Warum ich ein Libertärer bin 2

Why I am Libertarian 1

       
   

The philosophy of Liberty is based on the principle of Self-Ownership

>all kinds of socialism cause poverty<

   
   

  Eine Positionserklärung von Robin Renitent
A political declaration by Robin Renitent

   
     

 

       

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 »Weit verbreitet ist

die Meinung, der Liberalismus unterscheide sich von anderen politischen Richtungen dadurch, daß er die Interessen eines Teiles der Gesellschaft - der Besitzenden, der Kapitalisten, der Unternehmer - über die Interessen der anderen Schichten stelle und vertrete. Diese Behauptung ist ganz und gar verkehrt. Der Liberalismus hat immer das Wohl des Ganzen, nie das irgendwelcher Sondergruppen im Auge gehabt. Das wollte die berühmte Formel der englischen Utilitarier: 'Das größte Glück der größten Zahl' in einer allerdings nicht sehr geschickten Weise ausdrücken. Geschichtlich war der Liberalismus die erste politische Richtung, die dem Wohle aller, nicht dem besonderer Schichten dienen wollte. Vom Sozialismus, der ebenfalls vorgibt, das Wohl aller anzustreben, unterscheidet sich der Liberalismus nicht durch das Ziel, dem er zustrebt, sondern durch die Mittel, die er wählt, um dieses Ziel zu erreichen.«
Ludwig van Mises, Liberalismus, Jena 1927


 

 

 

 

 
 

Dem geneigten Leser sei versichert, dass ich diesen ökonomischen Grundsätzen treu blieb aber die machtmanipulativen Wege nicht zur Schiene meines Lebens gemacht habe, sonder eher auf die Gegenspur wechselte. Es ist dem Einfluss meines Elternhauses zu danken, dass ich den Wert von Anstand (im Sinne von aufrecht) begriff und verinnerlichte, aber auch eigenen Erkenntnissen, die ich einer, mir eigentlich unerklärlichen, Kritikfähigkeit verdanke. Hilfreich war hier aber das Kennenlernen vieler Persönlichkeiten im Hause meiner Eltern, die obwohl so bedeutend..., doch oft ersichtliche Schwächen zeigten, die mein Vater später ungeniert zur Sprache brachte.

 

Ich beendete die Schule und bewarb mich an der Hochschule der Künste in Berlin. Da ich neidvoll anerkennen musste, daß es noch andere talentierte Bewerber gab, zugegebenermaßen talentiertere Bewerber als mich, auf die 50 freien Studienplätze kamen etwa 700 Bewerber, begann ich zunächst eine Ausbildung. Hier nun galt es besonders viele sinnlose Regeln zu beachten, ja es kam hinzu, das man zu lernen hatte sich auch korrekt, was nichts anderes hieß als angepasst, zu äußern. Wie wird doch der ehrliche, natürliche Charme, die Unschuld, die Direktheit eines Kindes und junger Menschen ständig beschnitten und gestutzt. Wen soll es nachher wundern wenn unsere Erwachsenen und eben die Entscheidungsträger so verformt sind, dass Ihnen das angepasste Dauerlügen zur zweiten Natur geworden ist und sie sich dessen selbst nicht mehr bewusst sind oder verlernt haben es sich bewusst zu machen. Der wohl erst später in Deutschland in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangene Begriff der „political Correctness“ kam nun noch dazu. Es gab Themen die waren einfach nicht opportun. Mir machte es, teilweise natürlich pubertätsbedingt, oft Spaß als Tabubrecher gerade solche Themen anzuschneiden. Bedauerlicherweise ist dieser Begriff der „political Correctness“ inzwischen von Rechten und Rechtsextremisten vereinnahmt worden und kann nun nicht mehr verwendet werden ohne sich dem Verdacht der Sympathie oder Parteinahme für diese Gruppen auszusetzen. Befreit von diesem Geruch könnte man ihn aber gut gebrauchen um allzu untertäniges und angepasstes (besonders sprachliches) Verhalten zu beschreiben. Es ist durchaus sinnvoll sich auch in seiner Sprache nicht den allgemeinen Normen der vorgegebenen Korrektheit zu unterwerfen, sondern einen eigenen, freien, libertären Sprachstil zu entwickeln der Tabus brechen kann ohne zu verhetzen. Besonders abartig empfinde ich die Umdeutung der Sprache. Wenn klare Worte durch "Schönsprechen oder Schreiben" ersetzt werden um Goodwill zu zeigen oder Zusammenhänge zu verschleiern ist das genau die sprachliche Ebene auf die ich micn nicht begeben will. Beispiel: Bildungsferne Schichten statt Proletariat, Parallelgesellschaft statt Slum, humanitäre Katastrophe, Humankapital, das lässt sich endlos fortsetzen und wir hatten es ja auch sehr schön in der Vergangenheit: „Endlösung“ z.B. steht dafür.

