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Henryk M. Broder

       
   

The philosophy of Liberty is based on the principle of Self-Ownership

>all kinds of socialism cause poverty<

   
   

von Rudi Raabe

   
                   

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  *1946  
     

Vorbemerkung: Ich war ungefähr 15 oder 16 als ich erstmals in meinem Leben einen bildenden Künstler kennen lernte. Im Hause meiner Eltern hatte ich als Künstler nur Musiker kennen gelernt, aber da meine eigenen musikalischen Fähigkeiten hinter meiner Musikleidenschaft zurückblieben und ich lebhaft davon träumte selbst bildender Künstler zu werden war ich nun fasziniert. Der Mann hieß Björn Schrade, war Maler, malte aber selten, weil er lieber in Cafés rumsaß und seine Frau ernährte ihn, in dem sie sich, in einer Drogerie als Verkäuferin, die Beine in den Bauch stand. Sein Lebensstil, seine wilden Haare, seine Atelierwohnung in der Künstlerkolonie Schmargendorf, beeindruckten mich und nachdem ich auch noch einige unfertige großflächige Leinwände gesehen hatte, erklärte ich mich zu seinem „Jünger“. Mein Vater tippte sich an die Stirn und hielt, allein nach meinen Schilderungen, den Mann für eine Flöte, einen Taugenichts, der die Liebe seiner Frau ausbeutete. Ich war empört und für einige Wochen hatten wir einen weiteren (pubertären) Konfliktherd. Väter aber haben manchmal recht. Als ich die diskret von meinem Vater ausgelegten Kunstbände eingehender studierte und mein Auge langsam und mühsam unterscheiden lernte, schrumpfte mein Jüngerdasein bereits nach wenigen Monaten auf Null und ich kam auf den Boden der Tatsachen zurück. Eine heute durchgeführte Recherche unter Google und Yahoo förderte dann auch nicht mehr zutage als das besagter Schrade vom Berufsverband bildender Künstler als „Painter of the 68th“ geführt wird, der den Verband aber schon 1980 verlassen hat.

Diese Begeisterung ist einem jungen Menschen sicher nachzusehen und gelernt habe ich schon etwas aus der ganzen Affäre. Nie, nie wieder in meinem Leben wollte ich mich unkritisch zu jemandes Fan erklären. Nie wieder ein Bekenntnis ablegen zu jemandem, ohne ihn genauer zu kennen und vielleicht über Monate und Jahre seine Einstellungen geprüft und für annehmbar gefunden zu haben. Hinzu kam, daß ich oft von Künstlern, besonders Musikern hingerissen war, dem Charme ihrer Stimme, der Kraft ihres Anschlages erlag und sie anhimmelte, musikalisch anhimmelte. Dann aber plötzlich, in irgendeinem Interview ihre politischen Positionen oder Stellungnahmen hörte oder las und maßlos enttäuscht war. Ich hatte unterscheiden zu lernen zwischen dem künstlerischen Ausdruck und der menschlichen Qualität und beides unabhängig voneinander zu bewerten. Besonders in Erinnerung ist mir das bei Schauspielern geblieben, die ich in ihrer schauspielerischen Leistung überaus schätzte, deren Spiel in der jeweiligen Rolle mich „umwarf“, die ich aber bei eingehenderer Prüfung ihrer nicht berufsbezogenen, also privaten Persönlichkeit schlichtweg für irre, im besten Fall für unannehmbar hielt. Klaus Kinski war so ein Mensch, sagenhaft in seinen Rollen, z.B. als Sträfling in Dr. Schiwago, als Mensch völlig durchgeknallt. Auch „Peter Strohm“, Klaus Löwitsch, gut als Schauspieler, unmöglich, chauvinistisch und flegelhaft als Mensch. Ein arroganter Großkotz. Im Zuge politischer Polarisierungen zum Thema Amerika, Israel oder Irak fand ich dann geschätzte Künstler auf Unterschriftenlisten die mich entsetzten.

