Erotik - Erotic        
   

The philosophy of Liberty is based on the principle of Self-Ownership

>all kinds of socialism cause poverty<

   
   

Ein Bekenntnis zum Verständnis
An intimate confession
von/by Rudi Raabe

   
     

 

     

Denk mal nach...

     

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A page that over and above its political content also shows the world and environment of people who stand for their libertarian ideas.

         
         

 

 

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Erotik und Sex sind auch heute noch Tabuthemen in vielen Gesellschaften. In einigen moslemischen Ländern ist noch nicht einmal das Ansehen, bzw. Zurschaustellen eines (weiblichen) Fußknöchels gestattet. Aber auch in Nordamerika ist das Thema kein öffentliches. Ein Sekunden sichtbarer Nippel kann dort schon zum Skandal werden, der Zensor deckt anstößiges mit Würfeln ab und die "Life"- Sendungen kommen um Sekunden zeitversetzt, damit der Zensor noch ein "Beep" einspeisen kann. Der Zuschauer wird im Zustand der Unmündigkeit gehalten, ein anderer entscheidet was gut für Dich ist.

Natürlich kann man darüber streiten ob im öffentlichen TV eine Schamhaarrasur gezeigt werden sollte. Auch erinnere ich mich vor einigen Jahren gesehen zu haben, wie ein "Künstler" einen Plastikmasseabguss  von einer Vagina vor laufender Kamera vornahm, während die Moderatorin das Modell interviewte welche Gefühle sie dabei hätte. Es war im Abendprogramm eines 3. Fernsehprogramms, also ein Kulturkanal. In einer anderen Sendung begann eine prominente Frau zu masturbieren. Wer sollte nun darüber befinden ob es sich hier um Kultur handelt, für wen es geeignet sei? Ein Fremder, ein Zensor? Ein Angestellter des Fernsehens? Ganz klar - es gibt immer Politiker, die als Moralisten auftreten, populistische Forderungen nach Einschränkungen der Liberalität erheben. Und es finden sich immer welche, die sofort hinter sie treten und zustimmen. Das Gefühl Mitmenschen die eigenen Wertvorstellungen aufdrängen, nein überstülpen zu müssen, ist halt sehr stark im Menschen verankert. Letztlich ist es eher eine Frage des Geschmacks denn der Moral. Sittenwächter wie vor 30 Jahren ein Staatsanwalt Finger in Berlin wollten "Je t'aime" von Jane Birkin verbieten - weil es die Jugend verderbe. Hah, hatte der Mann nichts aus der Geschichte gelernt? Was gestern obszön ist heute normal. Das Lied spielt man seit 30 Jahren in jeder Tanzkapelle. Maßstab kann nur das eigene Empfinden sein.

Ich jedenfalls bin froh und dankbar in eine Zeit und Gesellschaft geboren zu sein, die mir die (weitgehende) Freiheit gab selbst zu entscheiden. Das diese Freiheit ständig bedroht wird von "anständigen" Menschen wissen wir alle. Ich für meinen Teil werde für den Erhalt dieser Freiheit kämpfen - ohne das ich deswegen alles gut finden muss. Zum besseren Verständnis einer Jugend im Nachkriegsdeutschland - im freien Teil der Stadt Berlin, hier ein Auszug aus meinen erotischen Erinnerungen. Ich glaube sie stehen stellvertretend und erklärend für diese Zeit.

Letztlich ist eine Einlassung zum Thema, neben den Rückschluss auf den Geisteszustand des Verfassers (ha, ha), auch ein Spiegel der Zeit. Wie haben sich darüber vorige Generationen geäußert, wie denkt man darüber in 50 oder 100 Jahren. Eigentlich geht es immer um die gleiche und älteste Sache der Welt. Das finden manche langweilig und manche normal und deshalb nicht erwähnenswert. Aber unbestritten ist, dass Hormone die Welt steuern, bewegen und verändern. Meine eigenen Hormone meldeten sich, meiner Erinnerung nach, schon sehr früh, vielleicht war ich 6 oder 7 Jahre alt, als eine Spielkameradin gleichen Alters und ich uns gegenseitig, in einem Gebüsch in Heppkes Garten, das war ein Trümmergrundstück in Steglitz gleich neben unserem Haus gelegen, an den entscheidenden Stellen untersuchten. Ich sehe das positiv und schreibe das einer gesunden Neugier zu, einer Neugier, die ich mein ganzes Leben, nicht nur auf diesem Gebiet, sondern auf allen Gebieten, bis zum heutigen Tag behielt. Da ich zu diesem Zeitpunkt nur meinen kleinen Bruder R. hatte war, der Wunsch ja schließlich verständlich zu wissen wie Mädchen aussahen. Später, ich war vielleicht 10 oder 11 Jahre alt, habe ich, dessen erinnere ich mich genau, einige male, wenn meine Eltern eingeladen waren, die Unterwäsche meiner Mutter ausprobiert. Wenn ich das das Rascheln der Strümpfe meiner Mutter hörte, die ich mit Strumpfhaltern an ihrer Korsage befestigte - nicht die Mutter, die Strümpfe mein ich – die ich, weil mir viel zu groß, mit anderer Unterwäsche ausgefüttert hatte (die Korsage), besonders im Brustbereich…, wünschte ich mir gelegentlich ein Mädchen zu sein. Ein hübsches natürlich, eins nach dem sich die Männer umdrehen selbstverständlich. Erfreulicherweise trägt ja heute kein Mensch, ääh, keine Frau mehr so ein Ding mit spiralförmigen Drahtstangen darin. Einige male hatte ich mir auch die Nylons über den Kopf gezogen und Bankräuber gespielt, das Wohnzimmer und Vaters Schreibtisch überfallen…aber das gehört nun wieder nicht in das Kapitel Erotik. Hinterher schaffte ich es Mutters Wäsche wieder genau an die richtige Stelle im Schrank zu legen, sie hat nie etwas gemerkt. Ich habe sie gefragt - kurz bevor sie starb. Doch zurück zu den Nylons. Ja, ja, von diesen ging immer eine besondere Faszination für mich aus und der Anblick von Strümpfen und dem unbedeckten oberen Bein darüber hat mir von jeher (einen Teil) meiner Sinne geraubt. Der Erfinder der Strumpfhose (bääh) gehört den auch nach meiner Meinung gründlich erschossen.

 

 

Doch zurück zu meinen Entwicklungsfortschritten. Ein oder zwei Blöcke weiter wohnte ein junges Mädchen, vielleicht 18 oder 19 Jahre alt. Die knallte auf ihren hohen Absätzen ausgerechnet Sonntags morgens durch die ruhige Straße das es nur so hallte und schallte. Mein Vater rollte die Augen, auch war die Kleine wohl etwas billig, kam eventuell von der Nachtschicht, ihr sehr kurzer Rock wippte und die Schuhe krachten. Wahrscheinlich reine Provokation der ruhebedürftigen Bürger. Ich rollte ebenfalls die Augen, ich dämlicher Opportunist, heimlich aber schaute ich hinter ihr her, es war nicht zu leugnen, die High-Heels machten mich an. Und das machten sie mich mein ganzes Leben. Schöne hohe Schuhe haben mir immer gefallen. Da weiß ich mich nicht allein, das geht anderen Männern ja ähnlich. Die nächsten Girls (so sagte man damals noch nicht…) waren Monika und Carola, beide waren in meinem Alter, also so um die 11 oder 12 Jahre. Monika musste auf ihre kleine Schwester aufpassen, der Vater war Polizist, die Mutter arbeitete ebenfalls, und sie saß am Buddelkasten immer so, dass man ihre Höschen unter dem Rock sehen konnte. Klar war das interessanter dahin zu schielen, als Ritterburgen für die jüngeren Brüder aus Sand zu bauen. Erst war ich in die Eine verknallt, dann in die Andere. Die haben sich aber nichts draus gemacht, obwohl ich mir auch heute noch sicher bin, dass die Monika sich mit Absicht so hinsetzte, wahrscheinlich ein früher Hang zur Demütigung des männlichen Geschlechts. Immerhin war jetzt irgendwas in mir geweckt worden. Noch nichts genaues natürlich, aber doch etwas was einen optischen Hunger in mir auslöste. Nun kam noch Etta dazu, der war ein Lehrersohn aus dem Nachbarhaus und wenn seine Eltern nicht da waren durften wir mit nach oben. Sein Vater war offensichtlich ebenfalls ein Liebhaber des Schönen oder unglücklich verheiratet oder Beides. Jedenfalls hatte er in seinem Schreibtisch hinter den Wörterbüchern jede Menge Aktfotos, die hatte Sohn Etta natürlich entdeckt und zeigte sie uns. Wir bewunderten Etta, für seinen Mut, seinen Vater, aber noch mehr bewunderten wir die Fotos. Die Fotos hatte sich der Herr Papa aus Dänemark schicken lassen, was etwas weiter war, in der Liberalität mein ich, und schon früh die Pornographie[i] freigegeben hatte. Klar, dass ich mir die Anschrift der Firma von der Versandtüte abschrieb. Ich weiß sie heute noch: Deli-Forlag, Krusaa, Dänemark. Wer jetzt glaubt ich würde friedlich zu Grimms Märchen und den Bilder von Ruth Koser-Michaels[1] zurückgekehrt sein der irrt gewaltig. Ich bestellt also flugs einige Bilderserien und Sexheftchen sowie eine schwarz/weiß Normal 8-Spule mit aufregenden Aufnahmen. (Heute, 40 Jahre später zeigt man so was in jedem besseren Spielfilm zu bester Sendezeit in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. Aber damals?) Wie auch immer, meine erhebliche unmoralische Energie reichte auch noch aus um mir eine Deckanschrift auszudenken "Mein Name Rückwärts" Postlagernd, 1000 Berlin 52 Postamt“. Die Sendung kam. Und das dicke Ende auch. Irgendwie hatte meine Mutter Wind bekommen und war mir gefolgt, wahrscheinlich bei einem meiner Nachfragegänge zum Postamt und hatte mit dem Schalterbeamten gesprochen. Und der hatte, unter Bruch des Postgeheimnisses (na gut ich war minderjährig…) meiner Mutter die Tüte ausgehändigt. (Idiot). Was nun kam war klar: Am nächsten Sonnabend, wurde mein Zimmer durchsucht und noch ein Block mit selbstgeschriebenen literarischen Ergüssen gefunden die denen des Marquis de Sade nicht nachstanden, und dann gab es eine nachtlange Diskussion, bis 3 Uhr morgens (gut das man am nächsten Morgen ausschlafen konnte), ob des falschen Weges auf dem ich mich befand, des falschen Bildes was ich von Frauen bekommen würde, dem Mangel an Ästhetik in den Bildern, der Verdorbenheit meiner Spielgefährten und der möglichen Gefährdung meiner Zukunft. Mutter hatte feuchte Augen, ich auch, aber vor Müdigkeit und Vater war erschöpft ob seines Monologes. Klar er hatte mich zur Stellungnahme aufgefordert. Klar ich hatte versprochen so was  n i e  wieder zu tun. Hätte ich im sagen sollen, ja hätte ich es selbst wissen können, - damals, dass seine Worte auf ausgedörrten Boden fielen. Möglicherweise auf eine weiche Birne trafen, eine altersbedingt weiche Birne? Er tat allen Schund und Schmutz in die Versandtüte zurück und verklebte sie aufwendig. Die Klebestellen versiegelte er mit seiner Unterschrift und dann nahm er die Tüte mit zu seiner Arbeitsstelle und schloss sie in seinem Arbeitszimmer ein. Ich habe sie nie wiedergesehen. Ach Papa, du hast es so gut gemeint…, du hattest soviel Ideale und Hoffnungen in Deine Söhne…Nicht mal meine literarisch-erotischen Ansätze hatte er zu würdigen gewusst.[3]