 

Aber noch war ich jung. Sehr jung. Ich begann mich mehr für Politik zu interessieren. Zurückhaltend, zunächst nur die Diskussionen mit Eltern, Geschwistern, Freunden und Verwandten suchend. Es war der gleiche  Prozess wie ich ihn 30 Jahre später noch einmal durchlebte, als ich mir darüber Gedanken machte ob die Anschaffung eines PC für mich richtig wäre oder nicht. Ich wusste vom PC nichts, absolut nichts, aber es gab Freunde die mich ermunterten, mich mit der Materie zu beschäftigen. Und so ging ich zunächst in einen Zeitschriftenladen und kaufte etliche Fachzeitschriften um mich vertraut zu machen. Anfangs verstand ich nur "Bahnhof", alles was mit der Welt des Computers zu tun hat verwendet eine eigene Terminologie. Beherrscht man die nicht, bleibt einem diese faszinierende Welt verschlossen. Also lernte ich die Begriffe und nach der Anschaffung des ersten PC konnte ich der Theorie auch die Praxis folgen lassen. Heute ist der PC meine Hauptleidenschaft und andere fragen mich um Rat und suchen meine Hilfe. So machte ich es auch in der Politik. Das Zuhören, sich Einschalten in Diskussionen, vorsichtige gebrauchen erster Termini schult. Durch nachschlagen und lesen kann man das erste Wissen vertiefen und ausbauen.

 

Dabei lernte ich sehr schnell, dass es eine neutrale, sozusagen lexikalische Interpretation des jeweiligen Begriffs gab, und daß Menschen anderseits die Begriffe sehr subjektiv durch ihre eigenen Positionen interpretieren. Was für den einen liberal ist, ist für den anderen noch illiberal, der eine schimpft den anderen Kommunist, der aber weist das weit von sich. Und dann werden politische Begriffe fast immer als Kampfworte gebraucht, wie schnell ist jemand zum Nazi abgestempelt, oder bekommt ein neoliberales Etikett angeheftet, ohne jedoch wirklich in dieser Ecke zu stehen. Oder die politischen Begriffe werden als Schlag- und Modeworte missbraucht: Faschismus ist so ein Wort. Man kann es einsetzen um sich selbst auszuzeichnen: ich bin in der Antifa-Gruppe XY. Also bin ich gegen …… Ohnehin ist Faschismus das meistmissbrauchte und angewendete Wort um politische Gegner abzustempeln: So ein Faschist. Fragt man aber einen Antifaschisten woher das Wort ursprünglich kommt, mit dem er sich so eitel kleidet, schaut man fast immer in ein fragendes Gesicht, ist er denn ein Rutenträger der seinem Senator den Weg bahnt in dem er die Massen am Straßenrand zurückschlägt?

 

Und nicht jeder der in der CSU ist christlich-sozial. Und bedauerlicherweise ist längst nicht jeder Liberale wirklich Liberal. Oder seine Liberalität hört genau dann auf, wo sie nach Meinung eines Nichtliberalen gerade beginnen sollte. Da ist es mit dem Computer doch einfacher: ein BUS ist ein BUS, ein Gigabyte ein Gigabyte und ein USB 2 ein USB 2. Also lernte ich die politischen Begriffe und machte mich mit den Hintergründen vertraut. Das war interessant, vor allem geschichtlich, und einige Jahre schleppte ich so ziemlich alle Bücher zu den einzelnen Themen aus der örtlichen Bücherei nach hause die es dort gab. Auf den Terminologieseiten habe ich einmal die wichtigsten politischen Begriffe zusammengestellt. Links lexikalisch neutral (Wikipedia) und daneben kommentiert, wie ich gern  zugeben will, aus meiner libertären Sicht. Aber wir wissen ja schon, dass eine „neutrale“ oder „technische“ Beschreibung einer Denkrichtung ohne die Sichtweise des Verfassers fast nicht möglich ist. Insofern sind auch die lexikalischen Einträge nie ganz neutral sondern spiegeln die Mainstream-Denkweise der Gesellschaft wieder, in der das Lexikon verfasst wurde.