Aus dieser Erkenntnis heraus, lernte ich zwischen dem Produkt der angebotenen Kunst, also der Interpretation einer Arie, dem Strich auf einer Violine oder der Ausdruckskraft einer Rolle und dem Künstler zu unterscheiden. Das ging gut bei Musikern, Malern, Bildhauern und Schauspielern. Bei Schriftsteller ging das nicht. Es ist nicht möglich etwas zu schreiben und etwas anderes zu leben. Ein Schriftsteller lebt sein Wort und wenn es ein fiktiver Stoff ist, ist seine abweichende Position vielleicht in eine Figur gepackt, der Grundkonsens seines Oeuvres aber spiegelt seine Haltung und politische Position wieder.

Der Versuchung mich zu jemandem rückhaltlos zu bekennen habe ich also 40 Jahre erfolgreich widerstanden. Ich hatte klare Favoriten, aber ich unterschied den Künstler vom Menschen, soweit mir das aus den zugänglichen Medien und Informationen möglich war. Bei einem Musiker, Maler oder Bildhauer war ich dann auch nicht weiter interessiert die Informationssuche nach seiner politischen Position auf die Spitze zu treiben. Wenn der Mann/die Frau sich nicht gerade zum Stalinisten erklärte (Alfred Hrdlicka) habe ich mich lieber auf ihre Kunst konzentriert.

Bei Schriftsteller ist das etwas völlig anderes. Sehe ich toten Schriftstellern noch gelegentlich und bei wirklich herausragenden natürlich ihre Haltung nach (Berthold Brecht), bin ich da bei lebenden Autoren schon wesentlich pingeliger. Hier messe ich jede Passage, ja jeden Satz und jedes Wort mit der Elle der Zumutbarkeit. Lebende Schreiber die den Nationalsozialismus verherrlichen, den Kommunismus befürworten, Israel von der Landkarte wischen wollen und in Amerika den Inbegriff des Bösen sehen haben bei mir keine Chance. Wohlverstanden: Wissenschaftliche Literatur die sich kritisch mit diesen Positionen auseinander setzt und überlegenswerte und nachvollziehbare Positionen vertritt lese ich natürlich. Aber um mich auch innerlich zu jemandem bekennen zu können, muss er schon einen Blickwinkel haben der auch annähernd dem entspricht was ich als aufrechte und vertretbare Haltung empfinde.

Also habe ich mich nie wieder auf jemanden eingelassen, denn immer fand ich etwas, mit dem ich nicht übereinstimmte, was mir, bei sonstiger Wertschätzung doch unsympathisch war. Bei Henryk M. Broder ist das erstmals etwas anderes. Ich würde zwar heute nicht mehr den jugendlich euphorischen Ausdruck Jünger verwenden, dazu bin ich inzwischen doch zu abgeklärt und gelassen, aber Broder ist der einzige zum Zeitgeschehen Stellung nehmende Autor in Deutschland dessen politische Ansichten sich mit meinen weitgehend decken. Nach dieser langen Einleitung möchte ich das kurz begründen, ihn vorstellen und näher auf ihn eingehen.

 
   

 

 

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Henryk M. Broder

Irgendwann, ich habe vergessen wann genau, wurde ich auf Henryk M. Broder aufmerksam und begann seine Artikel zu lesen. Sie gefielen mir von Beginn an, wobei ich zugebe, daß ich ihn zu den Zeiten als er mit Abraham Melzer zusammenarbeitete oder für die „St. Pauli Nachrichten“ schrieb, noch gar nicht kannte. Bevor ich den ersten Artikel von ihm las habe ich ihn aber mal in einer Talkshow im Fernsehen (3. Programm) gesehen. Wenn ich mich recht erinnere, aber Erinnerung kann trügen, wohnte er zu diesem Zeitpunkt in Israel und war für die Show nach Deutschland gekommen.