Ich hatte nun die Wahl ich konnte zur Schule laufen oder eine (!) Station fahren. Jetzt entschied ich mich häufiger für die U-Bahn. Dort gab es nämlich auf dem Bahnsteig einen Zeitungskiosk und da hingen, meist an der Rückwand, so einige (natürlich völlig harmlose, um nicht zu sagen dämliche) Zeitschriften und Magazine mit, na, mit was wohl? Richtig, mit (zu dem Zeitpunkt) noch - leicht- bekleideten Mädchen. Ich wurde älter und die Kleidung der Mädchen im Zuge der Zeit noch leichter bekleidet, schließlich fehlte die Kleidung erst oben und eines Tages, dem Himmel sei Dank, auch untenrum. Und dann, eines Tages, kam ich aus der Schule und auf den Titelblättern der Boulevardblätter war eine junge Frau abgebildet. Sie war nackt. Total nackt. Nicht das man was sehen konnte, nein, sie saß, breitbeinig, verkehrt herum auf einem Stuhl und hatte die Arme auf die Lehne gelegt. Man konnte zwar nichts sehen, denn zwischen ihren Beinen war die Stuhllehne und vor ihren Brüsten waren die Arme. Aber das Foto war hocherotisch. Ihr Name war Christine Keeler[ii] und sie hatte einen Skandal ausgelöst, weil sie gleichzeitig mit dem britischen Verteidigungsminister und einem Attaché der russischen Botschaft ins Bett gegangen war. Und so was macht man nicht, fand jedenfalls die Öffentlichkeit und da musste der arme Herr Profumo[iii] zurücktreten, auch weil er das Parlament zunächst belogen hatte, - und ward fortan nicht mehr Außenminister. Ja, das Leben ist hart und die Moral der Moralisten noch härter. So ein Ferkel, hatte er doch eine hübsche Frau zu hause, wie konnte er nur…

 

         

Christine Keeler

 

Inzwischen war ich auf dem Gymnasium und mitten in der Pubertät. Rückblickend kann ich sagen, dass das einfach eine schreckliche Phase ist. (Die Pubertät meine ich jetzt - nicht das Gymnasium.) Für einen selbst, aber besonders für die Eltern. Wenn man jung ist und drin steckt, weiß man das natürlich nicht, aber heute als Vater sehe ich es so: Es ist eine Phase vor der man Angst haben muss. Diese Zeit ähnelt einer Krankheit mit manchmal, in den glücklichen Fällen, mildem Verlauf, aber oft auch schwerem oder sehr schwerem Verlauf. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber die Weichenstellungen und die Dummheiten in dieser Zeit können Auswirkungen auf das ganze spätere Leben haben. Ich habe schon wieder größte Bedenken wenn diese Zeit auf meine Kinder zukommt. Man möchte das Beste für seine Kinder, und sie torpedieren es ständig. Sie können nichts dafür, sind vielleicht selbst oft ganz unglücklich. Sie sind die Größten und Schlausten, sie wissen alles, aber auch alles besser – und sie wissen doch nichts. Sie äußern sich und verkaufen ihr bisschen Wissen als endgültig, als absolut und das wechselnd alle 3 Wochen neu. Wenn es nur der physische Umbau wäre ginge es vielleicht noch. Aber der geistige Umbau ist das Problem. Der Umbau vom Kind zum Erwachsenen, der Umbau im Kopf und im Körper sind eine harte Zeit. Der körperliche Umbau, die sexuelle Suche und Findung ist auch nicht einfach, aber, bei großzügigen Eltern jedenfalls, noch einfacher zu bewältigen. Ich habe gelegentlich Jugendliche gesehen, die diese Zeit mühelos und konfliktarm bewältigt haben -  mit ihren Eltern. Für andere war das die konfliktreichste Zeit ihres Lebens und die Pubertät hatte äußerst destruktive Auswirkungen. Mein Bruder und ich hatten eine harte Zeit, der andere, jüngste Bruder  durchlief sie eher problemarm. Dass der Ältere seinen Lebensweg versaut hat, hat seinen Anfang in der Pubertätsphase genommen. Zuerst der neugierige Gebrauch von Drogen wie Hasch und LSD. Danach das Abtauchen in die zeitweise Illegalität und das Leben auf der Straße, bzw. an der Gedächtniskirche. Ihn hatte es am schlimmsten erwischt, aber meine Hoffnung, dass er für viele nachfolgende Jugendliche der Familie ein warnendes Beispiel sein könnte hat sich leider nicht erfüllt. Auch hier bewahrheitet sich der Satz, dass man Erfahrung nicht vererben kann. 

 

Was ist dagegen, was sind Pornohefte gegen Drogen? Soll er doch, Hauptsache er nimmt keine Drogen und denkt nicht das alle Mädchen käuflich sind…..Ein Pornoheft würde mich eher erleichtern…..

 

Da kam ich noch ganz gut weg, obwohl gerade mir gegenüber (wahrscheinlich weil ich der Älteste war) immer so getan wurde, als ob ich besonders schlimm dran sei. (Übrigens auch bei anderen Dingen als nur der Pubertät) Ich wachte nun nachts auf und hatte plötzlich ein eklig kaltes und feuchtes Bettlaken[4] – und vorerst keine Erklärung dafür. Es dauerte eine Weile bis ich die Erklärung geliefert bekam, von meiner Mutter, die meinte, wenn mich das störe sollte ich die Hände auf die Bettdecke nehmen und nicht unter die Bettdecke. Hah, das war’s also, sie glaubte ich masturbiere[5]. Hatte ich gar nicht getan, nur wild und unbewusst geträumt. Aber, danke für den Hinweis, nun fing ich an. Tolle Sache. In der Schule begannen so doofe Verhaltensweisen, dass die Jungens sich gegenseitig schubsten, meistens gegen ein Mädchen oder gegen deren Busen, um sich dann totzulachen. Blöde. Ich will mich nicht loben, aber diese blöde Schubserei habe ich nie mitgemacht, ich machte es damals schon nicht und auch heute mag ich weder Rangelei noch über überhaupt körperliche Auseinandersetzungen. Also jedenfalls hat mich das nicht im geringsten angemacht. Da erinnere ich mich an eine winzige Sache, die mich aber total umwarf. Unser Gymnasium war ein alter Bau der Jahrhundertwende, mit riesigen Treppenhäusern, breiten Fluren, hohen Gängen und Klassenräumen. Auch die Fenster der Klassenräume waren hohe Rundbogenfenster. Und wenn die Sonne im richtigen Winkel stand suchten sich ihre Strahlen ihren Weg schräg durchs Klassenzimmer. Ich saß an der Wand der Innenseite, aber meine Klassenkameradin Dagmar an der Seite der Fenster. Und, da wir noch höflichkeitshalber aufstanden (aufzustehen hatten), wenn wir etwas vorzutragen hatten, wartete ich immer sehnsüchtig darauf, dass folgende Faktoren zusammenkamen: es hatte Sonne zu scheinen, die Sonne hatte im richtigen Winkel zu stehen und Dagmar hatte aufzustehen und etwas zu sagen. Dann geschah folgendes: Dagmar stand auf und – weil sie noch keine Strumpfhosen[iv] trug, sondern noch Strümpfe an Haltern, zog sie diese durch den Rock etwas hoch, dann schien das Sonnenlicht durch ihren Rock und ich konnte ihre wohlgeformten Beine als Schatten darunter sehen. Mama mia, ich wurde fast irre, erstens, weil es so selten geschah das die 3 Faktoren zusammenkamen und dann überhaupt…, meine Phantasie raste mit mir davon. Klar, das ich sie anschwärmte, ach Dagmar, wenn Du damals geahnt hättest, wie lange ich und vielleicht auch andere Jungen sich in ihrer Phantasie mir dir beschäftigt haben.

