|
Einleitung Wenn ich im Folgenden einen Ausflug in meine eigene Vergangenheit mache, dann nicht weil ich mich oder meine Biografie für außergewöhnlich oder auch nur wichtig halte. Nie war ich Mitglied einer politischen Vereinigung, Partei oder gar außerparlamentarischen Gruppierung.
Ich habe viel beobachtet und war einige Male auf Parteitreffen. Es wurde mir auch zweimal vorgeschlagen mitzuwirken. Nein, im Gegenteil, das Gerangel, die endloses fruchtlosen Diskussionen erschienen mir als Zeitverschwendung und den Eitelkeiten der Dauerredner wollte ich auch keinen Vorschub leisten. Ich mache die Rückschau deshalb, weil die persönliche
Erfahrung, das Empfinden und besonders das Verarbeiten erlebter Vorgänge ursächlich sind für die spätere politische Haltung. Darüber sollte man sich zunächst selbst Rechenschaft ablegen. Was andere, außen stehende, in diesem Zusammenhang denken ist eher unwichtig. Wenn ich diese Aussage als (für mich gegeben und also) richtig annehme bleibt in mir doch die
Verwunderung darüber, warum so wenige Menschen ihre Lebenserfahrungen nicht umsetzen in eine unabhängigere, das heißt losgelöstere Einstellung von den Ansichten die ihnen durch Erziehung und Umwelt vermittelt wurden. Außerdem macht es natürlich Sinn eine persönliche Positionierung einer Webseite wie rebellog, als einem virtuellen Haus, voranzustellen. Das
ist vergleichbar einer vorangestellten Vita in einem Buch oder den politischen einleitenden Worten des Gastgebers bei einer Einladung. Weltweit folgt die überwiegende Mehrheit der Menschen in ihrer politischen Haltung den einmal als Kind vorgegebenen Denk- und Anschauungsmustern ohne sie wesentlich in Frage zu stellen. Warum sie sich später nicht der Beeinflussung, der in ihnen durch Erziehung oder
Religion verankerten Lehre entziehen, sich und diese Lehre überprüfen, bleibt eine offene Frage, die vielleicht nur mit Denkfaulheit, zumindest aber Bequemlichkeit erklärt werden kann. Ich konnte nie verstehen, warum z.B. Millionen von DDR-Bürgern sich nicht wirklich von der politischen Einflussnahme gelöst haben, ja ihr heute in verklärter Rücksicht
gelegentlich nachtrauern. Dabei war es ja auch im internetfreien Zeitalter durchaus möglich sich über das Westfernsehen oder deutschsprachige Sender zu informieren. Den Ausspruch „das haben wir gar nicht gewusst“ lasse ich nicht gelten, weder für die Mehrheit der Deutschen in Bezug auf unsere nationalsozialistische Vergangenheit, noch was die Zeit der "DDR"
betrifft. Das ganze staatliche Sozialsystem der Nazis war auf Zuwendung und Belohnung aufgebaut, große Teile der Bevölkerung partizipierten an materiellen Zuwendungen, zum Beispiel wurden Kriegerwitwen außerordentlich gut versorgt, so daß zumindest die Fragestellung „Woher kommt das?“ sich jeder Empfänger hätte stellen müssen. Wenn aber noch in den Jahren
33-45 nachrichten und Informationsbeschaffung repressiv unterdrückt wurde, immerhin gab es aber nicht wenige Deutsche die heimlich BBC hörten, ist das Verhalten der 17 Millionen Deutschen der DDR noch unverständlicher. Zumindest im grenznahen und Berliner Raum war Information jederzeit möglich. Informationsmangel war also vor allem der Mangel an Willen sich