Die Parteien

Nun schaute ich mir die existierende Parteienlandschaft an. Da war zunächst die regierende CDU. Der bürgerliche Hintergrund meiner Familie war hier beheimatet, ihr fühlte sich mein Elternhaus besonders verbunden, aber natürlich waren meine Eltern niemals Parteimitglieder. Dennoch wählten sie die CDU, ohne sich in allen Punkten mit ihr zu identifizieren. Ihr, aber besonders ihrem Wirtschaftsminister Ehrhard, hatte Deutschland den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu verdanken. Allerdings bewahrte sie auch den Mief der Vergangenheit und war nicht sonderlich progressiv in der Umsetzung notwendiger Reformen. Ich war noch Schüler, aber das Eigentum Eigentum bleiben und als solches geschützt werden sollte sprach mich an. Besonders deshalb weil meine Eltern 1948 buchstäblich mit dem reinen Nichts begonnen hatten und ich "unser" Eigentum erhalten sehen wollte.

 

Ich litt meine ganze Jugend unter der besonderen Arbeitsbelastung meines Vaters und seinem Mangel an Zeit für seine Familie und er war nur deshalb innerlich bei mir teilentschuldigt, weil er kranke Menschen heilte. Jedenfalls bekam ich mit, wie mein Vater um jede müde Mark kämpfte und wie ihm nichts, aber auch gar nichts geschenkt wurde. Seine mehrere tausend Überstunden oder Bereitschaftsdienste als Assistenz und Oberarzt bekam er nie bezahlt; und als er später als Chefarzt beamtet wurde, war an eine angemessene Entlohnung schon gar nicht mehr zu denken. Als Beamter stand er in einem besonderen Treueverhältnis zum Staat. Er hatte vom ersten Gehalt Geld in Form von Bausparverträgen zurückgelegt um für sich und seine Familie den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Als Handwerker oder Angestellte schon lange Geld nach hause trugen steckte er immer noch einkommenslos in seinem Studium oder einkommensarm in einer Weiterbildung. Später als er, auf Grund seiner Leistung, und nicht etwa auf Grund von politischer Kungelei, Manipulation oder Postenschieberei zum dirigierenden Arzt (Chefarzt) ernannt worden war, und seinen Haustraum verwirklichte, an dem er dann weitere 20 Jahre abzuzahlen hatte, war er plötzlich "Herrgott im weißen Kittel" (BILD-Zeitung) und sah sich, mit seinen Kollegen, oft einer geradezu hysterischen Neidkampagne ausgesetzt.

 

Diese, besonders von Sozialdemokraten initiierten, und in den, nach Headlines gierenden, willfährigen, Massenblättern verbreiteten Neidkampagnen und sachlich nicht gerechtfertigten Umverteilungsforderungen, wurden Allgemeinplatz, besonders in "Saure Gurken"- Zeiten. Es kam hinzu das Vater jahrelang, noch als Oberarzt, um das Einkommen der Familie als Alleinverdiener (Mutter war gesundheitlich nicht in der Lage ebenfalls zum Einkommen beizutragen, außerdem hatte sie 3 schulpflichtige Söhne) aufzubessern, Praxisvertretungen machte und nach einem anstrengenden Klinikarbeitstag noch weitere 6 oder 7 Stunden in der Praxis seines Kollegen Dr. Pf. arbeitete. Auch in zahllosen Nachtfahrten mit Hausbesuchen auf Weddinger Hinterhöfen versuchte er das Einkommen anzuheben. Es ist auch uns Söhnen, besonders mir als Ältestem, nicht verborgen geblieben, dass die ungenierten Griffe des Staates nach dem Sauerverdienten meines Vaters von Unverschämtheit und grober Ungerechtigkeit waren. Das hat mich nachhaltig geprägt. Die Erwartungshaltung der boulevardblattinformierten Öffentlichkeit das ein Arzt für die Allgemeinheit dazu sein habe und somit fast umsonst zu arbeiten habe war schlicht ungerecht und trug der Tatsache nicht Rechnung, dass das Fachwissen und das manuelle, operative Können einen Marktwert, einen erarbeiteten Marktwert darstellte, der bezahlt werden musste. Der Schwur des „hippokratischen Eides“ stand dem nicht entgegen. Die gerade von Politikern inszenierten Neidkampagnen, die selbst ihr Eigentum aus Enteignung und ohne adäquate produktive Eigenleistung aus deutlich höherem Einkommen bilden konnten, sind eine stets wiederholte und aufgewärmte Dauerlüge.

