Fritz Wunderlich’s Stimme war immer und ist auch heute noch für mich eine Offenbarung. Vielleicht war mir seine Stimme, sein Wesen, sein Temperament so angenehm weil mich alles an meinen
Vater erinnerte. Der, mit schöner, aber unausgebildeter Stimme ausgestattet, schätzte ihn ebenso. Fritz Wunderlich’s Stimme erfüllte oft unser Wohnzimmer mit seinem sanguinischen Timbre. In tiefen Lagen voll mit viel Luft und doch so weich wie zarter Schmelz. In den mittleren Lagen kraftvoll,
dauerhaft, nie unsicher und in den hohen Lagen einfach umwerfen rein und klar. Ich kenne keinen heutigen Sänger (2005) der so sauber so freudig und doch so diszipliniert edel singen kann.
Meine Mutter, deren Lieblingssänger Peter Anders war, schenkte meinem Vater die erste Wunderlichplatte. Heute, in einer Zeit in der CD’s gehört werden, wo Stimmen ins MP3 Format gequetscht werden, kann man sich die Schönheit der Stimme, die von einer Vinyl-Plattenaufnahme kam, gar nicht mehr vorstellen. Natürlich war es unbequem alle 20
Minuten aufstehen zu müssen um die Platte zu wechseln. Auch konnte sie leicht zerkratzen. Aber die Versprechungen der Industrie, daß das mit einer CD nicht geschieht haben sich nicht erfüllt. Von der Handlichkeit einer CD mal abgesehen, ist auch heute noch eine Stimme wie die von Fritz Wunderlich auf einer altmodischen Platte unübertroffen.
Friedrich Karl Otto Wunderlich wurde am 26. September 1930 in Kusel geboren. Sein Vater war Cellist und Kapellmeister kleinerer Kapellen, seine Mutter Geigerin. Da das Einkommen nicht reichte betrieben die Eltern eine Gastwirtschaft die aber in Folge der Weltwirtschaftskrise das Überleben der Familie nicht mehr sichern konnte. Wunderlich
hatte eine ältere Schwester Marianne. Er hatte hervorragende Gesangspädagogen die ihn behutsam auf seine Künstlerlaufbahn vorbereiteten. Zunächst unterrichtete ihn Professor Müller-Blattau und später die blinde Gesangspädagogin Margarethe von Winterfeld. Seine künftigen Hauptwirkungsstätten waren Stuttgart und Wien. Als Tamino debütierte er.
1956 heiratete er, seine beiden Kinder nannte er später Constanze und Wolfgang.
Mozart begleitete Fritz Wunderlich sein ganzes Leben. Er war der Mozarttenor. Er beherrschte das gesamte Mozartrepertoire und der lyrische Schmelz seiner Stimme kam vielen Liedpartien entgegen. Er sang an vielen Opernhäusern unter anderem München, Salzburg und Wien. Fritz Wunderlich verfügte über eine Allroundbegabung die ihn auch zu einem
idealen Operettensänger machte. Hier kam sein sanguinisches Temperament voll zur Geltung. Aber auch als Oratorien und Liedsänger beherrschte er ein umfangreiches Repertoire und nahm seine Hörer für sich ein. Mich spricht besonders die Freude an, die aus seiner Stimme klingt. Selten wieder habe ich einen Sänger so an die Arie oder das Lied
hingegeben singen gehört. Die große Stimme verstummte am 17. September 1966. Fritz Wunderlich starb an den Folgen eines Unfalles. Fritz Wunderlich hat mich so beeindruckt, daß ich ihm ein Gedicht gewidmet habe! click
Robin Renitent |