zu informieren und das eigene Phlegma zu überwinden. War der „Kessel Buntes“ denn wirklich so spannend, spannender als die Nachrichten aus einer anderen Welt? Allerdings geht das politische Interesse bei „Westbürgern“ meistens auch nicht über Fliege oder Bärbel Schäfer hinaus. Das Zumüllen unserer Aufnahmekapazitäten durch die Medien mit Überflüssigem ist
beträchtlich und ein oft vergessener oder unterschätzter Faktor. Ist andererseits die Zahl der Dissidenten, egal wo auf der Welt, so gering weil die menschliche Natur zur Bequemlichkeit neigt oder weil es wenig Informationsmöglichkeiten gibt? Man sein System und sich aus Gewohnheit akzeptiert und nur selten in Frage stellt? Der Faktor Bequemlichkeit ist also
nicht zu unterschätzen. Ich konnte nie verstehen warum Kinder von Katholiken auch wieder Katholiken wurden, - nur weil ihre Eltern katholisch waren? Warum die Söhne von Sozialdemokraten Sozialdemokraten wurden, und die Kinder des Islam nicht ihre fanatischen Führer in Frage stellten oder
stellen. Ist der zunächst pubertäre Widerstand gegen bestehende Ordnungen lediglich in einigen westlichen, bürgerlichen Mittelschichten zu finden? Erlischt er dann so schnell mit der ersten Freundin, dem ersten Job. Ist da nichts zu retten in die späteren, nachpubertären Jahre, ja vielleicht sogar ins Alter? Auch heute kann ich nicht ganz begreifen warum
Menschen ausschließlich zunächst an ihrer Sicherheit interessiert sind und der Wille zur Veränderung so wenig entwickelt ist. Karriere geht vor Anstand, Sicherheit vor Überzeugung, Phlegma geht vor Mut. Das ist jedenfalls der Eindruck den ich in den letzten 40 Jahren gewinnen konnte.

Meine Mutter mit allem was meine Eltern besaßen, Berlin 1948 © 2004 rebellog Meine Bewunderung galt und gilt immer Menschen die, unter hintenanstellen ihrer persönlichen Lebensumstände, für eine Sache oder Überzeugung einstanden. Ich spreche dabei nicht unbedingt von Revolutionären die, ohne Rücksichtnahme auf ihre Frau oder ihre Kinder,
Gewaltakte ausübten und dann auf Kosten ihrer Familie für ihre Taten büßten. Revolutionäres Handeln ist nicht gleichzusetzen mit Gewalt gegen Menschen oder Sachen (Eigentum). Deshalb ist auch der Begriff Anarchismus überwiegend missbraucht, politisch von bestimmten Gruppen vereinnahmt, von gedankenlosen Lohnschreiber ewig gleich wiederholt und seines
ursprünglichen Sinns beraubt wie wir später noch ausführlicher sehen werden. Gewaltsames Heldentum erscheint mir zweifelhaft und eignet sich nur gut zur Verfilmung. Aber der Widerstand, die Verteidigung gegen Ungerechtigkeiten, Restriktionen, sinnlose Gesetze sollte doch erhalten bleiben und wer es schafft sich dabei von den ererbten familienkonformen
Einstellungen zu lösen, sie umzudeuten, sie durch Infragestellung anzupassen oder sich einer neuen Einsicht zu öffnen, ist sicher eher zu bewundern, als der einer übernommenen Ideologie Angehörende, der in Abwartestellung seine Rente ersehnt. Es gibt viele Beispiele ungewöhnlicher Menschen, die eine innere radikale, d.h. nicht herkunftsgebundene
Neuorientierung vorgenommen haben. Spontan fällt mir Friedrich Engels ein, der einer wohlhabenden protestantischen Familie entstammt oder Hegel, der sich gegen einen theologischen Beruf entschied.Ganz aktuell ist das z.B.