 

Da ich in anderen Parteien keine Alternativen zum Eigentumsschutz sah, (inzwischen hatte ich dem Eigentumsbegriff inhaltlich auf das Eigentum an mir selbst, meinem Geist, meiner Seele, meinem Leib ausgedehnt) wählte ich bei meiner ersten Wahl die CDU. Später, besonders unter dem CSU-Finanzminister Theodor Waigel, verabschiedete sich die CDU bedauerlicherweise vom Schutz des Eigentums und beteiligte sich an der Umverteilung die die Sozis wider besseres Wissen und historischer Erfahrung opportunistisch und publikumswirksam und von jeher Neid schürend, propagierten. Ja sie, die CDU, versuchte die SPD sogar noch zu "überholen", links zu überholen und setzte Enteignungsprozesse in Gang die jeden fleißigen Unternehmer oder besser Verdienenden zur Verzweiflung bringen oder in den Dauerfrust treiben konnte. Abgesehen von diesen fiskalischen Überlegungen störte mich an der CDU, noch mehr an ihrer Schwesterpartei der CSU, besonders das Moralisieren, das ihre konservativen Werte für andere oder alle verbindlich oder allgemein gültig geregelt werden sollten, das ewige Gestrige in allen Fragen des Privat- und Familienlebens, die vernünftige Menschen selbst in der Lage sind hinter ihrer Schlafzimmertür zu regeln und natürlich die Haltung dieser Parteien zum Schwangerschaftsabbruch. Diese Haltung, die die Individualrechte von Frauen und Familien nachhaltig tangierte und besonders natürlich von parteiangehörigen kinderlosen Klerikern vertreten wurde, hat mich an den Konservativen immer gestört. Außerdem meldeten sie sich bei Menschrechtsverstößen immer erst unter Öffentlichkeitsdruck und überließen bedauerlicherweise und völlig unverständlich, dieses Feld den Linken und Grünen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

 

