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Beispiel 1:  

 

Dr. med. Theodor Marian wurde 68 Jahre alt. Er war ärztlicher Leiter eines Universitätskrankenhauses und Chef der unfallchirurgischen Abteilung. Kurz vor seinem Tod wurde er für seine überragenden Leistungen mit dem großen Bundesverdienstkreuz 1. Klasse am Bande ausgezeichnet. Er verstand sich als Arzt im Dienste der Patienten und nicht als Mediziner. Zahllose Menschen verdanken ihm ihre Gesundheit und viele verdanken ihm und seiner exzellenten Operationstechnik ihr Leben. Der Mann war ein Könner. Er war der erste morgens und der einzige Arzt des Hauses der um 11 Uhr nachts noch einmal nach seinen Patienten schaute. Hunderte von Dankschreiben seiner Patienten stapeln sich in einer alten Weinkiste.

Marian war bescheiden geblieben und die jungen, arroganten Jungmediziner, die selbstherrlich, mit wehenden Kitteln durch die Flure rauschten, blieben ihm suspekt. Auch war ihm wichtiger den Patienten zu helfen, als "Fälle" zu sammeln und wissenschaftlich zu veröffentlichen. Seine Kollegen schätzten ihn sehr wegen seiner Integrität. Marian bejahte das demokratische System, hat gute Bekannte in gegensätzlichen Parteien, wählte CDU aber hatte auch Freunde unter den „Sozies“.

Begonnen hatte Marian, der als Luftwaffenhelfer mit 17 aus dem Krieg kam und danach sein Abitur vollendete, als Medizinalassistent in einem Kinderkrankenhaus. Er hatte den Beruf aus Leidenschaft gewählt und, auch unter dem Eindruck der vielen Kriegsversehrten, beschlossen Menschen künftig helfen zu wollen. Das er später vor allem Verkehrsopfer wiederherstellen musste konnte er so kurz nach dem Krieg noch nicht ahnen. Marian galt sofort als zuverlässig und tüchtig. Er schaute nie auf die Uhr, machte Tausende von unbezahlten Überstunden. Über viele Jahre machte er Bereitschaftsdienste die nicht vergütet wurden. Sein Einsatz war unermüdlich und auch als Oberarzt und sogar noch als Chef ließ er sich Anfangs für Bereitschaftsdienste und Nachtdienste einteilen. Er war der erste Chef in seiner Stadt, der seine Honorare mit nachgeordneten Mitarbeitern teilte. Oft war er so beschäftigt mit seinem Dienst am Menschen, dass er vergaß Liquidationen zu schreiben oder er ließ kleinere Rechnungen, wegen des zu großen Arbeitsaufwandes, "unter den Tisch fallen".

Angefangen hatte er mit 750.-DM Assistenzarztgehalt. Später erst, als er Chefarzt war und entsprechende Bezüge hatte, konnte er seinen bis dahin bescheidenen Lebensstandard für sich, seine Frau und die 4 Töchter verbessern. Er blieb sparsam und ging bescheiden und verantwortungsbewusst mit seinem Einkommen um. Eine seiner Tochter war behindert und musste total von ihm, ob seines jetzt höheren Einkommens, unterhalten werden. Die Sozialbehörden bestanden darauf und verlangten regelmäßige Einkommensnachweise. Seine Frau war herzkrank und in Folge dessen trug sie ebenfalls nichts zum Einkommen bei. Die anderen 3 Töchter mussten noch durch eine angemessene Ausbildung gebracht werden. Marian war Zeit seines Lebens Alleinverdiener. Sein Einkommen blieb – auch später, gemessen an seiner Verantwortung, seinen Erfolgen, und ins Verhältnis gesetzt zu den Bezügen von Politikern und Managern, eher bescheiden. Sicher, er hatte nach 20 Jahren sein Einfamilienhaus abzahlen können und eine Ferienwohnung in Bayern als „Steuersparmodell“ erworben. Klar auch, dass sein Einkommen nun höher war als das eines Handwerkers, der allerdings schon mit 16 angefangen hatte Geld zu verdienen, 12 Jahre früher als er. Und natürlich hatte er, durch sparsames Wirtschaften, auch einige Reserven. Aber ein reicher Mann, der sorglos aufs Alter schauen konnte, war er nicht geworden.