Ayaan Hirsi Ali 1
2. Bei den mehr von mir anerkannten Libertären ist Murray N. Rothbard zu nennen, der zum echten Anarchisten mutierte oder Fürst Peter Kropotkin. Ayn Rand ist sicherlich
eine Persönlichkeit die innerlich zu völlig neuen Ansätzen gefunden hatte, wenn sie auch ihre russische Herkunft nicht verleugnen kann. Es gibt so zahlreiche Beispiele, die jeder selber finden kann und wo hier auch der Platz nicht reicht um ausführlicher darauf einzugehen. Dennoch im Verhältnis zur Masse der angepassten, konformistischen Mehrheit bleiben
sie Ausnahmen Sicher, ich bin auch nicht zum Islam übergetreten, habe nie ein Finanzamt in die Luft gesprengt, mein revolutionärer Aktionismus hielt sich, auch aus familiärer Rücksichtnahme, in Grenzen. Aber der Wille sich zu Verändern, Aufzubegehren, Widerstand zu leisten war immer
und ist immer noch leidenschaftlich vorhanden, nahm mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit eher zu und ist mit den Jahren stärker geworden. Dabei ist die Einsicht in die eigene Ohnmacht durchaus vorhanden. Es ist (fast) sinnlos als Einzelner, oder als Einer unter Wenigen etwa gewaltsam etwas ändern zu wollen. Gewalt ist abzulehnen, ausgenommen die zur
Selbstverteidigung. Die ersten Jahre Aber schauen wir mal warum ich eine Entwicklung hin zum Libertarismus genommen habe während andere Klassenkameraden heute bei den Grünen, den Sozis oder in der CDU sind. Von den Altersgenossen aus der DDR, die auch im wiedervereinigten Deutschland unbelehrbare
Kommunisten geblieben sind, ganz abgesehen. 1949, 4 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde ich in Berlin geboren. Ich kam im Ostteil der Stadt zur Welt, in der UFK, der Universitätsfrauenklinik, die damals zur Charité gehörte. Ich atmete also bereits in den ersten Lebenswochen den Geist und die Luft einer
kommunistisch regierten Teilstadt ein. Und die Konsequenzen bekam ich auch gleich zu spüren, insofern, als mein Vater, der als Bewohner des Westteils, genauer, des amerikanischen Sektors der Stadt, an der Ost-Berliner Humboldt-Uni Humanmedizin studierte, vor die Wahl gestellt wurde in die kommunistische SED einzutreten oder die Uni zu verlassen.
Erfreulicherweise hatten die Amerikaner gerade die Freie Universität Berlin gegründet und so konnte es für meine Eltern nur eine Entscheidung geben. Meine Mutter zog (mit mir) nach West-Berlin zu meinem Vater und er setzte sein Studium an der Freien Universität fort - ohne irgendwelche faulen Kompromisse schließen zu müssen. Das dann später aus der FU gerade
die stärksten Antiamerikanisten hervorgingen ist eine mehr als ärgerliche Tatsache und zeigt den Mangel an Geschichtsbewusstsein, an Dankbarkeit und die linke Indoktrination und Unterwanderung. In einer Republik in der ehemalige Terrorsympathisanten zu Außenministern mutiren und die Skala der beliebtesten Deutschen anführen kann es nicht verwundern, daß
schon weniger als 60 Jahren nach der Befreiung durch die Amerikaner, ein antiamerikanischer Mainstraem zum Fundament politischer Correctness wurde. 

Robin Renitent mit seinem Vater, Berlin 1954 © 2004 rebellog Ich hatte nun das Glück, für das ich auch heute noch dankbar bin, im freien Teil der Stadt aufwachsen zu dürfen. Dieses Freiheitsgefühl, die mit dem Älterwerden zunehmenden Möglichkeiten des Auslotens der Freiheit, habe ich immer sehr genossen und auch regen Gebrauch
davon gemacht. Deutschland hatte, anders als es heute oft dargestellt wird, durchaus Freiräume für den Einzelnen und war nicht so repressiv wie die 68 es uns glauben machen wollen. Ihnen halte ich allerdings zugute, dass die Freiheitsräume sich für ein Kind oder einen Heranwachsenden von denen die den "Mief unter den Talaren", - als Studenten - rochen,
natürlich abweichen. Für ein Kind und einen Jugendlichen ohne politisches Wissen ist die "politische" Freiheit zunächst einmal grenzenlos. Ich genoss eine allgemein- demokratische Erziehung, eine überwiegend pluralistische Erziehung, aber ohne besondere Hinwendung zu einer politischen Richtung. Die Tatsache, dass mein Vater, zutiefst demokratisch denkend und
meistens auch handelnd, keine besonderen Sympathien für sozialistische Ideen hatte blieb uns Kindern natürlich nicht verborgen. Schließlich erlebten wir, besonders ich, die Aufbaujahre mit, die Schaffung von Eigentum und die späteren permanenten Angriffe darauf die von Seiten der Linken gefordert und von den Sozialdemokraten auch umgesetzt wurden.
