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Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: die gleichmäßige Verteilung des Elends.
Winston Churchill Beispiel 1
Beispiel 2
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Beispiel 1:
Dr.
med. Theodor Marian wurde 68 Jahre alt. Er war ärztlicher Leiter eines
Universitätskrankenhauses und Chef der unfallchirurgischen Abteilung. Kurz
vor seinem Tod wurde er für seine überragenden Leistungen mit dem großen
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse am Bande ausgezeichnet. Er verstand sich
als Arzt im Dienste der Patienten und nicht als Mediziner. Zahllose
Menschen verdanken ihm ihre Gesundheit und viele verdanken ihm und seiner
exzellenten Operationstechnik ihr Leben. Der Mann war ein Könner. Er war
der erste morgens und der einzige Arzt des Hauses der um 11 Uhr nachts
noch einmal nach seinen Patienten schaute. Hunderte von Dankschreiben
seiner Patienten stapeln sich in einer alten Weinkiste.
Marian war bescheiden geblieben und die jungen, arroganten Jungmediziner,
die selbstherrlich, mit wehenden Kitteln durch die Flure rauschten,
blieben ihm suspekt. Auch war ihm wichtiger den Patienten zu helfen, als
"Fälle" zu sammeln und wissenschaftlich zu veröffentlichen. Seine Kollegen
schätzten ihn sehr wegen seiner Integrität. Marian bejahte das
demokratische System, hat gute Bekannte in gegensätzlichen Parteien,
wählte CDU aber hatte auch Freunde unter den „Sozies“.
Begonnen hatte Marian, der als Luftwaffenhelfer mit 17 aus dem Krieg kam
und danach sein Abitur vollendete, als Medizinalassistent in einem
Kinderkrankenhaus. Er hatte den Beruf aus Leidenschaft gewählt und, auch
unter dem Eindruck der vielen Kriegsversehrten, beschlossen Menschen
künftig helfen zu wollen. Das er später vor allem Verkehrsopfer
wiederherstellen musste konnte er so kurz nach dem Krieg noch nicht ahnen.
Marian galt sofort als zuverlässig und tüchtig. Er schaute nie auf die
Uhr, machte Tausende von unbezahlten Überstunden. Über viele Jahre machte
er Bereitschaftsdienste die nicht vergütet wurden. Sein Einsatz war
unermüdlich und auch als Oberarzt und sogar noch als Chef ließ er sich
Anfangs für Bereitschaftsdienste und Nachtdienste einteilen. Er war der
erste Chef in seiner Stadt, der seine Honorare mit nachgeordneten
Mitarbeitern teilte. Oft war er so beschäftigt mit seinem Dienst am
Menschen, dass er vergaß Liquidationen zu schreiben oder er ließ kleinere
Rechnungen, wegen des zu großen Arbeitsaufwandes, "unter den Tisch
fallen".
Angefangen hatte er mit 750.-DM Assistenzarztgehalt. Später erst, als er
Chefarzt war und entsprechende Bezüge hatte, konnte er seinen bis dahin
bescheidenen Lebensstandard für sich, seine Frau und die 4 Töchter
verbessern. Er blieb sparsam und ging bescheiden und verantwortungsbewusst
mit seinem Einkommen um. Eine seiner Tochter war behindert und musste
total von ihm, ob seines jetzt höheren Einkommens, unterhalten werden. Die
Sozialbehörden bestanden darauf und verlangten regelmäßige
Einkommensnachweise. Seine Frau war herzkrank und in Folge dessen trug sie
ebenfalls nichts zum Einkommen bei. Die anderen 3 Töchter mussten noch
durch eine angemessene Ausbildung gebracht werden. Marian war Zeit seines
Lebens Alleinverdiener. Sein Einkommen blieb – auch später, gemessen an
seiner Verantwortung, seinen Erfolgen, und ins Verhältnis gesetzt zu den
Bezügen von Politikern und Managern, eher bescheiden. Sicher, er hatte
nach 20 Jahren sein Einfamilienhaus abzahlen können und eine Ferienwohnung
in Bayern als „Steuersparmodell“ erworben. Klar auch, dass sein Einkommen
nun höher war als das eines Handwerkers, der allerdings schon mit 16
angefangen hatte Geld zu verdienen, 12 Jahre früher als er. Und natürlich
hatte er, durch sparsames Wirtschaften, auch einige Reserven. Aber ein
reicher Mann, der sorglos aufs Alter schauen konnte, war er nicht
geworden.