 

Lessing Gymnasium

 

In der nächsten Klasse wurde ich erst Mitarbeiter und dann Chefredakteur unserer Schülerzeitung. Außerdem für eine gewisse Zeit Klassensprecher, nachdem ich eine Weile daran mitgewirkt hatte, den amtierenden Kameraden abzusägen. (Der hatte das hervorragend gemacht, besser und klüger, - aber nicht so kämpferisch und auf Showeffekte bedacht - ein kluger, zurückhaltender Bursche (der heute Professor an der TH ist.) Nun stellte sich ein interessanter Effekt ein. Da ich als Junge, in dem Sinne das ich etwa angeschwärmt wurde, für die Mädchen nicht interessant war, entdeckten sie aber meine Fähigkeit zuhören zu können und akzeptierten mich als Gesprächspartner. Und das in einem zunehmenden Maße, der mich zum „Berater“ selbst intimster Angelegenheiten werden ließ. Oh je, es war nicht immer einfach die Mädchen in Liebesangelegenheiten, Intimpflege und Kleidung zu beraten, zumal dann, wenn ich vielleicht ein besonderes, natürlich heimliches, Interesse an ihnen hatte. Aber da sie mir nun ihr Vertrauen geschenkt hatten konnte ich sie nicht enttäuschen und hielt mannhaft durch, nahm mich zurück und unterdrückte meine wuchernden Triebe. Es grenzte an Masochismus[7]. Diese in der Pubertät geschulte und erprobte Verhaltensweisen, die ich über viele Jahre verfeinerte, hat mir später noch oft geholfen und trotz meines nicht gerade mädchenaufreißenden Aussehens, kam ich, nachdem ich gelernt hatte auch meine Schüchternheit zu überwinden, meist doch noch ans Ziel. Ja, später habe ich sie bewusst als Taktik zum „Aufreißen“ eingesetzt, und war auch nicht zu sehr enttäuscht wenn ich mir 8 mal einen Korb holte. Beharrlichkeit führt zum Ziel, beim 9 und 10 Mädchen hat es immer geklappt.

Doch zurück in die 9. und 10. Klasse. Nun war da ein hässliches Entlein, G.R. hieß sie. Immer Löcher in den Strümpfen, offensichtlich arme Leute. Die Eltern der anderen Kinder sammelten Kleidung für das bedauernswerte Kind. Die Löcher blieben, das Kind blieb Einzelgänger und wurde gehänselt. (Später erfuhren wir, dass die Familie die ganze schöne Kleidung der Kirche gespendet hatte, dort waren sie als großzügig bekannt. Merkwürdige Leute). So weit, so schlecht. Da die „Schönen“ der Klasse also für sexuelle Abenteuer, ääh, na ja Erstversuche, für mich unerreichbar waren, widmete ich diesem hässlichen Entlein nun meine ganze Aufmerksamkeit. Und tatsächlich, eines Tages auf dem Nachhauseweg hatte ich sie soweit sich mal mit meiner Unterwelt näher zu befassen und mir dafür gleichzeitig die ihre zur Begutachtung großzügig zu überlassen. Ihre Ausstattung gefiel mir aber nicht sonderlich und so brach ich diese anstrengenden Heimwege mit ihr schon nach dem dritten mal wieder ab. Aber es hatte etwas Gutes: Ich schwor mir keine Kompromisse mehr eingehen zu wollen und nur nach den hübschesten Mädchen zu schauen und, wie auch immer, sie zu erobern. Oder zu verzichten. Ich habe mich an meinen Schwur gehalten. Gott sei gelobt bestand mein weiteres Leben aber nicht nur  aus Verzicht.

 

Inzwischen hatten wir einige Urlaube mit meinen Eltern in Dänemark verbracht. Gleich hinter der Grenze in Krusaa erwarteten den Kaufwilligen und sexhungrigen Deutschen 8-10 hellrosa und hellgrün angestrichene Häuschen, frühere Einfamilienhäuser, die von ihren geschäftstüchtigen Besitzern zweckgerecht umgebaut worden waren. Nun waren da Sexshops drin und die Reisenden konnten sich eindecken. Vater tankte, weil billiger auf der dänischen Seite, nur 50 Meter von so einem Tempel der gedruckten Lust entfernt. Ich war natürlich unheimlich in ein Buch vertieft und schielte an dem Buch vorbei auf das Haus, als ob es da etwas zu sehen gäbe. Wenn wir dann am Urlaubsort in einen kleinen Krämerladen gingen entdeckten meine scharfen, suchenden Augen sofort irgendwo in einem hohen Regal die Reihen der farbigen Fotomagazine die schon auf dem Titelbild koitierende Pärchen und/oder riesige Geschlechtsteile zeigten. Auch wenn wir an roten Ampel stoppten und auf der Kreuzung war ein Kiosk waren die ausgehängten Magazine nicht zu übersehen[9]. Bedauerlichweise schaltete die Ampel irgendwann, in jedem Fall zu schnell, auf Grün und Vater fuhr weiter. In Kjelstup-Strand habe ich es dann gewagt und bin 9 km nach Hadersleben gewandert um mir dort mein erstes Pornoheft zu kaufen. Danach lag ich tagelang am Strand und döste vor mich hin. Mensch, die Pubertät kann einen ja so mitnehmen.

Zwischenzeitlich machte ich einen Kurs auf  einer Handelsschule und hatte mich auf einer Informationsfahrt unsterblich in Christiane verliebt. Sie wohnte in der Motzstraße, beide Eltern waren berufstätig. Ich hatte gerade beschlossen Kunstmaler werden zu wollen, bzw, ich fühlte mich bereits als Künstler, das Malen würde schon noch kommen. Also fragte ich Christiane ob ich sie mal malen dürfe. Ich durfte. Wir verabredeten uns im „Hotel Frühling am Zoo“[10], weil es bei ihr zu hause nicht klappte und bei mir sowieso nicht. Sie kam, wir bestellten uns in dem angemieteten Sonderangebotszimmer ein Tonic-Wasser, plauderten, sie zog sich aus, ich begann zu malen, zunächst den Oberkörper mit Kopf und Armen. Alles wurde etwas eckig, der Kopf zu klein, die Arme zu dick. Aber sie war schön, bildschön. Ich legte den Block beiseite, und setzte mich schon mal auf die Bettkante. Herrjeh ich war 16 und noch Jungmann. Also mit viel Streichelei und Zärtlichkeit versuchten wir es mal. Aber es war schwierig, es war ihr zweites mal, ich hatte keine Ahnung und eine Gebrauchsanweisung war im Zimmer auch nicht zu finden. Nach einer Weile kuschelten wir uns aktionslos unter der Decke und verbrachten die Zeit bis um 12 mit plaudern. Wir trafen uns noch einige Male und unternahmen etwas zusammen, küssten, schmusten, hielten Händchen, dann hatte sie einen neuen Freund.

 

Vorläufig geschah nichts aufregendes, aber dann traf ich am Ku’Damm eines Tages Dagmar wieder. Wir liefen uns direkt in die Arme. Klar, dass ich sie zu einem Kaffee ins „Zuntz selige Witwe“[11] Ecke Joachimstaler Str. einlud. Wir plauderten angeregt und ich spürte wie sich in meiner Wirbelsäule von unten nach oben aufwärtssteigend in mein Hirn etwas warmes, intensives ergoss. Später hatte ich das noch öfter, der Zustand in dem jede Form von Selbstkontrolle unmöglich wurde. Ich war schon wieder verknallt. Wir sprachen irgendwie davon, dass wir beide noch nie in Paris waren. Ich hatte eine Idee: „Bleib bitte hier sitzen, ich bin  gleich zurück!“ Ich raste über die Straße ins Lufthansa-Büro. Fragte ob man morgen früh am Flughafen Tickets kaufen könne, ob es am gleichen Tag eine Maschine zurück gäbe, wann die erste und wann die letzte Maschine fliegen würde usw. Mit diesen Informationen versorgt sprang ich über die Straße zurück ins Café. Ich lud sie zu einem Ein-Tages-Ausflug nach Paris ein. „Aber meine Mutter erlaubt das nie…“[12], ihr Einwand kam schwach. „Kein Problem Du bist abends zurück, keiner merkt was“. Ich schaute ihr in die Augen und war hin und weg.

 

 

"Dagmar"

Und so lief das Ganze nun ab[13]: Am nächsten Morgen trafen wir uns an gleicher Stelle, sprangen ins Taxi, rasten nach Tempelhof, kauften Tickets, flogen nach Frankfurt, umsteigen in den Flieger nach Orly[14], Paris. Dort in ein Taxi und zum Eiffelturm[v]. Rauf mit dem Fahrstuhl. In der Mitte im Restaurant original französische Zwiebelsuppe gegessen, dann weiter zur Spitze. Blick nach unten und in alle 4 Himmelrichtungen. Fotos. Im Souvenirladen ein Kopftuch mit Pariser Motiven für Dagmar gekauft. Wieder runter und zum Arc-de-Triomphe[vi]. Fotos gemacht. Dann auf der Champs Élysées spaziert und vor einem Luxus-Unterwäsche-Laden für Fotos posiert. Rein, ein Winzig-Höschen für Dagmar gekauft. Zurück zum Bois de Boulogne[vii] und auf eine Parkbank gesetzt. Händchen gehalten, Höschen angeschaut, Gebäck gegessen. Dann ins Taxi, zurück nach Orly. Zwischenstop in Frankfurt. Maschine nach Berlin, rein ins Taxi. Zu ihren Eltern in Moabit. Dort Küsschen und „bis morgen“. Taxi zu mir nach Hause. Ich falle todmüde ins Bett und kann doch nicht schlafen. Ich denke an Dagmar und bin krank vor Verliebtheit. Am nächsten Tag kaufe ich einen Blumenstrauß mit Gladiolen, so groß, dass sie nur diagonal durch die Tür zu tragen sind. Fahre zu Dagmar klingele. Sie ist allein. Wir küssen uns. Ich frage nach dem Höschen. Sie geht raus und kommt in BH und dem neuen Höschen wieder. Ich streichele sie und meine Hände wandern an ihr herunter. „Meine Mutter kommt gleich“, sagt sie. „So eine dämliche Ausrede“ denke ich, aber kaum ist sie aus dem Bad zurück dreht sich der Schlüssel in der Wohnungstür und die Mutter steht im Zimmer. „Verehrte gnädige Frau“ sage ich und drücke ihr die Blumen in die Hand, „ich liebe ihre Tochter…“ „Also vielen Dank für die Blumen“; sagt sie, „aber erstens bin ich keine gnädige Frau und zweitens bist Du schon der Zweite der behauptet meine Tochter zu lieben. Sie hat da noch einen anderen  Jungen. Übrigens seid ihr ganz schön irre mit eurem Ausflug, Dagmar hat mir alles erzählt. Was sagen denn Deine Eltern?“ „Die wissen es noch nicht“, sage ich etwas bedripst. Ich hatte ja mit allem gerechnet, aber nicht, dass da noch ein anderer Junge ist. ----- Wir trafen uns noch 3 mal, Küsschen, bisschen fummeln, - ich war immer noch total krank, dann war’s vorbei. Jahre später sah ich sie an einer Bushaltestelle. Ich winkte ihr zu, der Bus fuhr ab. Geschichte. Zur Statistik: Der Trip kostete mich mein gesamtes Taschengeld, vom Sparbuch abgehoben, nämlich 1048.-DM. Darin enthalten 2 Tickets, 8 Taxifahrten, 1 Kopftuch, 2 Zwiebelsuppen, 2 Gebäckstücke, 1 Höschen, 1 Blumenstrauß. Ich war für lange Zeit pleite. Die Fotos brachte ich zu unserem Optiker M. am Kurt-Schumacher-Platz, der auch Fotos entwickelte. Einige Tage später holte meine Mutter ihre Brille dort ab und der freundliche Herr M. fragte „ob meine Mutter die Fotos für den Herrn Sohn nicht gleich mitnehmen wolle“. Sie wollte, neugierig war sie ja nicht, trotzdem schaute sie in die Tüte und sah Ihren Sohn auf dem Eiffelturm!! Peng! Klar, dass ich anschließend in Erklärungsnöte geriet und die Wahrheit „gefühlvoll“ aus mir herausgezogen wurde. Mein Vater weigerte sich dann sein ganzes Leben zu so einem Blödsinn Stellung zu nehmen und nur ein Wort darüber zu verlieren.