So richtig eine leichte Ahnung von politischen Ideen bekam ich ohnehin nicht vor dem 15. oder 16. Lebensjahr. Dann allerdings begann ich mich schon dafür zu interessieren, aber geformt von meinen Eltern, über das allgemein demokratische Verständnis hinaus in eine
bestimmte politische Richtung bin ich eben weder von den Eltern aber auch von der Schule nicht worden. Das war bei meinem 1o Jahre jüngeren Bruder schon anders. Er wurde von seinem Lehrer am Hermann-Ehlers-Gymnasium regelrecht indoktriniert und umgedreht. Seine Mutation zu einem linken Sozi war nicht zu übersehen und später hat er sich auch durch seine
Handlungen zu einem echt staatstreuen Bürger gewandelt. Das wäre entschuldbar, wenn diese Wandlung denn aus eigener Erkenntnis vollzogen wäre, aber hier geschah es in Folge einer pädagogisch-kriminellen Indoktrination. Mein Vater war, ich würde heute sagen „bürgerlich-wertkonservativ“, hatte allerdings gerade in Berlin unter den Sozialdemokraten die engsten
Fürsprecher und „Freunde“. Mit den Leuten seiner Wahlpartei der CDU kam er nicht sonderlich gut klar. Eines war jedoch sehr intensiv in meinem Elternhaus. Es gab unzählige, z.T. aggressive und ausufernde Diskussionen über alle möglichen politischen Ansichten, die, zum Leidwesen meiner Mutter, mehr als einmal die Sonntagsstimmung verdarben. Vielleicht fehlte
meinem Vater auch die Leichtigkeit auf die abstrusen und provokativ vorgetragenen „Thesen“ seiner Söhne, vor allem aber meine unausgegorenen, noch in der Suche befindlichen Vorstellungen, angemessen und abgeklärt genug zu reagieren. Ist ja klar: Mit 16 liebäugelt man abwechselnd mit den verschiedensten Extremen und versucht das einige Wochen später gerade
seinem Vater, als der eben ersten erreichbaren Autorität und dem nächsten Ansprechpartner, als feste, unverrückbare Einstellung zu verkaufen. Die ersten Angriffe auf meine Selbstbestimmtheit, wenn man von der sicherlich notwendigen gefühlvollen und altersgemäßen Lenkung eines Kindes und Jugendlichen einmal absieht, kamen aus der Schule. Hier sind die Einschränkungen nicht mehr ausschließlich unpolitisch wie
z.B. im Elternhaus, hier werden bereits schulpolitische Restriktionen umgesetzt die mit der reinen Erziehung wenig zu tun haben. Hier wurde ich bereits zu Dingen genötigt oder an Handlungen gehindert, die meine Individualität deutlich einschränkten, unnötigerweise einschränkten. Ich spreche hier nicht von der Notwendigkeit einem Kind das nötige Wissen zu
vermitteln, die hier für erforderliche Beharrlichkeit, oder direkter formuliert, der hierfür nötige Druck ist noch kein Angriff auf die Individualität des dem Lehrer anvertrauten Kindes. Aber, - es gab schon in diesem Alter Regeln und Eingriffe die jeden Sinns entbehrten und nur die gewachsenen Machtstrukturen aufrecht erhalten sollten. Noch heute, in der
Rückschau kommt mir bei dem Gedanken an einige Vorkommnisse und sinnlosen Ärgernisse die Galle hoch.

