dürfte.

Demgegenüber verneinen andere rechtsphilosophische Überlegungen die Geltung eines überpositiven Rechts und halten nur dasjenige für verbindlich, was durch einen rechtssetzenden Akt als positives Recht normiert worden ist.

Die Problematiken beider Konzpetionen liegen auf der Hand: Durch die Annahme eines überpositiven Rechts werden elementare moralische Grundsätze, seien diese ethisch oder religiös motiviert, dem Zugriff der positiven Gesetzgebung entzogen, was diese Grundsätze einerseits stärkt, andererseits aber nur in dem Maße verwirklicht werden kann, wie über deren Bestand ein möglichst breiter Konsens herrscht.