Das Kreuz mit den Linken        
   

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Das Kreuz mit den Linken
Rechte habe ich persönlich nicht kennen gelernt. Klar, es gab einen Lehrer der hatte recht konservative Ansichten und ich hatte ihn im Verdacht mehr als konservativ zu sein und heimlich den „positiven“ Dingen des dritten Reiches nachzutrauern. Er hat jedenfalls mal Hitler’s Autobahnen gelobt. Aber das haben viele andere Dummbatzen auch. Dann kannte ich einen Jungen der damals von der straffen Organisation unter Adolf schwärmte. Aber der war 15, ich auch. Dann haben mich später mal eine Putzfrau und ein Lehrling als Ausbeuter beschimpft und als Nazi. Das war zusammenhanglos, blöd und insofern für mich ohne Bedeutung. Mein Wurstmaxe in Berlin hatte Ansichten, die, naja, leicht nazifreundlich klangen und er war antisemitisch eingestellt: „Die Juden sind an allem Schuld und besitzen alle Mietshäuser“. In einer Kneipe beim Bier habe ich auch Nazigelaber gehört, manchmal auch recht heftig, ja sehr heftig. Aber, das waren olle Männer, die vor sich hinsabberten und schon „Einen in der Krone“ hatten.

Natürlich „kenne“ ich Rechte aus den Medien. Man sieht Glatzen, Landtagsabgeordnete und Parteienvertreter im Fernsehen. Ich verfolgte was Herr Hohmann sagte, Herr Walser meinte und Herr Haider tat. Ich zerbrach mir den Kopf (nicht wirklich) über Horst Mahler und seinen Wandel von einem Irrsinn in den anderen Irrsinn. Ich surfe im Internet, finde Gary Lauck, Herrn Zündel und andere Durchgeknallte. Aber das war’s auch schon was ich an persönlicher Erfahrung in den letzten 40 Jahren gemacht habe. Vielleicht war ich ja nicht in den entsprechenden Kreisen. Ich kannte jedenfalls nicht genug Rechte um mir ein abschließendes Urteil über ihre menschlichen Qualitäten bilden zu können. Mein (Vor-) Urteil lautet aber dennoch: Besonders „gute“ Menschen können sie nicht sein.

Anders sah es und sieht es mit den Linken aus. Davon habe ich zwangsläufig viele kennen gelernt. Es war und ist schlechterdings unmöglich ihnen auszuweichen. Fangen wir wieder bei der Schule an. In den Anfangsjahren hatten wir Lehrer die ganz überwiegend dem „Neutralitätsgebot“ folgten und Geschichtsunterricht tatsächlich im Sinne der Vorgaben der Schulbehörden unterrichteten. Ja, es war sogar schwierig eigene Stellungnahmen von ihnen zu erhalten, was dazu führte, daß meine Eltern und ich über die politische Ausrichtung bzw. eventuelle Parteizugehörigkeit der entsprechenden Lehrkraft zu rätseln begannen. Auch als Chefredakteur unserer Schülerzeitung erinnere ich mich noch genau der Themen die wir in unseren Ausgaben hatten. Harmlose Kopien „richtiger“ Zeitungen, Lehrerporträt, Heimatkundeseite, Mode, Rätsel, ab und zu ein schulpolitisches Thema. Einige progressive Schulen allerdings begannen mit größeren Politikthemen, natürlich besonders dem Vietnamkrieg und dem Versuch einer Kapitalismusschelte. Jetzt spätestens begann eine Politisierung eines Teils der Schüler, die sich mit der ohnehin anstehenden pubertären Revolte gegen bestehende Autoritäten verband. Sicherlich hing das auch von der Wohngegend ab, in einer schwäbischen Kleinstadt wird da weniger gewesen sein, aber Berlin entwickelte sich zu einem „heißen Pflaster“.