2003 kaufte ich mir dann einen neuen Computer und installierte eine Software die Content-Saver heißt, die alle Internetseiten die man interessant findet in Archivordnern speichert. Am 16.03.2003 um 21:33 Uhr speicherte ich meinen ersten Broder Artikel. Und danach jeden Artikel den ich im Internet finden konnte, zur Zeit sind es fast 300. Es ist zur Tradition geworden, daß ich die Artikel ausdrucke und am Mittagstisch, im Beisein meiner Frau und Kinder laut vorlese, wie überhaupt das laut Vorlesen ja eine familienfördernde und sprachbildende Veranstaltung ist, die Fragen und Diskussionen nach sich zieht.

Wenn ich für diese Würdigung Broders im Internet auf Yahoo oder Google „Broder“ eingebe um mehr über ihn zu erfahren und mich 17 Suchmaschinenseiten durchkämpfe wird eines ganz klar: Es gibt nicht nur Bush-Hasser, es gibt auch Broder-Hasser. Es ist nicht zu fassen, wie sich Menschen über ihn ereifern können. Es gibt einige zig Seiten, die sich mit Broder negativ befassen, aber nur wenige die ihn einmal zu würdigen wissen. Das deprimiert, jedenfalls mich. Ja, sind die nun alle verrückt geworden, dreht sich die Welt falsch herum? Nachdem das Lesen seiner Artikel nun zur Regelmäßigkeit geworden ist und ich mich auch über seine Bücher hergemacht habe, kann ich die Kritik nicht nachvollziehen. Wenn es stimmt, das ein Schriftsteller aus seinen Arbeiten spricht, wenn seine Arbeiten ein Spiegel seiner Erfahrungen sind, seine Aussagen seine persönlichen und politischen Positionen widerspiegeln, dann ist Henryk M. Broder mein Mann, will sagen, breche ich die, in 40 Jahren aus Erfahrung gehaltene, vernünftige Distanz zu einem Künstler oder Schriftsteller erstmals.

Nein, ich kenne ihn nicht persönlich, nein ich kenne nicht seine privaten Eigenarten. Ja, es ist möglich, daß ich enttäuscht wäre, daß ich mich an etwas stören würde. Aber im Gegensatz zu sagen wir noch einmal, weil er mir durch chauvinistisches Benehmen besonders gut in Erinnerung blieb, Klaus Löwitsch, kann bei Broder seine private Haltung ja von seiner öffentlichen, also politischen Haltung kaum zu trennen sein. Also hat er die gleiche Wellenlänge in Fragen der Weltanschauung und es ist bedeutungslos ob er Fisch mag oder lieber in ein Steak beißt.

Vielleicht hatte er diese Positionen nicht immer. Es ist, nach meiner Recherche, stark zu vermuten, daß er früher ein „Linker“ war. Und ja, ich habe Probleme jemanden zu finden, der in seiner Einschätzung den Linken von jeher nicht getraut hat, sich schon immer zum Liberalismus bekannt hat und den Umweg über die „linke“ Jugend nicht gegangen ist. Auch Broder gehört offensichtlich nicht dazu. Aber wenn ich Professor Wolfgang Leonhard für seine Lernfähigkeit bewundere und für seinen Bruch mit dem Ulbricht-Regieme kann ich Broder nicht mit einem anderen Maßstab messen.

Ist Broder heute der einzige Prominente der das erneute Anwachsen des Antisemitismus sieht, der einzige Wortgewaltige der Amerika nicht zeitgeistgemäß verteufelt? Offensichtlich. Ich halte seine Warnungen, seine Mahnungen für nicht einen Deut übertrieben und er ergänzt meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen auf ganz treffliche Weise.

