Es weht der Wind so kühl, entlaubend rings die Äste, Er ruft zum Wald hinein: Gut' Nacht, ihr
Erdengäste!
Am Hügel strahlt der Mond, die grauen Wolken jagen
Schnell übers Tal hinaus, wo alle Wälder klagen.
Das Bächlein schleicht hinab, von abgestorbnen Hainen
Trägt es die Blätter fort mit halbersticktem Weinen.
Nie hört' ich einen Quell so leise traurig klingend,
Die Weid' am Ufer steht, die weichen Äste ringend.
Und eines toten Freunds gedenkend lausch' ich nieder
Zum Quell, der murmelt stets: wir sehen uns nicht wieder!
Horch! plötzlich in der Luft ein schnatterndes Geplauder: Wildgänse auf der Flucht vor winterlichem Schauder.
Sie jagen hinter sich den Herbst mit raschen Flügeln, Sie lassen scheu zurück das Sterben auf den Hügeln.
Wo sind sie? ha! wie schnell sie dort vorüberstreichen
Am hellen Mond, und jetzt unsichtbar schon entweichen;
Ihr ahnungsvoller Laut läßt sich noch immer hören, Dem Wandrer in der Brust die Wehmut aufzustören.
Südwärts die Vögel ziehn mit eiligem Geschwätze;
Doch auch den Süden deckt der Tod mit seinem Netze.
Natur das Ew'ge schaut in unrahvollen Träumen,
Fährt auf und will entfliehn den todverfallnen Räumen
Der abgeriss'ne Ruf, womit Zugvögel schweben,
Ist Aufschrei wilden Traums von einem ew'gen Leben. Ich höre sie nicht mehr, schon sind sie weit von hinnen;
Die Zweifel in der Brust den Nachtgesang beginnen:
Ist's Erdenleben «Schein!? — ist es die umgekehrte
Fata Morgana nur, des Ew'gen Spielgefährte?
Warum denn aber wird dem Erdenleben bange,
Wenn es ein Schein nur ist, vor seinem Untergänge?
Ist solche Bängnis nur von dem, was wird bestehen.
Ein Widerglanz, daß auch sein Bild nicht will vergehen?
Dies Bangen auch nur Schein? — so schwärmen die Gedanken,
Wie dort durch's öde Tal die Herbstesnebel schwanken. |