Das von den Boulevardmedien breitgetretene Bild des „Herrgotts in Weiß“
traf auf ihn jedenfalls nicht zu.
Marian hatte zwar einen Arbeitstag von durchschnittlich 16 Stunden, aber
es entging ihm dennoch nicht, dass die Abgaben- und Steuerschraube immer
fester angezogen wurde. Nicht, dass es ihn am Krankenbett demotiviert
hätte, aber es begann ihn gewaltig zu ärgern, dass sein bereits
versteuertes Einkommen erneut und erneut besteuert und um die
Ersparnisfrüchte gemindert werden sollte. So ging er dazu über sich von
besonders wohl gesonnenen Patienten das Honorar gelegentlich in bar und
ohne Quittung auszahlen zu lassen. Auch hob er die Zinsen seiner
Ersparnisse ab und erklärte sie als verbraucht. Seine gesamtes sonstiges
Einkommen versteuerte er aber brav weiter. Er war der Ansicht, dass er für
seinen Sparwillen bestraft würde, wenn bereits einmal versteuertes
Einkommen erneut versteuert werden sollte. Ins Verhältnis zur
Inflationsrate gesetzt, wurde durch die zusätzlich Abschöpfung, die der
Finanzminister Quellensteuer getauft hatte, eine permanente Enteignung in
Gang gesetzt. Das empfand Marian, der sonst so preußisch Pflichtbewusste,
der diesem Staat seine Gesundheit geopfert hatte, als ungerecht.

Also beschloss Marian einmal im Jahr, in einer Art Selbstverteidigung, die
Beträge, die er ja auch hätte verbrauchen können und die bereits
versteuert waren, in ein südliches Nachbarland zu bringen. Damit hatte er
sich nach gültiger Rechtsprechung strafbar gemacht. Er wusste das, aber er
tat es in der vollen Überzeugung, dass der Staat kein Recht habe, die
Ergebnisse seines überdurchschnittlichen Arbeitseinsatzes und seines
Sparwillens in dieser völlig überzogenen und unangemessenen Weise zu
rauben. Das sein Handeln Unrecht wurde, geschah durch Erlasse die einen
Unrechtskontext erstellten und im Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung
verankerten. Der Finanzminister hatte einen ursprünglich aufrechten
Steuerzahler mit seinem verfassten Recht und seinen Verordnungen, vor
allem aber mit seiner beispiellosen Neidpropaganda, kriminalisiert. Fortan
sprach Dr. med. Theodor Marian, der soziale, pflichtbewusste und hoch
dekorierte ursprünglich überzeugte Demokrat nur noch vom Raubstaat.
Er sprach von einem moralisches Recht der Selbstverteidigung. Auch und
gerade gegen die Finanzbehörden, vertreten durch den Finanzminister.
Steuerhinterziehung sei in einem Staat, der seine Bürger enteignet,
betrügt und die Mittel zweckentfremdet, legitim.
Dr. Theodor Marian war Zeit seines Lebens zu beschäftigt um sich mit
anderen Wissensgebieten zu befassen. Seine Patienten gingen vor, das
bisschen Zeit, das übrig blieb, widmete er seiner Familie. Er hatte nie
die Muße sich mit Ludwig van Mises, Murray N. Rothbard, Ayn Rand oder
Henry David Thoreau zu beschäftigen. Er handelte intuitiv und aus einem
Gefühl für Gerechtigkeit. Als er starb pflanzte man eine Rotbuche auf dem
Klinikumsgelände und noch Jahre nach seinem Tod pilgerten zahlreiche
Patienten zu seinem Grab.
Dr. Marian starb als Steuerrebell, als Steuerhinterzieher aus Überzeugung.
Er starb enttäuscht von einem Deutschland, das er nach dem Kriege hatte
aufbauen helfen. Den Blechstern, genannt Bundesverdienstkreuz, trug er nur
ein einziges Mal. Daheim, beim Anschauen eines Fernsehfilms, angesteckt an
seine Strickjacke, die er über sein Nachthemd gezogen hatte.
Ich kannte Dr. Marian. Er ist mir
ein Vorbild! |
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