Zeitgleich rückte auch eine neue Lehrergeneration nach, junge Leute, die den Mief der Adenauerära überwindend sich für progressiv hielten und genau diese Progressivität auch in die Schulen trugen. Ich habe in den letzten Klassen selbst erlebt wie Junglehrer, „Verständnis“ zeigend, ihre Schutzbefohlenen gegen Autoritäten, also die „herrschende“ Klasse (eine plötzlich wiederbelebtes Wort), Amerika und besonders das Elternhaus aufstachelten. Natürlich rannten sie, selbst noch unfertig und suchend, heimlich ihre Anti-Springer-Plakette tragend, Dutschke verehrend, bei den, nur wenige Jahre jüngeren, Schülern offene Türen ein.

Der an sich positive Aufbruch ins Erwachsenenalter wurde so funktionalisiert und kanalisiert missbraucht um eigenen Politikvorstellungen Breite und Zulauf zu verschaffen. In dem Missbrauch spätkindlicher Offenheit und Unwissenheit unterschieden sie sich genau genommen nicht von den Nazis, nur das es hier keine staatsgelenkte Einflussnahme war. Das war 1968. Als mein 10 Jahre jüngerer Bruder in diese, für einen jungen Menschen so entscheidenden Jahre kam, schrieben wir das Jahr 1979. Ich kann sagen, daß seine Lehrer ihn, in dieser Phase der Empfänglichkeit für außerhäusliches Gedankengut, so indoktrinierten, ja umdrehten, daß er die politische Kontinuität der Familie verließ und ins Gegenlager wechselte. Noch heute kämen wir, wenn wir uns unterhalten würden, nicht auf „einen Nenner“, zu verschieden sind unsere Ansichten. Außer den großen "L" haben wir nichts gemeinsam, er ist ein Linker, ich ein Libertärer.

Der Verfasser hatte natürlich ebenfalls seinen politischen Standort gewechselt, der Unterschied ist aber gravierend. Während mein Bruder ihn unter dem Einfluss „linker, roter Socken“ entwickelte (sein Gymnasium im Norden Berlins war übrigens dafür bekannt), blieb ich, zwar auch pubertär revoltierend, aber zunächst in der Kontinuität familiär gewachsener Perspektiven. Mein Elternhaus war pluralistisch-bürgerlich, meine Eltern wählten CDU, hatte aber ihre besten Freunde bei der SPD. Meine politische Haltung habe ich erst später modifiziert, das heißt konkret, nicht fremdbestimmt, sondern aus eigenem Antrieb ausgebaut, abgewandelt und weiterentwickelt. Und zwar hin zu einem eigenverantwortlichen Libertarimus, da mir der Liberalismus nicht konsequent in der Umsetzung freiheitlicher Ideale war und sich an der Enteignung und Umverteilung der Sozies beteiligte.

Die 68er Lehrer waren also die ersten Linken die ich bewusst wahrnahm. Sie verkauften sich zwar als progressiv, setzten sich mit dem Hintern auf den Lehrertisch, ließen sich mit „Du“ anreden und gingen auch mal mit zu einer Demo, aber in ihrem Meinungsdiktat waren sie autoritär wie ihre (kritisierten) Vorgänger. Ich erinnere mich noch deutlich, daß ich mich weigerte auf eine Anti-Amerika-Demo in die Hardenbergstraße mitzukommen und mich auch weigerte eine „Ami-Raus-Aus-Vietnam“-Plakette zu tragen. Natürlich hatte das noch keine Konsequenzen, aber es isolierte mich von den „Hauptakteuren“ der Klasse und nur die Tatsache, daß ich die Schülerzeitung machte und im Schülerparlament war, milderte die Folgen meiner Weigerung etwas. Im übrigen war es mir einfach zu albern, dauernd mit einer roten Mao-Bibel durch die Gegend zu rennen. Ich hatte sie mir gekauft, zugegeben, aber die Sprüche kamen mir ähnlich dumm vor wie später Hitlers „Mein Kampf“. In jedem Fall hatte ich mit vorgestanzten Ideologien wenig am Hut.