Die SPD kam für mich überhaupt nicht in Frage, das ganze verwässerte sozialistische Gefasel war so durchsichtig und unterschied sich von den Sprüchen jenseits der Mauer im Kern nur wenig. Ewig wurde und wird bei Schwierigkeiten die Neidkeule herausgeholt, mit seit Jahrzehnten gleichen Klassenkampfargumenten gearbeitet. Wenn ich beispielsweise diese verlogene Oberknalltüte Lafontaine sehe bekomme ich einen Brechreiz. Dabei hat sich ja nicht nur die Parteiführung sondern auch die Basis längst auf ein Wohlstandsniveau begeben, die solche Kampfparolen als Farce erscheinen lassen. Lafontaines Villa im Tessiner Stil hat Fußballfeldgröße. Dagegen wäre nichts zu sagen hätte er sie nicht durch Enteignung finanziert. Das Unlautere in der Argumentation, das sichtbar anders gelebte denn in den Programmen verkündete, das dumpfe massenkonforme Solidaritätsgekrähe stieß mich schon als Schüler ab. Habe ich nicht unzählige Sozis erlebt, die kaum dass sie dem Mief des Hinterhofes und dem spießigen Dunst ihrer vorurteilsgeformten Unterschicht entkommen waren, und in den Sesseln der Bourgeoisie Platz genommen hatten oder in ihrer Mercedessänfte zu einem Meeting eilend, ihre Überzeugungen verrieten oder sie nur im Kreise alter Kumpels bei passender Gelegenheit verlegen rhetorisch runterschnurrten. Ich konnte zuhören, denn meine Ohren funktionierten, also hörte ich, das in keiner der großen Volksparteien soviel gelogen, soviel Neid und Missgunst, soviel historische Unwahrheit hinausgeblasen wurde und wird wie in der SPD. Jüngstes Beispiel für einen ganz hemmungslosen Lügner, Populisten und Neid produzierenden Umverteiler, einen üblen Diebstahlbefürworter ist - wie schon geschrieben - Oskar Lafontaine. Dieser Brandstifter predigt Wasser und trinkt Wein. Es ist vielleicht merkwürdig aber die verlogene, durchsichtige Argumentation dieser Partei und ihrer Vertreter fiel mir schon als Schüler auf. Ich hatte und habe Probleme Menschen zu verstehen die sich ihr anbiedern. Dies nur mit Herkunft zu erklären reicht nicht, dann würden 90 Prozent der Sozis zugeben müssen nahtlos in die Fußtapfen ihrer Eltern getreten zu sein. Der Sinn für Gerechtigkeit und der Wille zum Abbau von Armut kann es jedenfalls nicht sein, der Menschen hier mitmachen lässt. In ihre unlauteren Argumentation werden sie nur von den Grünen übertroffen, deren Sendungsbewusstsein sich ebenfalls gnadenlos über die Freiräume und Wünsche von Menschen hinwegsetzt auf dem versprochenen Wege zu einem Ausgleich für alle auf niedrigem Niveau. Daß sie dabei Eigentum, als Werte die ihnen nicht gehören, umverteilen, interessiert sie nicht. Doch zu den Grünen später.

 

Die Liberalen, d.h. in Deutschland die FDP, kannte ich als Jugendlicher wenig, Theodor Heuss interessierte mich, weil man einen Seenotrettungskreuzer nach ihm benannt hatte und er mir immer als besonders honorige Persönlichkeit geschildert wurde. Aber was sonst? Ein Onkel hatte Sympathien für sie, und ich glaube meine Großmutter, aber von ihrem Programm und ihren Vorstellungen wusste ich zunächst wenig. Ich war immer noch Jugendlicher und wenn am Stundenplan gekürzt wurde, dann unverantwortlicherweise in Geschichte oder "Staatsbürgerkunde", wie es so schön hieß. Es wäre sicherlich sinnvoller gewesen Jugendlichen die Geschichte Deutschlands nach 1848 interessant und motivierend nahe zu bringen als die Zusammensetzung von Abflussreiniger im Chemieunterricht. Dann gab es noch einen Bundespräsidenten der nicht nur „hoch auf dem gelben Wagen“ daher kam sondern auch aus der FDP. Mir fiel nur auf, auch das schon sehr früh, das die Partei ein Selbstbewusstseinsproblem haben musste. Jedenfalls war sie profilierungssüchtig. Das äußerte sich nicht unbedingt in unkonventionellen Politikvorschlägen, sonder zunächst mit viel Wind in Form von drei Pünktchen. F.D.P. - so wollte man sich abgrenzen. Dabei gibt ein Punkt sowenig her wie ein Komma, wenn nicht davor oder dahinter etwas Wesentliches steht. Lächerlich, aber von einer 5 Prozentpartei deren nuttenhaftes Verhalten sie auf der Sucht nach Bezahlung (Machtzuwachs oder Beteiligung) erst mit der CDU und dann mit der SPD ins Bett gehen ließ war eben nicht mehr zu erwarten. Später, als ich etwas mehr verstand, merkte ich, dass sie wirklich liberale Werte nie vertrat oder ansatzweise den Versuch  machte sie umzusetzen. Die FDP betrieb und betreibt Umverteilung und Diebstahl in genauso unverschämter Form, und was viel schlimmer ist, alle liberalen Werte verratend, wie die anderen Parteien. Für die Liberalen und den Liberalismus zu interessieren begann ich mich jedenfalls bei einer Weihnachtsfeier, als der betreffende Onkel ein FDP–Prinzip zitierte „So wenig Staat wie möglich, soviel Staat wie nötig!“ Das war etwas, wo ich ansetzten wollte, denn der Satz gefiel mir und kam meiner bisher schwach entwickelte Auffassung von Staatsferne nahe. (Bedauerlichweise wusste ich eben noch nicht, wie wenig von diesem Spruch - und mehr war es ja wohl nicht für die FDP, sie den Versuch machte ihn umzusetzen.) Wie ich mich nun dem reineren Liberalismus näherte dazu später.