Jetzt blieb ich eine Weile ruhig, dann fing es wieder an;  - ich hatte die Schnauze voll. Ich war bald 17. Ich kam mir immer noch zu schüchtern, zu unattraktiv sowieso und zu wenig erfahren vor. Mir fehlte das bahnbrechende Erlebnis und überhaupt ich träumte von einem Mädchen. Zahlreiche Leute in meinem Alter gingen schon fest mit einem Mädchen, so als ob es für sie nie einen anderen Zustand gegeben hätte. Also fuhr ich kurzerhand in die Fuggerstr. Dort gab es ein Eroscenter mit einem Kontakthof, ich wanderte durch den selbigen und im Schummerlicht standen dort einige jüngere Mädchen und ältere Semester. Sie lehnten an den Wänden, rauchten und balancierten auf einem Stöckelschuh, den anderen mit angehobenem Bein gegen die Wand hinter ihnen gepresst. Ich drehte einige Zeit meine Runde und entschied mich dann für eine. „Wie viel?“ fragte ich. „Kommt drauf an, was du willst, Süßer“. Ich sagte ihr was ich mir so vorstellte und aus ihren knallroten Lippen säuselte es „o.k., Süßer macht dann 40 Dinger!“ Ich hatte 100 DM, das war damals unerhört viel Geld. Ich war bereit den Hunderter zu verbraten, aber dafür wollte ich was ganz besonderes. Ich schaute mir die Schwalbe noch genauer an. Sie war blond, hatte Zöpfchen, einen kurzen Rock und eine gute Figur. Sie war sehr alt, so um  die 25-27 Jahre. „Ich überleg’s mir“ sagte ich und ging davon. Wanderte die Fuggerstr. hoch und runter und war nach 1 Stunde wieder da. „O.K., wir machen's, aber ich sag Dir was, ich bin 16, habe keine Ahnung und ich möchte hinterher so erfahren sein, wie ein Seemann der schon jeden Hafen unsicher gemacht hat. Ich habe 100 DM und dafür möchte ich was gelehrt bekommen, insofern bin ich ein ungewöhnlicher Kunde. Und bitte versuch mich nicht übers Ohr zu hauen, könnte ja sein das ich mich an dich gewöhne und wiederkomme!“ Sie lachte: „Gut für 100 Eier haste mehr als 'ne Stunde, komm mit wir gehen zu mir privat, dass ist besser als hier uffs Zimmer." Wir gingen raus aus dem Dunkel und ich stellte fest, dass sie auch bei Tageslicht nett aussah, dann gingen wir zur Brandenburgischen Straße in einen Altbau, fuhren mit einem altersschwachen Fahrstuhl in die 3 Etage und waren in ihrer Wohnung. Alle Wände grüne Tapeten, weiße nachgemachte Barockmöbel als Einbauwand um ein riesiges Bett herumgebaut. Schwere Portieren, ein Altbau mit Stuck an der Decke. Plüsch und Plumm. Das gefiel mir, meine Phantasie galoppierte davon, ich kam mir vor wie in einer Theateraufführung, einem Salon der Jahrhundertwende, La Traviata auf 30 Quadratmeter gequetscht, egal. Sie legte irgendeine ruhige Musik auf, und zog sich aus, ich mich auch. Sie nahm mich mit ins Bad wusch mich an allem was vom Körper abstand. Schon das tat gut. Dann  gingen wir in den Salon zurück und sie ließ sich rückwärts aufs Bett fallen. Wie das Mädchen in dem Bild Rolla von Henry Gervex.

 

Rolla von Henry Gervex.

 

Nun muss ich, auch 36 oder 37 Jahre später zunächst festhalten, das Mädchen oder besser die junge Frau, war außergewöhnlich nett. Wahrscheinlich fand sie mich lustig oder unerfahren oder beides. Ich plauderte ja auch ununterbrochen und irgendwie gefiel ihr das. Heute, in der Rückschau, kann ich sagen, sie hat sich sehr, sehr viel Mühe gegeben. Ungewöhnlich, weil in dem Gewerbe Zeit auch, bzw. vor allem Geld ist. Ich hatte wahrscheinlich einfach Glück gehabt. Na, jedenfalls zeigte sie mir alles ganz genau (ich meine jetzt nicht das Zimmer), sagte mir worauf Frauen Wert legen, wo es wie und was zu machen gibt, wo Geduld und wo Geschwindigkeit gefragt ist, wo sensible Stellen sind und über was man so reden kann. Sie selbst war hochgradig professionell (wie ich damals ahnte und später zu schätzen wusste) und es dauerte nicht lange und ich schwebte auf einer rosa Wolke bisher unbekannter Glückseligkeit. Es war einfach toll, man brauchte noch keine Angst vor einer HIV-Infektion zu haben, allenfalls einen Tripper konnte man sich holen. Sie dirigierte mich hier und dorthin und heute weiß ich, dass sie darauf Wert gelegt hat ebenfalls nicht zu kurz zu kommen. Die Zeit verging wie im Fluge. Nach 2 (!) Stunden verabschiedete sie mich mit intensiven und leidenschaftlichen Küssen. Die Leidenschaft war natürlich gespielt, aber das Spiel war einer erstklassigen Schauspielerin durchaus würdig. „Komm morgen wieder" sagte sie, "ich bringe dir alles bei, alles was du brauchst.“ Und sie meinte alles was mich meinen Altersgenossen überlegen machte und mir viele Chancen beim weiblichen Geschlecht für die Zukunft eröffnen würde. Dann stand ich auf der Straße.

 

Fuggerstr. 29, damals Eingang zum Kontakthof des Eroscenter - heute Eingang zu einer Seniorenklinik

 

Wieder wurde mein Sparbuch geplündert. Aber ich sah es nicht als Verschwendung, sondern als Investition in die Zukunft. Und ich besuchte sie noch 2 Mal. Ihre Motivation ließ nicht nach und ich hatte durchaus das Gefühl für mein Investment einen gerechten Gegenwert bekommen zu haben. Als ich nach dem 3. Mal nach hause kam fühlte ich mich wie nach einer Krankheit genesen und wenn jetzt jemand mit seinen Eroberungserlebnissen prahlte konnte ich nur müde lächeln. Mädchen die mich abblitzen ließen waren dumme Gänse, die meinen Wert und das was ihnen entgangen war nicht erkannt hatten. Pech für sie. Ich war verändert. Mein Selbstbewusstsein war gestärkt, meine Überlegenheit tropfte mir aus den Ohren. Nee, keene Komplexe mehr, wer konnte mit meinen Erlebnissen mithalten? Nun galt es nur noch irgendeine Schönheit anzubaggern und das so teuer erlernte anzuwenden. Ich mach’s kurz: Es gelang mir. Die Kombination von Plaudern, zuhören können, Unkonventionalität in der Themenwahl, Ernsthaftigkeit, Selbstsicherheit und die von meiner „Lehrerin“ immer wieder angemahnte Geduld, Sanftheit und Zärtlichkeit ließen mich nun häufiger zum Ziel kommen. Ich hatte gelernt meine Äußerlichkeit selbst zu verdrängen, nicht mehr wahrzunehmen, mir ihrer nicht bewusst zu sein, das war vergessen. Ich baggerte grundsätzlich nur die Hübschesten an, holte mir 10 mal eine Abfuhr, aber beim 11 mal klappte es. Das machte mich stark. Klar es gab auch später immer wieder Momente der Demütigung. O.K., ich hatte, von der nicht so hundertprozentig verlaufenen Kissenschlacht mit Christiane und dem Gefummel an Dagmar und einigen anderen Mädchen mal abgesehen, bisher nicht so erfolgreich agiert. Ich war jung, schlank, gut gebaut. Ich war nicht dumm, hatte nicht die besten Zensuren war aber sehr kommunikativ, von besserer Allgemeinbildung als die Klassenkameraden und ich hatte die Hormone, die andere auch haben, vielleicht ein paar mehr, wer weiß. Nun hatte ich meine ersten wirklich tollen Erlebnisse bei einer Prostituierten[viii] gehabt. Nicht so toll, zugegeben, aber besser als gar keine. Sollte ich das bedauern, ein schlechtes Gewissen haben, in Sack und Asche gehen. Warum? Traurig würde es sicher sein, wenn ich es bis zum Lebensende nicht schaffen würde „normale“ Beziehungen zu beginnen, zu gestalten und durchzuhalten.