In den nächsten Jahren war ich nur von mainstreamgeilen Leuten umgeben. Jeder rannte mit irgendeiner Plakette herum, Anti-Springer, Anti-Amerika, „Anti“ war und ist das identitätsstiftende Schlagwort bis heute. Die Jahre waren in dieser Hinsicht anstrengend. Permanent musste ich mich gegen den (gerade herrschenden) Zeitgeist wehren. In der Ausbildung, im Beruf, in der Diskussion mit der ersten Ehefrau, den jüngeren Brüdern. Es fiel mir schwer und ich hatte Probleme das, als plötzlich "absolut" erkannte, Weltbild anderer Menschen meines Alters zu übernehmen. Richtig eskalierte die Situation im Kindergarten (Kinderhaus Frohnau-Berlin) meiner ersten Kinder. Ich war plötzlich eingekreist von kräusellockigen Müttern in lilafarbenen Latzhosen in Birkenstocksandalen, die ununterbrochen von ihrer Selbstverwirklichung sprachen, der nächsten Demo, dem Programm der Alternativen Liste, von Pershing-Raketen (nicht SS 20 wohlgemerkt), von Mutlangen, von alternativer Babyernährung und selbst gemahlenem Mehl. Sie lasen natürlich EMMA und neben Alice Schwarzer war wenig Platz. Die immer farbloser werdenden Männer standen daneben, ventilierten ähnliche Themen, ereiferten sich über den Autobahnbau nach Hamburg, diskutierten Pädophilenvorschläge Grüner Landesverbände, tauschten sich zusätzlich über Atomkraft, palästinensische Halstücher und Masturbationskurse aus. Einige hart gebliebene Typen gingen nach Nicaragua und halfen bei den Guerilleros mit. Che war jeder, der statt Ölwechsel am (VW) Golf Magazine in Kalaschnikows schieben konnte. Die anderen wechselten nach mehrsemestrigen Teststudien an 3 verschiedenen Fakultäten und nächtlichem Taxifahren endgültig an eine verschulte Uni, die PH. Verlegenheitslösung, Versorgungsdenken oder echte pädagogische Berufung?  Den wenigsten hätte ich meine Kinder anvertraut.

Über die umgestürzten Grabsteine und Hakenkreuzschmierereien auf dem Weddinger- oder jüdischen Friedhöfen sprach keiner.

Wo war ich da gelandet? Hatte ich mich verändert, hatte sich meine Umwelt verändert? Alle redeten von Freiheit, aber welche Freiheit meinten sie eigentlich. Was war der Kern ihres Freiheitsbegriffes, wo gab es Berührungspunkte, wo Anzeichen einer Kongruenz zwischen meinem und ihrem Freiheitsverständnis?

Einmal luden meine Eltern unsere Nachbarn ein, ein sehr wohl situiertes Apothekerehepaar. Dessen Bruder, ein Diplom-Psychologe, ganz linker Finger und Summerhill-Fan, jedenfalls verstand unter freiheitlicher Erziehung seiner Kinder folgendes: Es ließ seine Kinder ins Nachttöpfchen fassen, also richtig rein in die Kacke. Materialerfahrung nannte er das. Er gewährte seinen Kindern alle Freiheiten, einschließlich des nächtelangen Alleinseins wenn die Eltern aus waren. Das ging etwa bis die Kinder 10-12 waren, dann wurden die Gören so aufsässig und unausstehlich, daß sie begannen die Freiheit der Eltern mit ihrem Blödsinn einzuschränken. Die Folge war eine totale Umkehrung der Erziehung hin ins Totalitäre. Die Kinder haben das kaum verkraftet.

