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Ich ging noch in die Grundschule, es muss also um 1960/61 gewesen als wir Kinder uns erzählten, daß Maria Callas in Berlin singen würde. „Ja, und die Karte kostet 250.-DM.“ Das war wichtig für die
Kinder, denn Kinder mögen Sensationen. Und 250.- DM war in dieser Zeit unvorstellbar viel Geld. Jedenfalls für Kinder. Als ich meinen Vater fragte, meinte der nur, „Du bist noch zu klein, und außerdem wäre mir das zu teuer!“ Basta. Dabei mochte er, der selbst eine schöne Stimme hatte, durchaus Stimmen in der Qualität der Callas. Also habe ich
die Callas nie gehört. Nie gesehen. Nie erleben dürfen. Natürlich hatte ich (fast) alle ihre Platten und konnte, dank häufigen Hörens sie auch im Radio sofort erkennen.
Später, als ich mein eigenes Geld verdiente, und bis zu 5 Mal in der Woche in die Philharmonie oder die Deutsche Oper düste, habe ich viele Stimmen gehört. Sopranistinnen, Altistinnen, Mezzosopranistinnen, und die ganzen Stimmlagen der Herren. Wundervoll. Erika Berger, Erika Köth, Hilde Güden, Theresa Stratas, Elisabeth Schwarzkopf, sie alle
aufzuzählen würde abendfüllend sein. Berlin hatte eine Menge zu bieten und ich genoss es. |
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Unter all den Sängerinnen aber stach eine hervor die mich stark an die Callas erinnerte, jedenfalls am Anfang. Später „entdeckte“ ich dann ihre ganz eigene stimmliche Persönlichkeit: Lucia
Aliberti. Die hübsche, zartgliedrige Sizilianerin mit einer Stimme und einem Luftreservoir, das man ergriffen war.
Lucia Aliberti wurde 1957 in Messina geboren. Sie studierte Klavier, Gesang und Musiktheorie und setzte ihre Studien in Mailand und Rom fort. Mit 21 Jahren gewann Lucia ihren ersten Opernpreis in Spoleto und bereits 1979 eröffnete sie die Opernsaison in Spoleto mit der Titelpartie von „Sonnambula“. Neapel, Genf und Wiesbaden waren die
nächsten Stationen ihrer jungen Karriere.
1983, also mit 26 Jahren, sang sie die Lucia di Lammermoor an der Deutschen Oper Berlin. Hier durfte ich sie hören was ich zu einem meiner stärksten Opernerlebnisse zähle. Besonders hingerissen war ich 1984 als sie erstmals die Violetta in „La Traviata“ sang, eine Rolle die ich besonders liebe und die mir gefühlsmäßig ja auch besonders liegt.
München und Wien folgten und 1984 sang sie erstmalig an der Mailänder Scala.
Ich habe Lucia Aliberti auch in einer wunderschönen Aufführung von „Hoffmanns Erzählungen“ an der Deutschen Oper Berlin in Erinnerung, die auch, so ich mich erinnern kann, in den anderen Rollen hervorragend besetzt war.
Lucia Aliberti ist eine ganz große Stimme geworden. Sie ist mit mir älter geworden, pardon, Diven altern natürlich nicht, aber will sagen, ich bin dankbar, daß ich den Werdegang einer Persönlichkeit wie Lucia Aliberti verfolgen durfte. Es ist doch etwas ganz anderes eine Stimme nur von der Platte zu kennen und schätzen zu lernen,
oder sie in
Wirklichkeit zu erleben. Diese warme und doch feste Stimme, diese mühelosen Koloraturen, diese Hingabe an die Rolle, dazu der figürliche Ausdruck, der gut zu vielen Rollen passt, und die Kraft, vielleicht sizilianische Kraft die von dieser Frau ausgeht – unvergesslich.
Lucia Aliberti hat eine Webseite die es zu besuchen lohnt. Dort ist auch eine ausführliche Biografie in englischer Sprache: Luicia Aliberti
Robin Renitent |
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