Das von den Boulevardmedien breitgetretene Bild des „Herrgotts in Weiß“ traf auf ihn jedenfalls nicht zu.

Marian hatte zwar einen Arbeitstag von durchschnittlich 16 Stunden, aber es entging ihm dennoch nicht, dass die Abgaben- und Steuerschraube immer fester angezogen wurde. Nicht, dass es ihn am Krankenbett demotiviert hätte, aber es begann ihn gewaltig zu ärgern, dass sein bereits versteuertes Einkommen erneut und erneut besteuert und um die Ersparnisfrüchte gemindert werden sollte. So ging er dazu über sich von besonders wohl gesonnenen Patienten das Honorar gelegentlich in bar und ohne Quittung auszahlen zu lassen. Auch hob er die Zinsen seiner Ersparnisse ab und erklärte sie als verbraucht. Seine gesamtes sonstiges Einkommen versteuerte er aber brav weiter. Er war der Ansicht, dass er für seinen Sparwillen bestraft würde, wenn bereits einmal versteuertes Einkommen erneut versteuert werden sollte. Ins Verhältnis zur Inflationsrate gesetzt, wurde durch die zusätzlich Abschöpfung, die der Finanzminister Quellensteuer getauft hatte, eine permanente Enteignung in Gang gesetzt. Das empfand Marian, der sonst so preußisch Pflichtbewusste, der diesem Staat seine Gesundheit geopfert hatte, als ungerecht.

Also beschloss Marian einmal im Jahr, in einer Art Selbstverteidigung, die Beträge, die er ja auch hätte verbrauchen können und die bereits versteuert waren, in ein südliches Nachbarland zu bringen. Damit hatte er sich nach gültiger Rechtsprechung strafbar gemacht. Er wusste das, aber er tat es in der vollen Überzeugung, dass der Staat kein Recht habe, die Ergebnisse seines überdurchschnittlichen Arbeitseinsatzes und seines Sparwillens in dieser völlig überzogenen und unangemessenen Weise zu rauben. Das sein Handeln Unrecht wurde, geschah durch Erlasse die einen Unrechtskontext erstellten und im Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung verankerten. Der Finanzminister hatte einen ursprünglich aufrechten Steuerzahler mit seinem verfassten Recht und seinen Verordnungen, vor allem aber mit seiner beispiellosen Neidpropaganda, kriminalisiert. Fortan sprach Dr. med. Theodor Marian, der soziale, pflichtbewusste und hoch dekorierte ursprünglich überzeugte Demokrat nur noch vom Raubstaat.

Er sprach von einem moralisches Recht der Selbstverteidigung. Auch und gerade gegen die Finanzbehörden, vertreten durch den Finanzminister. Steuerhinterziehung sei in einem Staat, der seine Bürger enteignet, betrügt und die Mittel zweckentfremdet, legitim.

Dr. Theodor Marian war Zeit seines Lebens zu beschäftigt um sich mit anderen Wissensgebieten zu befassen. Seine Patienten gingen vor, das bisschen Zeit, das übrig blieb, widmete er seiner Familie. Er hatte nie die Muße sich mit Ludwig van Mises, Murray N. Rothbard, Ayn Rand oder Henry David Thoreau zu beschäftigen. Er handelte intuitiv und aus einem Gefühl für Gerechtigkeit. Als er starb pflanzte man eine Rotbuche auf dem Klinikumsgelände und noch Jahre nach seinem Tod pilgerten zahlreiche Patienten zu seinem Grab.

Dr. Marian starb als Steuerrebell, als Steuerhinterzieher aus Überzeugung. Er starb enttäuscht von einem Deutschland, das er nach dem Kriege hatte aufbauen helfen. Den Blechstern, genannt Bundesverdienstkreuz, trug er nur ein einziges Mal. Daheim, beim Anschauen eines Fernsehfilms, angesteckt an seine Strickjacke, die er über sein Nachthemd gezogen hatte.

Ich kannte Dr. Marian. Er ist mir ein Vorbild!

 
   

 

 

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