Nun etablierte sich eine neue Partei die sich je nach Region wechselnde Namen gab, die „Grünen“ oder „Alternative Liste“ oder „Bündnis90“. Ganz klar, gegen diese Partei und die Menschen die sie vertrat verspürte ich von Beginn an heftige Abneigung. In ihr waren viele Ehemalige der APO vertreten, zum Teil wirklich militante Leute, denen es vor allem auf eins ankam: eine Zerschlagung der freiheitlichen-demokratischen Unordnung. Es fiel gleich auf, dass sie alle die bekämpfte die Unternehmensgeist und Phantasie zeigten, die erfolgreich waren und unabhängig sein wollten. Sie wollten eine Demontage eines, wenn auch schlecht, aber doch funktionierenden Rechtssystems. Ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, durch was es zu ersetzen sei. Sie machten berechtigte Umweltschutzgedanken, zu einer Ökoreligion und griffen permanent den Individualismus und das Eigentum an. Zum Wohle der Allgemeinheit natürlich. Sie wollten einen Umbau des Systems von Anbeginn an aber in eine kollektivistische Richtung die verdächtig nach einer anderen Form von Sozialismus roch. Natürlich war ich dafür, dass die Gesellschaft sich weiterentwickelte, aufgeschlossener, eben liberaler wurde. (Ich war auch noch kein ausgewiesener Anarchist.) Trotz mancher Sympathien für ihre anfängliche Unkonventionalität waren mir aber ihre Angriffe auf das Eigentum, die kommunismusfreundlichen Attitüden, (als ob der Theoretische vom nur wenige Kilometer entfernten Realkommunismus wirklich zu trennen gewesen wäre…) von vorne herein Suspekt. Nein es war mehr als das, der Schmutz, der Mangel an, - bei eventuell zu diskutierenden, unterschiedlichen Ansichten -, gutem Benehmen, der Mangel an Stil, das bewusst proletarische und die Gewalt, das stieß mich ab. Diese „gewandelten 68", deren Partei nun gerade, also im Jahre 2005, 25 Jahre geworden ist, hatten, schon meiner damaligen Auffassung nach, keine schlüssigen, gerechten und toleranten Konzepte. Keine Konzepte die die Individualität und die Freiheitsrechte des Einzelnen respektierten. Es war durchsichtig: Hier sollte eine Konformität durch eine andere ersetzt werden. Und sie haben ihre Sache verstanden, sie haben eine ganze Generation an indoktrinierten, jungen Menschen geformt, deren Ideale missbraucht und vereinnahmt und das alles unter dem Mantel und der Lüge von globaler Gerechtigkeit, Umweltschutz und Gleichheit. Sie haben eine verstaubte, intolerante, miefige Nachkriegsideologie durch eine andere, noch intolerantere, noch konformistischere, neue Ideologie ersetzt. Sie haben Teile meiner Generation, in jedem Fall aber die Generation unserer Kinder zu staatsgläubigen, systemkonformen Weicheiern und Mitläufern geformt. Sie haben Gutmenschen gezüchtet, in Kinderläden in denen krauslockige birkenstockbewehrte Neu-Feministinnen Kinder indoktrinierten und z. T. gegen die Eltern einnahmen. Sie haben, und das wiegt eben besonders schwer, es dabei verstanden sich in der öffentlichen Wahrnehmung als fortschrittlich und individualistisch zu verkaufen. Als ob das Häkeln von Socken und das Stillen von Babys in der Öffentlichkeit nun schon ein besonderer Akt des Widerstandes wäre, oder schneidenden Individualismus verriete. Mit dieser schlabbrigen Turnschuhmentalität haben sie mit ihrer Unordnung und Unausgegorenheit seit 30 Jahren jungen Menschen das Gehirn verdreht. Gegen die Auswirkungen ihrer Ideologie ist die Abhängigkeit von Hasch geradezu harmlos. Mit ihrer ideologischen Einäugigkeit haben sie zu linken Menschenrechtsverletzungen geschwiegen, haben sich auf antisemitischem Terrain bewegt und doch alles als "Fortschritt" und aufgeklärten Zeitgeist verkauft. Sie haben alle Themen zu Religionen stilisiert und damit jeder einzelnen Sache an sich geschadet. Sie versuchten den Marsch durch die Institutionen, er ist ihnen gelungen, ihr Guru ist heute Außenminister, der selbst Gewalt gegen Sachen geübt hat, sie wollten regeln und verordnen, umverteilen und nivellieren. Und sie haben es geschafft. Heute vergeht kein Tag an dem nicht in unserem rot-grünen Staat irgendein blödsinniges Gesetz verabschiedet wird. Sie haben Deutschland so nachhaltig geprägt und verändert wie das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges. Als ob in den anderen Parteien nicht genug regelwütige, die Individualität des Bürgers nicht respektierende Parteisoldaten gewesen wären. Die Grünen waren keine wirkliche Alternative. Hier sollten Einschränkungen durch andere, neue Einschränkungen ersetzt werden. Das war kein Gewinn, das war eine klare Absage an die Freiheit. Und die Geschichte zeigt, dass ich Recht behielt…., wir sind einem Verordnungs- und Abgabenstaat angekommen, der all die (Nachkriegs-) Freiheiten und Errungenschaften zerschlägt, für die die Generation meiner Eltern hart gearbeitet hat.