 

              

 

Und so gelang es mir doch in der nächsten Zeit des Öfteren meinen besten Freund, der mich nie verließ, sondern immer geduldig auf seine große Stunde in meiner Hose wartete, mit einigen Mädchen bekannt zu machen. Ich gebe zu die Beziehungen dauerten nie sehr lange, mal ein paar Tage, eine Woche, selten mehr als zwei Wochen. Aber das lag auch an meinen Eltern. Immer hatte man jemanden förmlich vorzustellen. Immer war da die Frage, was machen die Eltern des Mädchens, sind das ordentliche Leute, wo hast Du sie kennen gelernt. Klar, Eltern wollen so was wissen. Aber ich hatte mein Leben lang den Eindruck bei uns war es besonders kompliziert. Einmal verliebte ich mich in eine Lesbierin, was ich nicht wusste. Sie war gerade aus Westdeutschland nach Berlin gezogen. Ich brachte sie mit nach hause, zufällig war sogar meine Großmutter da. Kaffeetrinken, viele Fragen. Wir gingen in die „Komödie am Kurfürstendamm“. Nahmen eine Loge, fummelten da auch ein wenig im Dunkeln. Alles Prima, sie hatte ein Zimmer in Neukölln. 14 schöne Tage, mir tat schon der Freund in der Hose leid, weil der wirklich eine anstrengende, arbeitsintensive Zeit hatte. Dann: Von einer Minute zur nächsten nichts mehr. Gar nichts. Was hatte ich falsch gemacht? Was nur, was? Die Erklärung war ganz einfach  und es dauerte eine Weile bis ich begriff. Ihre Freundin, ein hässlicher „strammer Vater“[15], war auch nach Berlin gekommen. Hatte höllisch Trara gemacht und ---- ich hatte das Nachsehen.

 

Inzwischen hatte ich mein Hobby Fotografie intensiviert und da ich noch immer und immer mehr für visuelle Reize empfänglich war, habe ich dann angefangen Mädchen nackt zu photographieren. Das war manchmal ganz ernsthaft und manchmal ließ sich anschließend noch mehr daraus machen. Ich kaufte mir auch einige Male den Playboy oder weil die Fotos schärfer waren Penthouse-Magazine. Als die mein Vater dann in meinem Zimmer sah, meinte er ich sei verkorkst, hätte einen abartigen Geschmack und keinen Stil. Das hat mich tief getroffen. Nee, verkorkst bin ich nicht und abartig schon gar nicht. Aber ich gebe zu, dass mir bildliche Darstellungen, der Erotik, des Sex und auch der harten Pornographie immer gefallen haben und ich sie oft, - nicht immer, - als anregend empfand. Ich hatte nie, zu keiner Zeit, Gewissensbisse, habe sie mir auch nicht einreden lassen, habe mich immer („schamlos“) offen dazu bekannt und verstehe die ganze Aufregung auch heute noch nicht. Ich wehre mich dagegen, dass im sexuellen Bereich, genauer im Bereich der Lust, mit anspruchsvollen Termini wie Ästhetik, Stil, Moral, Anspruch Verhaltensmuster festgelegt und gesteuert werden sollen. Und bei Nichteinhaltung derselben man dann Schuldgefühle empfinden soll oder einem eingeredet werden. Wer legt denn da die Normen für Ästhetik und Stil fest??? Nee, nicht mit mir. Also bin ich in Zeiten ohne (Bett) Gefährtin auch mal ins Pornokino gegangen und habe mir zum Beispiel „Body Love“ von Lasse Braun[ix] angeschaut. Toll besonders die Synthesizer-Musik[16] von Klaus Schulze[x], die habe ich heute noch und höre sie gelegentlich. Ohnehin entstanden an allen Ecken winzige Sexkinos die 8mm Filme laufen ließen. Beate Uhse war eine der ersten die diese Filme in richtigen Kinos vor vielen hundert Zuschauern zeigte.

 

         

Plattencover Body Love und Lasse Braun mit Brigitte Maier, 1975, © LB

 

So gingen die nächsten Jahre dahin, ich lernte Mädchen kennen, brachte sie manchmal nach hause, meistens nicht, traf mich mit ihnen, unternahm was mit ihnen, Kino, Theater, Restaurants, stritt mich mit ihnen – und war wieder allein. Das ich noch zu hause wohnte war natürlich einer eventuell angestrebten Beziehung nicht unbedingt förderlich. Dann kam der Tag wo wir nach Dänemark fuhren und ich A. kennen lernte. A's Eltern hatten einen großen Bauernhof und 4 Kinder. A, war die Älteste. Als ich sie kennenlernte war sie 15, ich war 23. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich zog nach Dänemark und "wartete" auf dem Hof ihrer Eltern den Tag ab, wo sie ihre Ausbildung beenden würde. Dann zogen wir nach Oldenburg um von beiden Elternhäusern gleichen Abstand zu haben. In der Zeit als wir in Oldenburg lebten heirateten wir ein Dänemark auf dem Hof ihrer Eltern. Es war eine große "Bauernhochzeit" mit 150 Gästen. Nachdem Sie in Oldenburg eine Ausbildung in einem medizinischen Hilfsberuf beendet hatte, zogen wir wieder nach Berlin. Wir heirateten, bekamen 2 Kinder.  Es waren insgesamt 11 anstrenge Jahre mit ihr. Es gab Höhen und Tiefen, aber in unseren Grundauffassungen, und das hatte auch mit Poltik und Pädagogik zu tun, waren wir, wie sich herausstellte, sehr verschieden. Gerade in diesen Bereichen war sie meinem 10 Jahre jüngeren Bruder näher. Wir ließen uns scheiden.  Nach unserer Scheidung blieb sie mir noch viele Jahre als Schwägerin "erhalten", denn sie heiratete meinen Bruder. Meine Kinder bekamen noch einen kleinen Bruder, der auch gleichzeitig ihr Cousin war.

 

         

 

"A."

Ich lernte zum ersten Mal, dass es Menschen gibt, die mehr nehmen als geben, die das partnerschaftliche Gleichgewicht nicht kennen, nicht kennen wollen und für die Zusammensein vor allem eine Machtfrage ist. Geschichte. A. hat es auch mit meinem Bruder nur einige Jahre ausgehalten - auch hier war es letztlich eine Machtfrage, oder eine Frage der Dominanz. In ihren Anlagen kam sie nach ihrer Mutter und heute ist sie mit einem Mann verheiratet der, offensichtlich, mit ihr als Leitfigur besser zurecht kommt. Nach A. kam für wenige Tage B. Es waren genau 55 Tage, wahrscheinlich hatte ich B aus Trotz geheiratet. Ich kannte sie nicht genau, hatte nicht gemerkt, daß sie heimlich trank und unzuverlässig war. Das sah auch der Richter so - und nach 55 Tagen waren wir wieder geschieden.

 

"B."

Nun folgten 10 Jahre genussvoller bis trauriger (schwankend) Promiskuität. Einerseits war das eine schöne Zeit ohne Kompromisse und nur sich selbst verantwortlich zu sein. Ich war oft sehr aktiv, Oper, Konzert, Restaurants, Ausflüge. Aber oft fiel mir auch die Decke auf den Kopf und ich vermisste eine Gefährtin. Ich hätte gerne noch über das soeben erlebte gesprochen. Manchmal ging ich in eine Bar, manchmal in ein Sex-Kino und manchmal in eine Peep Show[xi]. Klar bin ich da hin gegangen, da gab es oft wirklich wunderschöne Mädchen zu sehen.

 

         

"Lisa"

Mit einem Mädchen, einer Studentin namens Lisa[17] kam ich in näheren Kontakt, sie war so schön, dass man kaum Luft bekam. Sie war total schamlos und der Star der Show. Sie arbeitete nicht nur auf dem Drehteller, sondern auch in der Solokabine. Es gelang mir mit ihr in privaten Kontakt zu kommen. Wir hatten eine ziemlich lange, lockere Affäre von etwa 2 Jahren und ich war, ganz klar, zeitweise sehr verliebt in sie. Wir trafen uns immer bei ihr. Sie kam aus sehr guten Verhältnissen, ihr Vater war Direktor einer Bundesbehörde. Sie sammelte Teddy’s und Puppen, studierte Kommunikationswissenschaft (ja wirklich), arbeitete manchmal auch bei einer bekannten Berliner Stadtzeitung. Aber wenn sie in der Show auf dem Drehteller lag war sie die Inkarnation des Weibes schlechthin (besser guthin…), umwerfend schön und sehr sinnlich. Sie war sehr begehrt, verdiente durch Trinkgelder bis zu 14 000.-DM (!) im Monat nebenbei. Das war enorm viel Geld zu dieser Zeit, etwa wie ein Manager in Spitzenpositionen, mit Sicherheit mehr als ihr Vater verdiente. Und mehr, fast doppelt soviel wie mein Vater verdiente. Die Frage warum sie sich, da sie doch intelligent, schön, begehrt und aus gutem Hause war, sich dort prostituierte beantwortete sich angesichts der Höhe ihres „Nebenverdienstes“ sicherlich von selbst. Aus bürgerlicher Sicht war sie wahrscheinlich irgendwie defekt. Trotzdem blieb sie ein Rätsel. Sie hatte, außer mir, lange keinen  Freund und auch nach dem wir nicht mehr miteinander ins Bett gingen, gingen wir noch ins Theater oder telefonierten miteinander. (Ich hatte noch mal so ein Mädchen kennen gelernt, D., ihr Vater war Amtsarzt in Zehlendorf. Aufruf an alle Statistiker, Sozialforscher und Psychologen: Wieso diese Beiden, die waren doch nicht aus schlechten Verhältnissen…???)

 

Wieder gab es eine lange Phase des Alleinseins und nichts ging über Wochenendbeziehungen hinaus. Viele Mädchen habe ich meiner Mutter vorgestellt. Dann fiel die Mauer und es gab ein neues Jagdgebiet. An ein Mädchen aus Brandenburg kann ich mich noch erinnern. Sie ließ sich, um meiner Mutter zu gefallen, eine Frisur für 150.-DM anfertigen. Das entsprach einem Viertel ihres Monatsbudgets. Irre. Deswegen sah sie aber doch nicht besser aus, ich meine sie sah immer noch aus wie aus dem Osten. An viele Abenteuer kann ich mich gar nicht mehr erinnern, habe sie auch verdrängt, weil nicht der Erinnerung wert. An eines dieser Abenteuer erinnere ich mich besser. Sie hieß A.R. Sie stammte aus der Uckermark, war 19 Jahre alt, erlebnishungrig und ließ sich gern verwöhnen. Ihr Vater war (auch in der DDR) ein selbstständiger Handwerker geblieben und hatte einen erfolgreichen Fahrradladen in Klosterfelde. Nette, anständige, etwas biedere Leute. A.R. führte mich gleich zu hause ein. Nach ein paar Wochen meinte ihre Mutter: "Rudi, wir mögen Dich, aber als Schwiegersohn wärst Du uns zu alt...!" A.R. war vom den Möglichkeiten der freien Stadt fasziniert. Sie kannte weder, Scampi noch Schnecken, weder Chianti noch Schocolade au mousse. Sie hatte nie ein Erotikmagazin gesehen, noch war sie in einer der anspruchsvolleren Wäscheboutiquen gewesen. Sie war gertenschlank und wollte in 6 Monaten das nachholen wofür andere sich Jahre Zeit nehmen. Sie kannte keinerlei Scham. Ich erinnere mich wie ich einmal mit ihr in einem Schwimmbad im Ostteil der Stadt war. Sie lief den ganzen Nachmittag splitternackt im Bad umher, stellte sich mit mir nach Würstchen und Eis an. Klar hat mir das Spaß gemacht. Ich war 42 - wer hätte da "Nein" gesagt? Sie war in der Áusbildung zur Krankenschwester, also Schwesternschülerin. Nach 6 Monaten verknallte sie sich in einen jungen Mann von 22 Jahren der über seinen Motorardlenker gestürzt und sich das Bein gebrochen hatte. A.R. hatte absolute Torschlußpanik - nach 2 Monaten heiratete sie ihn.