Robin Renitent als Jungunternehmer, Berlin 1954 © 2004 rebellog Der Zwang sich im Winter auf dem Hof aufhalten zu müssen, mit der vorgeschobenen Begründung es sei der Gesundheit zuträglich, (wie gesund sind kalte Pfoten und Füße?) in Wirklichkeit aber eine vor 60 Jahren erlassene Schulordnung gedankenlos
am Kinde umzusetzen, war penetrant und unnötig. Oder das man, wenn man während der Stunde zum Klo wollte von jemandem begleitet werden musste. Lächerlich. Erfahrungen dieser Art, also das Durchsetzen von sinnlosen, in die Individualität und die Bedürfnisse der Menschen eingreifende Regeln, die letztlich niemandem Vorteile bringen, aber zur Aufrechterhaltung
einer Ordnung angeblich nötig sind, begleiteten mich nun mein ganzes Leben. Lehrer, das lernte ich schnell, sind besonders auf ihre eigene Sicherheit und Bequemlichkeit bedacht. Die Angst für ein Risiko haftbar gemacht werden zu können, macht es ihnen einfach auf Regeln zu verweisen. Hier sind sie von Verantwortung freigestellt. Insofern hatte ich (schon
damals) schnell die Erkenntnis, daß das Aufstellen von Regeln nur der Umsetzung der Bequemlichkeit und Minimierung von Verantwortung der Verantwortlichen dient. Also reiner Selbstzweck. Warum sollte ich, durch die Einhaltung sinnloser Regeln, die Bequemlichkeit und den Mangel an Verantwortungs- und Risikobereitschaft anderer fördern oder unterstützen?
Sicherlich, es gab und gibt Regeln die zum Zusammenleben der Menschen nötig sind um ein verträgliches Miteinander zu gestalten. Diese Regeln lernt man bereits im frühen Kindesalter. Aber um die geht es hier nicht. Es geht um die Regeln die letztlich der Stabilisierung einer Macht dienen. (Jetzt 45 Jahre später in Nordamerika ist es noch schlimmer: Während
wir in Europa in den letzten Jahrzehnten mehr die Eigenverantwortung gestärkt haben, ist hier nun alles und jedes festgeschrieben. Generallinie und Totschlagsargument: "Zero-Toleranz". Sohn Alexander muss auch vor der Tür bleiben und darf erst nach allgemeinem Läuten zurück. Wer dazu mehr lesen möchte, bitte hier:
siehe Schulregeln und Zerotoleranz)
 Mauerbau Als ich 12 Jahre alt war erfuhr ich das erste Mal was es bedeutet wenn Freiheit wirklich beschränkt wird. Am Sonntag, dem 13. August 1961 wurde in Berlin die Mauer gebaut. Millionen von Menschen fortan in ihrer Bewegungsfreiheit und
Selbstbestimmtheit gehindert, brutal in ihren individuellen Möglichkeiten und Wünschen beschnitten. (Das katastrophale ist, das es heute noch zahlreiche Menschen gibt die das nachträglich rechtfertigen und verteidigen, wie zum Beispiel der Kommandeur der Grenztruppen[i]
in seinen jetzt veröffentlichten Rechtfertigungsmemoiren). Wir haben das Ereignis in der 6. Klasse behandelt und ich gestaltete aus Zeitungsausschnitten eine Mappe mit dem Titel „Freiheit unter roten Sternen?“ (Meine erste dokumentierte politische Aussage) Fortan erfuhren wir auch selbst die Einschränkungen der Freiheit, wenn wir Berlin verlassen wollten
oder auch nur mit U-Bahn und S-Bahn unter dem Sowjetsektor durchfuhren. Als ich 13 war nahm ich ein Oktavheft und schrieb die Namen der Ostberliner Radiosprecher auf, die mir wegen ihrer frechen Propagandalügen bereits auffielen, in der Hoffnung zu erleben, wie sie eines Tages zur Rechenschaft gezogen werden würden. (Ich stellte mir tatsächlich bereits in
diesem Alter in meinen Tagphantasien vor wie sie bestraft werden würden.) Am Fall der Mauer hatte ich nie den geringsten Zweifel, lediglich das Wann konnte ich ebenso wenig erahnen wie jeder andere. (Den Zettel mit den Namen der Sprecher habe ich später verloren, fassungslos war ich nur, wie viele der Propagandisten und Lügner sofort im Westen auf die Füße