 

Nicht, dass mir einige der Themen die sie aufgriffen nicht zugesagt hätten, Umweltschutzthemen besonders, ja ich konnte mich sogar mit den nun, erstmals auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst werdenden Problemen, die von den bisherigen Parteien deutlich vernachlässigt worden waren, durchaus beschäftigen. Aber die jetzt einsetzende, bzw. angestrebte Regulierungswut, der zur alles vereinnahmenden Religion, zur Ökoreligion mutierende, ursprünglich ja vernünftige Umweltschutzgedanke, das noch stärker als bei den, - schon etwas etablierteren und Fett ansetzenden -, Sozis Umverteilungsstreben, stieß auf meinen größten Widerwillen. Die sinnvolle und in vielen Familien und Ehen ja durchaus seit je praktizierte Gleichberechtigung haben sie zu einer Feminismusreligion umgekrempelt. Einer Religion die nicht ein Miteinanders der Geschlechter förderte sondern in einen Geschlechterkampf ausartete der bis heute andauert. Sie haben nicht Frieden in die Familien getragen und gesunde Alternativen gefördert, sie waren Kriegshetzer die die Menschen gegen einander aufgewiegelt haben. Wie konnten Menschen meiner Generation, die ähnliche Schulen wie ich besucht, einen ähnlichen Geschichtsunterricht genossen  hatten, die zum Teil ebenfalls aus „gutbürgerlichen“ oder wohlhabend gewordenen Arbeiter-Elternhäusern stammten, die den deutschen Wunsch, alles und jedes zu regeln schon in der Schule inhaliert hatten, wie konnten sie, teilweise in einem Marsch durch die Institutionen, daran mitwirken, wieder alles von “oben“, also staatlich zu regeln. Hatten Sie aus der Geschichte nichts gelernt. Ich will ja gar nicht bestreiten, dass viele von Ihnen sehr idealistisch waren, wenn ich auch fest daran glaube, dass die Mehrzahl solchen Bewegungen vor allem deshalb angehört, weil sie gerade „in“ sind und sie sich dem Mainstream zugehörig fühlen wollen. Sie sich, nur deshalb, weil sie einer Zeitgeistströmung erliegen, schon für progressiv halten. Das habe ich damals nicht verstehen können und verstehe es heute noch nicht. Wenn ich dann sehe, wie viele dieser „Grünen“ oder APO-Anhänger, nun in der Kukidentphase, die Seiten gewechselt haben, wie wenige ihren Idealen treu geblieben sind, dann packt mich der Abscheu. Die Roten von gestern sind die Grünen von heute, sind die Roten von morgen.