 

 

"A.R."

 

Und dann kam S.. In S. Habe ich mich so verliebt, daß ich Herzschmerzen bekam. Ich konnte es nicht fassen: Sollte ich das Glück haben, nach so vielen Anläufen doch jemanden gefunden zu haben, der mich langfristig fasziniert. Wo ein Gleichklang der Sellen herrscht? S. war und ist wundervoll.  Wir sind jetzt 12 Jahre verheiratet. Haben 2 Kinder. Mein Leben gefällt mir – auch und besonders in erotischer Hinsicht. S. ist mein Traum, lieb, kameradschaftlich, umfassend gebildet, lernwillig und oft, nicht immer, unkonventionell, eine gesunde "ich meine geistig gesunde" Mutter unserer Kinder, anregend und nie langweilig. Und sie ist gut gebaut, schlank, frisch, schön, ausgestattet mit Details die mir gefallen. Das ist nicht unwichtig und sollte in einem erotischen Bekenntnis auch nicht unterschlagen werden. Natürlich haben wir auch oft verschiedene Auffassungen und es gibt Momente wo ich sie nicht verstehe - sie mich auch nicht. Um es noch besser zu haben müsste ich mir eine Frau backen. Klar da gäbe es noch Steigerungen. Aber wäre eine solche an- und abschaltbare Frau wirklich etwas, was mich auf Dauer glücklich machen würde. Also bin ich jeden Tag dankbar. Manchmal frage ich mich, wie es gewesen wäre, wenn ich sie gleich kennen gelernt hätte. Aber hätte ich sie zu schätzen  gewusst? Wenn ich ehrlich bin möchte ich auch viele meiner Erinnerungen nicht missen. Allerdings habe ich auch keine Sehnsucht nach trouble und kann auf neue Abenteuer durchaus verzichten. Schön ist, wenn man, um eine Beziehung nicht langweilig werden zu lassen, Abenteuer in ihr verwirklicht, also mit der Partnerin gemeinsam. Dazu gehört nur etwas Phantasie. Statt im Bett auf einem Hochsitz, statt in der Nacht am Tag, statt auf dem Küchentisch lieber an der Lampe hängend, statt diese Technik jene Stellung.

 

          

"S."

Landläufige Moraleinstellungen haben mich nie interessiert. Mit der (sexuellen) "Moral" ist es wie mit der Religion. Jeder soll glauben was er will. Zudem wird Moral völlig unterschiedlich definiert. Je nach Land, Bevölkerungsgruppe, Religionszugehörigkeit. Was hier „moralisch“ ist kann dort genau das Gegenteil sein. Völlig albern also sich danach zu richten. Moralische Meinungen Anderer haben mich denn auch nie interessiert. Ob die Leute mich für moralisch oder unmoralisch halten ist völlig bedeutungslos. Meine Vorstellungen weichen oft von denen meiner Mitmenschen ab. Wie ich schon im Kapitel Politik schrieb habe ich eine liberale, eher libertäre, Grundhaltung und möchte unbehelligt nach meinen Vorstellungen leben können. Moralapostel waren mir von jeher unangenehm, um nicht zu sagen verhasst. Und ich werde wirklich aggressiv wenn mir jemand seine Moralvorstellungen überstülpen will. Moralvorstellungen ändern sich auch innerhalb weniger Jahre. Als Rock’nRoll aufkam war es „unmoralisch“, heute ist es eine künstlerische Tanzform die zum Standard gehört. Als Jane Birkin[xii]  ihr „Je t’aime“ hauchte kam ein Idiot von Staatsanwalt[20] auf die Idee die Platten zu konfiszieren. Heute ist es im Standardrepertoire jeder Tanzkapelle. Der Minirock war unmoralisch, FKK ist unmoralisch je nach Land oder Region.. Neuerdings gibt es ein paar feministische Schreckschrauben die Viagra[xiii] als unmoralisch abstempeln. Alles Quatsch. Nur dem Leben und dem Älterwerden erlaube ich einen Lernprozess an mir „durchzuführen“. Und so was passiert durchaus. Da gibt es in eigener Erkenntnis gewandelte Vorstellungen, veränderten Lebenssituationen und altersgemäß angepasst, die man vor Jahren noch anders vertreten hatte. Ein Beispiel: Es gab eine Zeit da sah ich Körperkontakt wie Händeschütteln an. Nur ein sexueller Kontakt, ohne das Eingeständnis oder Versprechen der Liebe sei bedeutungslos, entschuldbar, weil spaßig und unverbindlich. Sofern beide (Sex-)Partner dem zustimmen, eben wie Händeschütteln. Man macht’s, verspricht sich nichts – vorbei. Jeder hatte was davon. Jetzt, Jahre später, sehe ich das etwas anders. Nicht, dass ich andern meine Vorstellungen aufdrängen würde. Aber für mich selbst habe ich entschieden: Es ist so schwer eine Frau (Mann) mit „ähnlicher Chemie“ zu finden, so schwer jemanden zu finden mit dem man auch nach  Jahren harmoniert, dass man dieses Glück als Geschenk betrachten sollte, ääh, ich als Geschenk betrachte. Zerstörtes Vertrauen kann nicht in gleichem Maße zurückgewonnen werden. Auch HIV ist ein Faktor. Also alles zusammen: Fremdgehen ist nicht! Nicht mehr. So ein Einstellungswandel hängt sicherlich mit dem Wert der Beziehung zusammen in der man sich befindet. Würde meine Beziehung zu S. nicht die sein, die sie ist, würde ich meine Auffassung wahrscheinlich nicht geändert haben. Insofern sind meine Gedanken auch nicht automatisch übertragbar. Es kommt auf die jeweilige Situation an. Ich drücke mir selbst die Daumen, daß die nächsten 12 Jahre mit S. und vielleicht noch etliche mehr, genau so schön werden wie es die ersten 12 Jahre waren.

 

Rudi Raaabe

[1] Ruth Koser-Michaels, bekannte Märchenbuchillustratorin

[3] Falls jetzt jemand wissen möchte wie ich als Vater in gleicher Situation reagiert hätte, bitte schön: Ich hätte gelacht, gesagt zeig mal her, mmh, die da sieht ja ganz nett aus, im übrigen mein Sohn, wenn Du Dir dabei einen runterholst mach bitte keine Flecken auf den Teppich, versteck es gut, muß ja nicht jeder sehn, und denke daran das Frauen und Männer noch mehr haben als nur ihren Unterleib. Manche haben sogar was in der Birne. Wenn Deine Hände wieder zum Stillstand gekommen sind, klapp mal gelegentlich wieder ein gutes Buch auf oder rede mit Deiner entzückenden Schwester. Aber ich lebe auch in ein er anderen Zeit, Vater hatte ganz andere Probleme, Krieg, Luftwaffenhelfer, etc….. 

[4] Pollution <lat.; Besudelung> die; -, -en: unwillkürlicher Samenerguß im Schlaf (z. B. in der Pubertät; Med.)

[5] masturbieren <lat.>: 1. sich selbst geschlechtlich befriedigen; onanieren. 2. bei jmdm. die Masturbation (2) ausüben

[7] Masochismus <nlat.; nach dem österr. Schriftsteller Sacher-Masoch, 1836-1895> der; -, ...men: 1. (ohne Plural) das Empfinden von sexueller Erregung durch Erleiden von körperlichen od. seelischen Mißhandlungen

[9] Das hat sich geändert; auch in Dänemark hängen nun die Magazine nicht mehr direkt auf der Straße sondern liegen etwas diskreter im Laden

[10] Adresse: Kurfürstendamm 17, Berlin  Zimmer: 70

[11] gibt es nicht mehr. War gleich neben dem Café Kranzler

[12] wir waren beide minderjährig, da man damals erst mit 21 Jahren volljährig wurde. 1975 Deutschland: Herabsetzung der Volljährigkeit von 21 auf 18 Jahre

[13] später gab es täglich mehrere Direktverbindungen mit Düsenflugzeugen von Berlin-Tegel. Wir flogen noch mit einer 4motorigen Superconstallation von Tempelhof ab. Keine Gangway, Gang über das Flugfeld.