fielen ohne zur Rechenschaft gezogen worden zu sein und auch gleich Jobs fanden und sei es nur bei der „Titanic“) Aber es war müßig sich über die Unfreiheiten im kommunistischen Machtbereich zu erregen, ihnen konnten und, wie ich später bemerkte, wollten ganz andere Kräfte nichts entgegensetzen. Im Gegenteil unter den Linken setzte eine Verklärung des
Kommunismus ein, bis heute eigentlich ungebrochen, wenn auch anders benannt, (findet jetzt unter den sinnentwerteten Deckmantelbegriffen, Multikulti, Ökologie und Feminismus statt – dazu später mehr) und die Mängel wurden stets als "vorübergehend" abgetan. Es gab eine Reisediplomatie und natürlich scheute sich niemand Verbrechern und Mördern die Hände zu
schütteln. (Nach der Neuordnung der Welt machen wir das jetzt bevorzugt mit irgendwelchen Mullahs und arabischen Diktatoren) Man posierte stolz auf gemeinsamen Photos und belog sich selbst und alle politischen Freunde in dem man es als notwendigen Akt der Erleichterung "für die Menschen" verkaufte. Aber das war die Welt auf der anderen Seite des Vorhanges.
Ich lernte schnell wie auch im westlichen Teil Berlins und Westdeutschlands, zum Wohle des Bürgers natürlich, permanent Einschränkungen erdacht und gesetzlich verankert wurden. Natürlich war das gar kein Vergleich zu den Einschränkungen denen die Menschen in der östlichen Hemisphäre unterworfen waren. Ich bemerkte aber, dass es Mitmenschen gab, die ständig
nach Macht gierten, vordergründig mit dem Versprechen sich um das Gemeinwohl kümmern zu wollen, aber im Grunde nur das eigene Wohl im Auge habend. Dabei fiel mir auf, dass gerade die Wortführer großen Anspruchs an die Opferwilligkeit des Volkes (im Osten), im Westen z.B. an die der Gewerkschaftsmitglieder, oder Wahl-Bürger, selbst nicht ihrem Anspruch
entsprechend lebten, und diesen nur von anderen einforderten. Ich wurde schon kribbelig, wenn ich hörte das etwas "zum Wohle der Allgemeinheit" notwendig sei und im "Interesse aller" erfolgen müsse. Das das Ergebnis durch "demokratische Willensbildung" zustande gekommen sei und deshalb auch "allgemein verbindlich". Mein Misstrauen gegen diese Formulierungen
hat mich mein Leben nicht verlassen und hat im Laufe der Jahre eher zugenommen. Gewöhnlich versteckt sich hinter diesen verschleiernden Formulierung der ungerechtfertigte Anspruch einer passiven Schmarotzer- und Versorgungsempfängerklasse, auf Zuwendungen aus den erarbeiteten Werten der Klasse der Aktiven, Kreativen und Unternehmer. Und dann gab es nach der Gruppe der in der Öffentlichkeit stehend Politiker, eine andere Gruppe von Schreibtischjongleuren, (das Wort Schreibtischtäter ist historisch belegt und kann deshalb hier nicht eingesetzt werden…), Staats- und
Verwaltungsangestellte, die ebenfalls stets ihr eigenes Wohl im Auge hatten, nämlich die Sicherung ihres Arbeitsplatzes, und die, natürlich in höherem Auftrag, und mit der Entschuldigung Wählerwillen umsetzen zu wollen, ebenfalls ständig Verwaltungsvorschriften, Restriktionen und überflüssige Gesetzblattanhänge erdachten. Je mehr Vorschriften erdacht wurden,
desto größer der Apparat der deren Einhaltung kontrollieren musste. Ein hervorragendes System zur Eigensicherung wie ich bereits als Jugendlicher schon erkannte. In der Rückschau gesehen hielt es sich aber noch in Grenzen und war akzeptabel (naja) oder allgemein noch akzeptiert. Von den Auswüchsen und Kapriolen die Deutschland nach seiner Wiedervereinigung