 

Leider hat diese Gehirnerweichung auch vor meiner Familie nicht Halt gemacht. Meine Patentante, sonst sehr nett, und nach dem Krieg für Gilette als Dolmetscherin arbeitend, von den Amis begeistert, war plötzlich anti-amerikanisch und schwärmte von Kräutertee, Biolatschen und saß auf dem Boden statt auf einem Stuhl. Ich glaube sie wollte nur "jugendverbunden" sein. Was immer das ist. Es löst bei mir ein ähnliches Juckgefühl des Unwohlseins aus, wie wenn es "sozial" sein soll oder für die "Allgemeinheit". Später war sie Patentante einer Boatpeoplefamilie und hat viel Ehrung und Anerkennung für ihr Engagement erhalten. Auch von mir.

 

Die Patentante meines Bruders, eine junge Anwaltsfrau, mit 5 Kindern , Hausmädchen, riesiger Villa etc., beruflich sehr erfolgreich, ließ sich plötzlich bei Sitzblockaden gegen die Ami's vor Kasernentoren von der Polizei wegtragen, entdeckte weit über 40 und nach 5 Kindern, dass sie lesbisch ist und wurde plötzlich ausgesprochen links. Ich bekam Schreikrämpfe und Lachanfälle, es war so durchsichtig, so opportunistisch, so am Zeitgeist orientiert. Aber sie alle, sie alle glaubten daran und brauchten es als Lebenselixier. Dabei tauschten sie nur die Konformität und ja, und verrieten die Freiheit, die individuelle Freiheit mit allen ihren Werten ohne sich dessen bewusst zu werden.

 

Was blieb übrig im Parteienspektrum? Die SEW, ein direkter Ableger der kommunistischen SED, die nach der Wende in PDS umgetauft wurde, und deren Verlogenheit durchsichtig und schlichtweg unerträglich war. Damals ein Sammelbecken alter, unbelehrbarer Kommunisten und einiger, eifriger Parteikarrieristen. In der SEW jedenfalls überwiegend Angehörige der Deutschen Reichsbahn die in West-Berlin wohnten. Ihr Arbeitgeber, die Deutsche Reichsbahn, übte den nötigen Druck aus, um so die üblichen 06, bis 1,2 Prozent der Stimmen im Westteil der Stadt zu bekommen. Nach der Wende ging sie ebenfalls in der PDS auf und erreichte unter den unzufriedenen Kommu-Nostalgikern, in bestimmten ehemaligen Ost-Stadtviertel, höhere Prozentzahlen, 2001 insgesamt 22 Prozent. Diese Partei, nach der Wende erneut ein Sammelbecken unzufriedener Neider, alter ehemaliger Parteigänger und unbelehrbarer Bonzen hatte einige neue Akteure gewonnen. Überwiegend junge Frauen, die ihre DDR-Identität fortschreiben wollten, oder den Stalinismus entdeckt hatten und glaubten ihn im wiedervereinigten Deutschland erneut salonfähig machen zu müssen. Hätte nicht hier die Chance bestanden, sich nach 40 Jahren Staatshörigkeit eine gewisse Staatsferne zugunsten einer neuen Freiheit zum Programm zu machen. Nein, wenn man sich die Biografien der alten kommunistischen Säcke und abgebauten ewig-gestrigen und der wenigen neuen Jungproletarier ansieht, wohl kaum. Freiheit war denn auch immer nur ein Lippenbekenntnis und nachrangig für sie. Der Kampf für ein diffuses „Allgemeinwohl“, Umverteilung, den " kleinen Mann" waren ihre wahren Stereotype denen sie aufsaßen, die sie verbreiteten und die ihnen die Wiederwahl der schweigenden Mehrheit sicherte.

 

Dann gab's da noch die NPD, oder DVU oder was auch immer gerade, deren eklige, widerwärtige Simpelprogrammatik nun wirklich nur für Glatzen geeignet ist. Ihr Hass, ihre einfachen Lösungsvorschläge, die nie die Individualität eines Menschen respektieren, sondern immer nur an primitive Emotionen appellieren, verbietet jede weitere Beschäftigung mit der Partei und ihren Repräsentanten. Lediglich das einige ganz Linke, ja ehemalige Kommunarden, die Fronten gewechselt hatten und nun zu Neo-Nazis mutierten, wie der zwar intelligente aber verhaltensunterbelichtete RA Horst Mahler, sei hier noch am Rande erwähnt.

 
   

 

 

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Sept., 11th  2001

 

 

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