Ich habe mich von jeher dagegen gewehrt die Kindererziehung als ein Experimentierfeld unausgegorener Erwachsener zu verstehen. Kinder brauchen eine gewisse Kontinuität und Verlässlichkeit in der Auslegung ihrer Freiheit. Als sehr libertär eingestellter Vater versuche ich bereits (jetzt wieder) in jungen, ja sehr jungen Jahren den Begriff von Freiheit verständlich zu machen. Er darf aber nicht abgekoppelt werden von Disziplin, bestenfalls Selbstdisziplin. Nur Freiheit in Disziplin ist m.E. denn auch wirkliche Freiheit. Diese Wertschätzung des Begriffes habe ich auf linker Seite stets vermisst.

Zunächst war es auch für mich funny. Fuhr ich mit meinem inzwischen erarbeiteten Wagen ins Theater, glücklich darüber im kapitalistischen System derartigen Wohlstand, (als nicht einer Herrschaftsclique angehörender), genießen zu können und mir nicht an den Bushaltestellen die Beine in den Bauch stehen zu müssen (Frohnau liegt immerhin weit draußen), hörte ich mir dann im Theater Beschimpfungen des Kapitalismus an. Je unflätiger, ja ordinärer der Theaterfreiheits- also Kunstfreiheitsbegriff ausgelegt wurde desto mehr war er „in“. „In“ hieß genau genommen Zeitgeistkonform. Alle Intellektuellen beklatschten sich ob ihrer „Grenzen sprengenden“ und „Bürger schreckenden“ antiautoritären Haltung selbst und gegenseitig. Summerhill und Kinderladen, Happening und Publikumsbeschimpfung! Hauptsache links, rot, dagegen. Die Sehnsucht nach linker Cliquenbildung, so genannter Solidarität, war gewaltig. Individualismus erschöpfte sich im Tragen uniformer Jeans, blieb Worthülse, jeder war einer und doch waren alle uniform und gleichgeschaltet.

Natürlich änderten sich auch die sexuellen Gewohnheiten. Prüderie und Scham wurden abgelegt. Das gefiel mir und ich hielt es für einen Gewinn. Gekoppelt wurde es natürlich an linkes Bewusstsein. Wäre man normalerweise allenfalls ein masturbierender Wichser der sich im 8mm Pornoeckkino einen runterholt, war man nun als aufgeklärt und gegen Prüderie ankämpfend entschuldigt. Übrigens auch wenn man seine Frau betrog und oder 3 Kommilitoninnen zur gleichen Zeit vögelte galt das als „geil“ bzw. links, was manchmal aufs gleiche herauskam. Niemand durchschaute indes, daß die sicherlich sinnvolle „sexuelle Befreiung“ den Linken größtenteils als Verpackung ihrer gesellschaftsumbauenden Sozialismusideen diente.

Auch hier habe ich später oft Umdeutungen gehört. Erkannte Fehlwege und Irrtümer wurden und werden von den Linken in ganz besonderer Manier und Technik bei nachträglichen Betrachtungen so umgebogen, daß sie in eine Kontinuität der Geschichte der Linken passen. Dabei ist die Geschichte der Linken vom Sozialismus nicht zu trennen und die Möglichkeiten andere Freiheitsräume auszuloten, andere Wege hin zu weniger Autorität wurden nie wirklich erprobt. Im Gegenteil: Zusammengefasst kann man sagen, daß die Linken in ihrer blinden Bindung an den Sozialismus mehr Autorität, mehr Staat, mehr Abhängigkeiten etabliert haben. In einseitiger Fixierung auf die Kritik "monopolkapitalistischer" Auswüchse haben sie durch die Hintertür staatskapitalistische Überregulierung gefördert und gesellschaftlich konsensfähig gemacht. Die nach dieser potemkinschen Revolution, die sich anmaßend 68er Revolution nannte, erhoffte Freiheit von staatlichen Eingriffen, Bevormundung und Steuerknechtschaft hin zu mehr Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und Engagement ist nicht erfolgt. Unsere individuell erarbeitete wirtschaftliche Unabhängigkeit hat unter dem Verordnungsdiktat der Linken zu neuen Abhängigkeiten geführt. Heute sind „soziales Allgemeinwohl“, „Rundumversorgung“, „Multikulti“, die ganze Begriffswelt der linken Korsettstangen mit denen ein Sozialismus light gestützt und abgesichert werden soll.