ertragen musste ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts, konnte ja niemand sich vorstellen. Ich kam schnell dahinter und glaube auch heute noch daran, daß das Leben nach sehr einfachen und übersichtlichen Grundregeln organisiert werden kann. Dem entgegen steht der menschliche Wunsch nach Sicherheit, Absicherung, Delegieren von
Verantwortung die man selber nicht übernehmen möchte. Und noch etwas lernte ich in diesen Jahren des Menschwerdens: Der Staat, auch der demokratische, ist ein Moloch der wie Hefe ausufernd wächst und zur Manövriermasse eigensüchtiger Lobbyinteressen wird. Mein Vater, als den Prostatakrebs bekämpfender Urologe, hatte mir anschaulich von der Vermehrung
bösartiger Zellen erzählt. Metastasen genannt, ja - diese konnte ich nun auch im täglichen Leben zunehmend wahrnehmen. Diese Metastasen, dieses Krebsgeschwür des Sozialneides, ständig die Enteignung und den Zugriff auf das Eigentum des über dem „Normalmaß“ liegenden Teils der Bevölkerung fordernd. Immer an die soziale Verantwortung appellierend und sich
anmaßend neue Regeln zur Umverteilung ausdenkend. Inzwischen war ich in die Pubertät gekommen und, altersbedingt, fand ich immer mehr Einschränkungen die mir überflüssig vorkamen. Um es ganz klar zu sagen, ich spreche nicht von den Einschränkungen denen ein Heranwachsender vernünftigerweise noch unterworfen ist. Liberale Erziehung heißt nicht
notwendigerweise alles und jedes erlauben. Ich spreche von den „altersunabhängigen“ Systemschikanen, den über die Zeit der Jugend hinausgehenden und schon absehbaren Schikanen und Reglements des Erwachsenendaseins. Wo immer ich aber die Gelegenheit hatte unterwanderte ich sinnlose Regeln, handelte gegen sie und führte meinen leisen Privatkrieg. Nicht um des
"Krieges" willen, aber um des Erfolges im Sinne der Erleichterung durch Nichtbeachtung. Die Jahre zogen ins Land und ich wurde älter. Natürlich war ich kein weltfremder Spinner und im täglichen Leben arrangierte ich mich. Insofern gab es kaum (politische) Konfliktsituationen mit meiner Umwelt. Allerdings übte ich jetzt etwas Politik.
Zunächst war der Posten des Vertrauensschülers in der Klasse zu besetzen. Manfred R. stellte sich zur Wahl und ich stellte mich zur Wahl. Wir hatten jeder einige Minuten Zeit die Klasse zu überzeugen, warum gerade wir ihre Interessen vertreten sollten. Manfred gewann die Wahl. Man hielt ihn, weil der Klassenprimus und zudem sehr ruhig, für geeignet der
Klassensprecher zu sein. Natürlich war von Manne keine Anti-Lehreraktion, geschweige denn ein Missbrauch des Amtes zum Kampf gegen Schulregeln oder die Lehrerschaft zu erwarten. Dazu war Manne zu klug und --- zu angepasst. (Heute ist er Professor an der TU). Ich hatte nun ein halbes Jahr Zeit an seinem Posten zu "sägen" und mit Stimmenkauf (in Form von
Versprechungen), Einflussnahme, Manipulation und intensiver Überzeugungsarbeit (ja in der Reihenfolge) gelang es mir bei der Wiederwahl im Herbst Manne vom "Thron" zu stoßen und mich zum Klassensprecher wählen zu lassen. Das war praktizierte "Massenmanipulation" (die Klasse hatte 28 Schüler) in ihrer übelsten Form. Ich hatte natürlich noch keinen Durchblick was da eigentlich gelaufen war und wie viele Parallelen es zu meinem Verhalten allerorten gab. Das die "große
Politik" nach genau diesem Muster handelte. Dennoch es war ein Lernschritt Macht zu verstehen: Es hatte funktioniert. Der nächste Schritt war ähnlich. Ich sägte den amtierenden Chefredakteur der Schülerzeitung unserer Schule ab. In einstimmiger Redaktionskonferenz wurde ich zum Chefredakteur gewählt und außerdem riss ich mir den Bereich Anzeigen gleich noch
mit unter den Nagel.