[14] Paris Orly Airport, F-94396 Orly Aerogare Lage: 14 km südlich vom Pariser Stadtzentrum

[15] „strammer Vater“; Jargon für männlichen Part in einer lesbischen Beziehung

[16] Klaus Schulze: Body Love (Original Filmmusik aus dem Film von Lasse Braun)1977, elektronische Musik

[20] Staatsanwalt Finger, Berlin


[i] Porn - History: 1899 "Der Sexfilm lernt das Laufen" Das erste Sexkino entsteht in Berlin. Es trägt den Namen "Abnormitäten und Biograph-Theater". Der Gründer ist der Schauspieler Otto Pritzkow. Den Vorläufer des Sexkinos in Deutschland gab es - wie so oft - in Amerika. Die Besucher der Lichtspielhäuser waren vorwiegend Bürger und Arbeiter. Das Theater konnten sich die meisten nicht leisten - in Deutschland war es sogar per Gesetz verboten, als Arbeiter ins Theater zu gehen - also wurde das "Kinema" immer beliebter. Das Schauspiel war meist nur wenige Minuten lang, der Blick auf nackte Brüste und Rubensfiguren kostete etwa 20 Pfennig. 1900 "Sex auf dem Jahrmarkt für 30 Pfennig!" Auf vielen Jahrmärkten gibt es jetzt so genannte Kinematografen. Sie touren mit ihren fahrbaren Kinos über Jahrmärkte. In ihren "fahrenden Urkinos" zeigten sie auf nackte Frauen. Und weil die Preußen nicht so schnell schießen, gibt es in den ersten Filmen keine Sexszenen. Es waren damals einfach nur nackte Frauen zu sehen. Nackte Männer oder gar Sex vor laufender Kamera gab es erst einige Jahre später. Übrigens: Die Besucher der frühen Sexkinos wurden Nickelodeons genannt. 1920 "Sexverbot für die Amerikaner!" Mit dem sogenannten "Hays Code" gab es im Sexverständnis der Amerikaner in den Zwanzigern eine Trendwende. Der Politiker Hays verbot so ziemlich alles, was irgendwie mit der Darstellung von Sex zu tun hatte. In seinem Erlaß wurde sogar vorgeschrieben, wie man sich in Filmen zu küssen hatte. Die Ära des ultrakonservativen US-Senators McCarthy tat ein Übriges dazu, den Puritanismus nicht nur der Amis zu stärken. Pech für die Fans nackter Tatsachen: Der Sexfilm wanderte in die Illegalität. 1950 " Pornos gibt es nur unter dem Ladentisch!" Sex wird in amerikanischen Filmen immer unbeliebter. Mit nackter Haut läßt sich - wer hätte das gedacht - nicht wirklich viel Geld machen. Richtige Pornofilme gibt es nur unter dem Ladentisch. 1959 " Russ Meyer macht Oswald Kolle scharf!" Die sexlose Zeit hat ein Ende. Russ Meyer bewegt sich mit seinem ersten Film am Rande der Legalität - aber der Film "The Immortal Mr. Teas" erscheint. In seinen zahlreichen Filmen gibt es bei Meyer immer wieder "Großes" zu sehen. Fans großer Oberweiten kommen ganz auf ihre Kosten. Wer halboffiziell drehte und die Regeln wenigstens teilweise umgehen wollte, machte Pseudo-Dokumentationen. In denen wurden unter dem Deckmantel der Aufklärung Bilder nackter Frauen und Männer und deren Geschlechtsteile ohne strafrechtliche Konsequenzen gezeigt - es geschah ja alles im Namen der Wissenschaft. In Deutschland kam die Aufklärungswelle mit Oswald Kolle und Filmen wie "Dein Mann - Das unbekannte Wesen" zeitversetzt etwas später an. Europäische Filme übten in den Fünfzigerjahren einen großen Einfluß auf amerikanische Filmemacher aus. Streifen wie "Und immer lockt das Weib" mit Brigitte Bardot demonstrierten eine wesentlich liberalere Einstellung dem Sinnlichem gegenüber als alles was Hollywood zu bieten hatte. Außerdem spürten Kinos erstmals die Konkurrenz des Fernsehen. Also mußte eine Marktnische gefunden werden - unter anderem die Erotik. In einem Präzedenzfall entschied ein New Yorker Gericht, die filmische Darstellung von Nacktheit an sich sei nicht strafbar - Die Sex Revolution kann beginnen. 1960: Skandal: Europa erlaubt Pornos! Ja ja, die berühmte Freizügigkeit der Skandinavier: 1968 gab Dänemark als erster Staat der Welt die Pornografie frei. Das löste eine frühe Welle von Sex-Tourismus aus: Alle wollten dänische Pornokinos besuchen. Amerikanische Geschäftsleute, findig wie eh und je, schlugen auch daraus Profit: Sie drehten - mal wieder - Dokumentationen über das Phänomen Sexkino, und zeigten - straffrei - in den USA Ausschnitte aus dem dänischen X-Rated-Material. 1965: Sex jetzt auch bei den Amis? Nacktheit durfte gezeigt werden - die Nudie Cuties hatten sich durchgesetzt. Geschlechtsverkehr im Film kam aber nicht in Frage. Diese Beschränkungen brachten Mitte Sechzigerjahre die sogenannten "Roughies" und "Goulies" hervor, Filme, die von den niedersten männlichen Instinkten handelten. Solche Streifen haben alle gemeinsam, daß Frauen mißhandelt werden - die Widerspiegelung der traurigen Wahrheit, daß ein Mann sehr wohl eine Frau zusammenschlagen, nicht aber mit ihr Liebe machen durfte. 1968: Stellungswechsel: Das Motto der Hippies: "Make love, not war!" wurde ernst genommen. Freizügig wie nie machen sich unsere Eltern übereinander her. 68 eben nicht nur eine findige Stellung bei Sex - auch das entscheidende Jahr in Sachen sexueller Liberalisierung. Die freie Liebe wurde propagiert. Erste Pornos wurden als filmische Umsetzung der Ideale der freien Liebe angesehen. Die Motive der Macher waren aber die gleichen seit eh und je - mit Sex läßt sich viel Geld verdienen. 1970: Die Geburtsstunde der Hardcore Streifen: Erst beim Anbruch der Hardcore-Ära Anfang der Siebzigerjahre bekam das Publikum richtigen Sex im Kino zu sehen. Dem vorausgegangen waren die diversen Protestbewegungen der 68er Generation. Frühe Pornos legten den Grundstein für die millionenschwere Industriemaschine, die heute noch im Schatten von Hollywood prächtig gedeiht 1970-80: Lauterbach und Derrick mit Ruth Maria Kubitschek beim Sex? In den Blanke-Busen-Filmen der 70er hat so ziemlich jeder mitgespielt, der in der deutschen Filmbranche Rang und Namen hat - Horst Tappert, Heiner Lauterbach, Ruth Maria Kubitschek oder auch "MCM"-Taschenkönig Michael Cromer. Diese Jugendsünden sind den meisten heute mehr als peinlich. Ähnlich stiefmütterlich wurde der deutsche Pornofilm samt seinen Darstellern auch in den Folgejahren behandelt. Grosse Namen gibt es daher kaum. Gerade mal Sibylle Rauch, Dolly Buster und Teresa Orlowski ("Die Deutschen scheinen wirkliche Komplexe zu haben", sagte sie in einem Interview) fallen einem ein. 1981: "Schatz: laß uns 'nen schönen Porno auf der Couch gucken" In den Achtzigern geht dann endlich auch zuhause die Luzy ab. Die Pornos kommen als VHS-Filme in den Haushalt. Spätestens jetzt hat wohl jede Hausfrau schon einen Film im Schrank ihres Mannes gefunden und dann überlegt, ob sie sich darum trennen soll. Weil die Leute die unnötige Rahmenhandlung sowieso per schnellem Vorlauf übersprangen, mußten Regisseure und Darsteller darauf auch keine Sorgfalt verwenden. Mitte der 80er erlebte der Edel-Porno mit schönen Menschen in schicker Umgebung eine neue Hochphase, mit neuen Darstellerinnen wie Ginger Lynn oder Traci Lords. Beide versuchten auch, im Mainstream Showbiz Fuß zu fassen: Traci brachte es über Rollen in Filmen von Kult -Regisseur John Waters "Cry Baby","Serial Mom" sogar bis in die populäre Twen-Serie "Melrose Place". 1990: Cybersex und Lackoutfits:Anfangs der neunziger Jahre genügte es nicht mehr nur einen schönen Körper zu haben, dieser mußte auch noch in eng anliegendes Latex und teure Designer Kleider gezwängt werden. Aber nicht nur die Anreicherung der Pornographie mit süßen Versace Modellen ließ die Herzen der Erotomanen höher schlagen. Auch Effektorgien, aus teuren Computern generiert, sorgten für Preise an den Pornofilm Festivals in Cannes (Hot d'Or) und Las Vegas (AVN Awards). Hochgelobt wird Michael Ninn. Er produziert den ersten Cyber Porno. Außer den Darstellern ist hier alles andere von Computer erzeugt. Durchsetzen kann sich dieser Trend aber nicht: 1997: Berlin wird Sexhauptstadt! Berlin wird zur Veranstaltungsstätte der größten Sexmesse der Welt. Alles was Rang und Namen hat kommt zur Venus. Die Neuheit: Die sonst so verruchte Sexszene präsentiert sich zum ersten Mal gemeinsam auf einer Messe. Die Besucher können sich über Produkte der Firmen informieren. Dildos, Videos und Pornosternchen sind zu bewundern. Der Andrang ist riesig. 2000: Porno Nachwuchs in Sicht! Langsam, ganz langsam erscheinen junge deutsche Nachwuchs-Hoffnungen am Porno-Himmel. Zu denen gehört auf jeden Fall Kelly Trump. Die ausgebildete Zahnarzt-Helferin wurde 1997 mit dem Porno-Oscar ausgezeichnet. Einer der wenigen männlichen Darsteller ist der blonde, kühle Wolff aus dem Norden. Er ist jedoch in erster Linie in den USA "aktiv". 2001: Sex vorm PC: Immer mehr Menschen sind Singles, immer mehr suchen den schnellen Sex jetzt im Internet. Der Trend: keine Beziehungen mehr, viel lieber der schnelle Flirt - ganz unbekannt - im Internet. Über 85% der Nutzer von Sexportalen sind Männer. Das Angebot interessiert Frauen kaum noch. Trotzdem: Online-Sex wird immer beliebter, steht in der Beliebtheitsskala der Männer nur noch knapp hinter dem Besuch im Bordell.


 

[ii] Keeler, Christine. Im Juni 1963, als der Präsident seine Europa-Reise unternahm, wurde die Regierung Harold MacMillans in Großbritannien von einem Sexskandal erschüttert. Verteidigungsminister John Profumo, Brigadegeneral im Zweiten Weltkrieg und Ehemann der bildschönen Schauspielerin Valerie Hobson, hatte ein Verhältnis mit dem Callgirl Christine Keeler, das leider nicht nur mit Profumo schlief, sondern auch mit dem Marineattaché der Sowjetbotschaft, Jewgenij Iwanow. Der britische Geheimdienst MI 5 ging nun davon aus, daß Profumo seine Nächte damit zugebracht hatte, die Fragen der von Iwanow eingeschleusten drei Mädchen zur britischen Nuklearpolitik zu beantworten. Christine brachte nämlich noch Gespielinnen mit, die Chinesin Suzy Chang und die Tschechin Maria Nowotny.