Aber auch in anderer Hinsicht hat die Linke mich enttäuscht. Was heißt enttäuscht, enttäuscht könnte ich nie sein, weil ich linken Heilsversprechen nie geglaubt habe. Aber Hoffnung in eine intensivere Aufarbeitung der Vergangenheit hatte ich schon. Ja, es hat eine Auseinandersetzung stattgefunden. Aber nicht sehenden, klaren Auges, sondern erneut durch eine ideologisch stark verfärbte Brille falscher Dioptrienzahl. Das unverfrorene, unredliche in der Vereinnahmung markierender Begriffe hält bis heute an und beschämt zutiefst: Antifaschismus, Antisemitismus. Worte die als Schlagworte missbraucht und als entlastendes Schutzschild benutzt wurden und werden. Wer Antifaschist ist steht automatisch auf der „richtigen“ Seite. Antifaschist  ist ja nun wirklich jeder, na jedenfalls schmückt das gut. So kann denn auch das Wort „Faschist“ auf alles und jeden angewendet werden, der nicht durch die gleiche Brille schaut. Diese Okkupation und Umdeutung von Worten haben die Linken bis zur Perfektion verfeinert. Welcher Linke, der „Faschist“ als Dauerschimpfwort zur Duftnotensetzung verwendet, ahnt überhaupt, daß es sich hier um, im alten Rom vor dem amtierenden Senator herlaufende, Rutenträger handelte die eine Gasse zu bilden hatten und auf nicht weichende Massen mit der Rute einschlugen. Das Schubkastendenken, der Eltern- und Großelterngeneration vorgeworfen, wurde adaptiert und dem linken Rundumschlag angepasst. Das wirklich erschütternde an linker Dogmatik ist aber die Vereinnahmung des Wortes Antisemitismus. Hinter all den uferlosen Aufrufen, Demonstrationen, Sonntagsreden, Aktionen, Festivals, Grill- und Kinderparties die die Antisemitismusfahne wehen haben versteckt sich eben genau das – Antisemitismus in seiner reinsten Form. Als ob ein Transparent allein schon immunisieren würde. Lächerlich. Mit abenteuerlicher Spitzfindigkeit hält man Brandreden gegen Israel, Amerika und deren "expansionistischen" Gelüste. In der Fürsorge für palästinensische „Freiheitskämpfer“ versteigt man sich zu Vergleichen die beschämender nicht sein können. Scharon gleich Nazi, Bush gleich Hitler. Israel von der Landkarte putzen zu wollen ist natürlich kein Judenhass, bewahre, es handelt sich lediglich um das Selbstbestimmungsrecht der arabischen Welt und ihren legitimen Aufstand gegen den Menschen verachtenden "US-Imperialismus" und "zionistischen Expansionismus".

Die rechten Judenhasser sind bekannt. Ja, sie haben ein neues stolzes Selbstbewusstsein und prahlen offen mit ihrer Sympathie für die Vergangenheit. Aber die linken Antisemiten verstecken sich unter Transparenten, und verkaufen uns ihren latenten Juden- und Israelhass als Gerechtigkeit für Palästina, unterdrückte Völker, Armutsbekämpfung, Frauenbefreiung, Kapitalismusschelte und Globalisierungskritik.