Robin Renitent in seiner Zeit als Chefreadkteur, Berlin 1954 © 2004 rebellog Ich hatte nun mehr Freiräume. Ich hatte das Recht die Klasse zu verlassen um zu Schulkonferenzen oder Redaktionssitzungen zu gehen. (Daß meine schulischen Leistungen dadurch nicht gerade besser wurden störte mich nicht). Und ich hatte die Macht die Lehrer zu piesacken
und mit Anfragen, Statements und vielen Winkelzügen aus der Fassung zu bringen, mindestens aber vom Unterricht abzulenken und oder den Unterrichtsbeginn zu verzögern. Das brachte mir Beifall bei den Klassenkameraden ein und Ärger mit den Lehrern. (Eins hatte ich nämlich übersehen: Bei den Zensuren saßen sie am längeren Hebel.) Meine Funktion als
Chefredakteur nutze ich ebenfalls reichlich. Ab der zweiten Ausgabe nannte ich mich zwar bescheiden Schriftleiter, aber trotzdem nutze ich das Blatt vor allem zur Kritik, zu süffisanten Lehrerporträts und als "Widerstandsblatt". Politisch gesehen war es das klassische Beispiel von Macht erreichen und ein Propagandainstrument besitzen. Fehlte nur noch die
finanzielle Unabhängigkeit. Auch hier bewies ich Phantasie. Als "Leiter" der Anzeigenabteilung klapperte ich alle Geschäfte in der Gegend ab, besonders in der Müllerstraße und in der Seestraße. Ich verkaufte eine Seite unserer Schülerzeitung für eine ganzseitige Anzeige zum Preise von 120.-DM und eine halbe Seite für 80.-DM. Eine Viertelseite war für 50.-DM
zu haben. Insgesamt hatte ich Werbeeinnahmen zwischen 600.- und 700.- DM. Die Zeitung verkaufte ich für 0.80 Pfennig. Auflage war 300 Exemplare für Schüler, Lehrer, Eltern. Ich hatte also pro Ausgabe etwa 900.-DM Einnahmen. Auf der Ausgabenseite hatte ich den Druck. Nur den Druck. Druck und Heftung kosteten etwa 120.- bis 150.- DM. Es blieben also ungefähr
750.-DM übrig. Da ich autark handelte und die Finanzen in der "Redaktionskonferenz" mit meinen beteiligten Schulkameraden nicht zum Thema machte (von den - überwiegend - Mädels hat jedenfalls nie eine nachgefragt...) blieben mir als "Entlohnung" eben diese 750.- DM. Ich fand das gerecht, schließlich hatte ich auch die meiste Zeit geopfert und darüber auch
oft versäumt meine Schularbeiten zu machen. 750.- Dinger waren eine Menge Kies in dieser Zeit, jedenfalls in der Hand eines 15 oder 16 jährigen. In der Rückschau betrachte ich das als eine Lernphase um Politik und die Wege zur Macht besser zu verstehen. Hier auf eigene Erfahrungen verweisen zu können ersetzt jedes Lehrbuch. Ich hatte durch meinen Verstand,
meinen Einsatz, meine Phantasie unternehmerisch gehandelt. Ich war kein Schmarotzer, hatte niemanden um Unterstützung gebeten, bekam keine Zuschüsse und war insofern völlig autark. Ein Verteilen („meines“ erwirtschafteten „Einkommens“) etwa auf die Klasse, zum Wohle der „Allgemeinheit“, kam nicht in Frage. Die Frage stellte sich mir nicht, nicht damals und
nicht später. Ich kannte weder Max Stirner noch Ayn Rand oder Ludwig van Mises. Ich handelte intuitiv - richtig. |