[iii] Profumo-Affäre, britischer Politikskandal (1963), ein Beispiel für die weit reichenden politischen Folgen einer ursprünglich privaten Affäre. 1963 brachte die britische Presse Informationen über eine Sexaffäre des Politikers John Profumo, seit 1960 Verteidigungsminister im konservativen Kabinett Macmillan, an die Öffentlichkeit. Profumo, der zunächst alle Vorwürfe bestritt, erklärte sich in diesem Sinn auch vor dem britischen Unterhaus. Der Druck von Presse und Opposition veranlassten ihn jedoch im Juni 1963 zu dem Eingeständnis, vor dem Parlament gelogen zu haben, und zum Rücktritt. Der Skandal erschütterte die Autoriät der Regierung Macmillan und führte nicht nur zum Rücktritt Macmillans im Oktober 1963, sondern auch zur Wahlniederlage der Konservativen im folgenden Jahr. Profumo, dessen Ruf und Karriere ruiniert waren, widmete sich nach seinem Rücktritt karitativer Arbeit, ohne je Stellung zu der Affäre zu nehmen.  

[iv] Die erste Strumpfhose für Damen und Kinder in der Nachkriegszeit wurde bereits 1948/49 produziert. "Erfinderin" dieses überaus nützlichen Kleidungsstückes war Grete Knabe aus Unterrot. Hersteller war die Firma Gräfin, Ellwangen, die allerdings nach einem Jahr in Konkurs ging. Bemühungen von Frau Knabe, einen anderen Hersteller zu finden, scheiterten - erst 10 Jahre später "entdeckten" deutsche Strumpfhersteller den heutzutage aus Kinder- und Erwachsenenbekleidung nicht mehr wegzudenkenden Artikel. Mit der Erfindung des Rundstrickstuhles wurde aus der Luxusware eine für Jedermann erschwingliche Ware. Während Ende der 40er Jahre die Durchschnittsfrau zwei bis drei paar Strümpfe pro Jahr erwarb, waren es Ende der 50er bereits acht Paar pro Jahr waren.  Mit der Erfindung weiterer elastischer Fasern wie Lycra - patentiert durch DuPont - veränderte sich die Strumpfmode neuerlich. Durch die den Einsatz der Lycrafaser verschwanden die ungeliebten Falten endlich aus den Strümpfen und auch die Lebensdauer wurde mit dem Einsatz von Lycrafasern wesentlich verlängert. Auch nach mehrmaligem Waschen blieben die Strümpfe nun elastisch. Die eingewebten Lycrafäden garantierten, daß der Strumpf wie eine zweite Haut am Bein anliegt. Der Lycraanteil eines modernen Strumpfes sollte mindestens 12% betragen und die Blickdichte des Strumpfes wird in DEN (= Denier) angegeben, hat ein Strumpf über 30 DEN gilt jener als blickdicht. 1960 wurde der Strumpf bis zur Taille erfunden. Strümpfe wurden bis zur Taille gestrickt und auf der Vorderseite wurden diese Strümpfe dann zusammengenäht und hinten wurde ein Zwickel eingesetzt, dies war die Geburtsstunde der Strumpfhose (Bild oben rechts: Werbeplakat, 1960). Die ersten Strumpfhosen sahen noch dumpf und häßlich aus, weshalb die Männerwelt Strumpfhose abwerteten und sie als  Panzer und  Geschmacklos bezeichneten. Halterungen wie Strapse oder Strumpfgürtel zeichnen sich auch unter enger Kleidung ab. Bei Strümpfen mit Haftrand, haben viele Frauen das Gefühl, das die Strümpfe abrutschen oder sie haben eine Silikonallergie. Dieses sind die Gründen warum sich der Strumpf vom einst nützlichen Kleidungsstück immer mehr in ein erotisches Accessoire wandelt. Die beliebtesten Strumpffarben sind laut Statistik Schwarz, Weiß und Rot. 1963 wurde von Mary Quant der Minirock erfunden, durch diese Erfindung wurden schöne Beine immer gefragter. Vor dieser Erfindung wurden Strümpfe mit  Strumpfbändern oder Strapsen befestigt, aber bei einem Minirock waren dieses Befestigungsmöglichkeiten völlig ungeeignet. Die Funktionalität des Strumpfes mußte verändert werden und die Strumpfhose setzte sich durch. 1966 wurden zwar noch 600 Millionen Strümpfe und 17 Millionen Strumpfhosen verkauft, aber der Siegeszug um den Erdball war nicht mehr aufzuhalten. Farbige Strumpfhosen überschwemmten den Markt und aus dem einstigen Konsumartikel wurde ein Modethema in unzähligen Variationen. 1997 gelang der Firma Wolford durch eine spezielle Stricktechnik erstmals eine Strumpfhose ohne Naht zu produzieren. Die Firma Kunert brachte im selben Jahr eine Strumpfhose auf den Markt, deren Fasern eine spezielle Lotion absondert, um ein austrocknen der Haut verhindern zu können. Diese Lotion - Strumpfhose sollen bis zu  drei mal waschbar sein ohne ihre Wirkung zu verlieren. Strümpfe und Strumpfhosen sind heutzutage ein großes und weitläufiges Thema geworden. Es gibt eine Unzahl von Mustern, Ouvert, Farben, Stärken und Ausführungen. Von normalen Feinstrumpfhosen bis zu speziellen oder medizinischen Strumpfhosen. Mit dem Wiederaufkommen des kurzen Rockes Anfang der 90er, rückten sie wieder vermehrt in den modischen Mittelpunkt. Inzwischen gibt es keine Begrenzung mehr bei Farbe, Design, Muster, Maschen oder nach diversen Ansprüchen.

Eine Untersuchung des Institutes für indisziplinäre Sexualforschung in Hamburg ergab, daß 21% der Männer den Blick zuerst auf die Beine und erst dann in die Augen, den Busen oder den Po einer Frau richten. Strumpfhosen oder Strümpfe sind für Frauen und Männer ein gleichsam erotischer Alltagsbegleiter und werden dies hoffentlich noch lange bleiben. Die Ziele bei der Strumpf und Strumpfhosenherstellung sind sicherlich Erotik, Schönheit und Funktionalität in den Dienste der Frau zu stellen und diese Ziele sollen aus feinsten Fasern realisiert werden soll.

[v] Eiffelturm, gußeiserner Turm, der als Wahrzeichen von Paris zu den Marksteinen der Ausstellungsarchitektur gehört. Er wurde von dem französischen Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel für die Pariser Weltausstellung im Jahr 1889 aus über 6 000 Tonnen Eisen errichtet und war mit seinen 300 Metern Höhe lange das höchste Bauwerk der Welt. Der untere Bereich besteht aus vier riesigen, gewölbten Streben, die auf gemauerten Pfeilern stehen und sich nach oben zu einem einzigen Turmschaft verjüngen. Er besitzt drei Aussichtsplattformen in verschiedener Höhe und ist über Treppen oder einen Aufzug zugänglich. In der Nähe der Turmspitze sind eine meteorologische Station, eine Funkstation und eine Fernsehübertragungsantenne untergebracht.1998 stiegen mehr als sechs Millionen Menschen auf den Eiffelturm. Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt war damit das touristisch meistbesuchte Monument der Welt.

[vi] Arc de Triomphe, Triumphbogen in Paris, inmitten der Place Charles de Gaulle, an der Spitze der Prachtstraße Champs Élysées, wo zwölf Alleen zusammenlaufen (auch: L’ Etoile). Er ist eine bedeutende Sehenswürdigkeit in Paris und eines der bekanntesten Bauwerke der westlichen Welt. Napoleon I. veranlasste 1806 den Bau des 50 Meter hohen und 45 Meter breiten Bauwerkes. Es wurde von Jean-François-Thérèse Chalgrin entworfen, allerdings erst nach seinem Tod 1835 von Jean-Armand Raymond fertiggestellt. Der Konstantinsbogen in Rom diente dem Arc de Triomphe als Vorbild. Die Skulpturen und Friese stellen verschiedene militärische Siege und Verträge Napoleons und der französischen Armee des 19. Jahrhunderts dar. Heute ist der Arc de Triomphe Frankreichs Ehrenmal. Hier liegt auch das Grabmal des Unbekannten Soldaten. Der Triumphbogen war der Mittelpunkt einiger bedeutsamer geschichtlicher Ereignisse: die Rückkehr von Napoleons sterblicher Hülle von Sankt Helena 1840, und die Siegesparade von General de Gaulle durch Paris 1944.

 

[vii] Bois de Boulogne,  siehe Endnote 1,247

[viii] Prostitution (lateinisch prostituere: vorn hinstellen, sich öffentlich preisgeben), Anbieten des eigenen Körpers zur sexuellen Befriedigung anderer Personen gegen materielle Entlohnung. Prostituierte können beiderlei Geschlechts sein und heterosexuelle oder homosexuelle Dienste offerieren. Im Lauf der Geschichte waren jedoch überwiegend Frauen Prostituierte (mit männlicher Kundschaft). Darin spiegelte sich sowohl die traditionelle soziale und wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen wider als auch die Tendenz, die weibliche Sexualität auszubeuten. Den Gewinn aus diesem Gewerbe schöpfen häufig so genannte Zuhälter ab, die vorgeben, die Frauen zu beschützen. Auch Kinder werden als Prostituierte sexuell ausgebeutet. Kinderprostitution ist fast überall auf der Welt gesetzlich verboten und wird in den meisten Ländern geächtet. Die verschiedenen Formen der Prostitution hängen von den wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Werten einer Gesellschaft ab. Prostituierte haben in den meisten Gesellschaften einen niedrigen sozialen Status. PROSTITUTION IN VORINDUSTRIELLEN GESELLSCHAFTEN:  Im Altertum und der Antike gab es die Tempelprostitution, die mit dem Kult der Astarte, der Ischtar und der Aphrodite verbunden war. Die weiblichen Prostituierten, so genannte Kurtisanen, waren oft begabte Tänzerinnen, Sängerinnen, Komponistinnen und Dichterinnen. S