Habe ich nun jemals ehrliche, aufrechte Linke getroffen? Ich kann mich nicht erinnern. Alle spielen mit ihrer Biografie, deuten sie, ihre Beteiligung, die Geschichte der Linken, die Geschichte des Sozialismus, nach Belieben um. Lügen, belügen, die Öffentlichkeit belügen ist schon System. Ob es ein linker Professor ist, dem nach 50 Jahren nachgewiesen wird, daß er doch in der NSDAP war, allein ist er nicht damit herausgekommen (Jens), oder ein EX-SED-Mann der nun Anspruch auf das Amt des Bundestagsvize erhebt (Bisky). Die westdeutschen Linken basteln sich nachträglich ihr angeblich nun zukunftssicheres Fundament zurecht und deuten die Fehler der letzten 30 Jahre als Erfolge um. Die anderen, Ost-Linken, waren Widerstandskämpfer, natürlich, was sonst, noch andere veranstalten pseudointellektuelle Sandkastenspiele als Neo-Stalinisten (Wagenknecht). Anstand??? Die Linken denen ich ihre Aufrichtigkeit bereit bin abzunehmen sind heute eher liberal, klassisch-liberale oder liberal-konservativ Gewendete oder freundlicher gesagt: Geläuterte. So sehr ich inzwischen viele von ihnen schätze bin ich immer noch auf der Suche nach dem „von-Anfang-an-Liberalen“ oder besser Libertären. Also letztlich jemandem der keine Ideologie als Stützkorsett braucht, sondern Freiheit tatsächlich lebt, gestaltet, praktiziert und ihre Verantwortung empfindet!

Nein, ich habe ehrliche Linke nicht getroffen, sie haben die Lüge, die ihre Lebenslüge ist, so verinnerlicht, daß sie selbst an sie glauben. Verdrängung ist ein Teil der Persönlichkeitsbildung,. Hat man erst die steinwerfende Unruhephase mit Krawatte und öffentlichem Amt kaschiert, glaubt man die Vergangenheit überwunden und kann sich auf „Jugendsünden“ herausreden. Die Phase eines Prügelers und Steinewerfers, im Alter von 25, aber in die unschuldige Kindheit drücken zu wollen ist unredlich. Braunhemden konnten sich jedenfalls vor den Turnschuhen nicht mit ihrer „Jugend“ rechtfertigen. Hier wurde stets mit zweierlei Maß gemessen. (Fischer ist also entschuldigt: ER war 25, Kiesinger war 30 in der zu monierenden Zeit.) Hatten wenigstens einige der, in der Zeit des Nationalsozialismus, schuldig Gewordenen hinterher ihre Irrtümer erkannt und vor sich und der Welt dem Wahn abgeschworen, habe ich bei den Linken von solchen Ergebnissen einer temporären Kontemplation nichts gehört. Da fragt man sich schon, mit welchem moralischen Recht diese Pseudomoralisten dann überhaupt auf der Generation derer, die das Pech hatten an der Zeitphase des ewigen Reiches beteiligt zu sein, herumhacken. Sie haben keinen Mut ihr Versagen und das Scheitern der sozialistischen Idee zuzugeben. Das nach dem Zusammenbruch des Sozialismus nun fortwährend an einer neuen modifizierten Form der Freiheitsberaubung in Form eines „neuen, ökologisch-sozialen Sozialismus“ gebastelt wird, teilweise von den gleichen Leuten, frustriert. Die Erkenntnis, daß Sozialismus, egal ob braun oder rot gefärbt, immer einen Eingriff in die Unabhängigkeit und Freiheit des Bürgers ist, blieb und bleibt Linken bis heute versagt. Das diese Ideologien Kopfgeburten sind, die von „Otto Normalverbraucher“ (unbeeinflusst) gar nicht nachgefragt werden, aber das letzte Jahrhundert mehrfach umgekrempelt haben, auch.

Diesen alten und neuen Freiheitsfeinden gilt es weiterhin entgegenzutreten. Das was Freiheit tatsächlich ausmacht, den Wesensgehalt, haben sie jedenfalls nicht verstanden.

 
   

 

 

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