Klar, Broder nimmt kein Blatt vor den Mund, er schert sich einen Dreck um die öffentliche Meinung und er greift auch Menschen direkt an. Aber wer tut das sonst? Wo hat einer die Prominenz und den Mut das zu tun? Oder anders gefragt: Wer nutzt seine Prominenz um die schwärenden Wunden einmal zu öffnen, den Verband der Political Correctness abzustreifen und in die Eingeweide zu schauen und sie zu diagnostizieren? Einen, nur einen nennt mir noch.

Broder tut es. Er macht das mit einem geradezu beneidenswert offenen und geschliffenen Sprachstil. Sein ganzes Vokabular ist unkonventionell. Oft erinnert er mich an Tucholsky oder an Kästner. Es ist ein Broderstil mit hohem Widererkennungswert, fast jeder Artikel ein Kleinod. Gibt es niemanden dem das auffällt? Muss es wohl, er hat Kollegen die ihn schätzen und er hat eine Fangemeinde. Er schreibt auf der „Achse des Guten“ einer hervorragend gemachten mainstreamresistenten Internetseite, wo er mit (von mir ebenfalls sehr geschätzten) Autoren ähnlicher Denkart eine Art Gegenöffentlichkeit schafft. Es ist gut, daß diese Seite kein reiner Blog ist mit der Möglichkeit der „Comments“, es würden sich wahrscheinlich zu 80 Prozent nur Müll, antijüdischer Schrott und unsachliche Angriffe dort finden. Man muss auf liberale Blogseiten gehen, sich von Blogroll zu Blogroll durcharbeiten um offene Bewunderer Broders ausfindig zu machen. Die Gruppe der Proamerikanisten ist unter dem 68 iger Meinungsdiktat erheblich geschrumpft und für Israel steht schon kaum jemand ein. Palästinensische Portale und Terrorversteherseiten sind dagegen zuhauf zu finden.

Leseprobe: Grün hinter den Ohren - und im Herzen braun
Während unser geliebter Außenminister Joschka Fischer nicht müde wird, das "Existenzrecht Israels" zu betonen und eine "gerechte Lösung" des Nahostkonflikts zu fordern, denkt es an der grünen Basis anders. Da wird mit Leidenschaft über die Endlösung der Palästinafrage diskutiert. Wobei das antisemitische grüne Pack kein Blatt vor den Mund nimmt. Nun könnte man sagen: Das sind Durchgeknallte, wie man sie im Internet überall findet. Nur: Das Offene Forum der Grünen Fraktion, in dem die Diskussion stattfindet, ist keine Jeder-kann-mitmachen-Bühne. Man muß sich anmelden, braucht ein Paßwort, die Beiträge werden bearbeitet. Es wird also nicht jeder und nicht alles aufgenommen. Was im sog. Offenen Forum erscheint, ist diskutabel – und wenn es der letzte Stürmer-Dreck ist.
Achse des Guten, 11.04.2005

Broder selbst hat auch eine Internetseite: "...selber schuld wenn Sie mir schreiben!" Sehr gut gemacht, quirlig, lebendig, unterhaltsam. Er verleiht auch einen Preis: Den „Schmock der Woche“ und zeichnet damit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus die durch besonders nichtssagende Allgemeinplätze, publikumswirksame aber geistlose Statements, sinnlose Aktionen oder antisemitisches oder antiamerikanisches Blech aufgefallen sind. Da teilt er aus, da greift er an, da bleibt, kein Tempo trocken. Da handelt er sich Klagen und einstweilige Verfügungen ein. Diese Klagen kommen dann meist von Mimosen, die sich ihre persönliche Wahrheit per Gerichtsbeschluss wieder zurechtrücken wollen.

Wenn man sich mal wirklich erschüttern und fassungslos machen will, muss man die an ihn gerichteten Leserbriefe lesen. Zum Beispiel diesen:

„Broder, Sie minderwertige Judendrecksau wissen genau so gut wie ich, daß es keinen "Holocaust" gegeben hat, sondern daß der angebliche Massenmord an Juden durch den deutschen Staat eine teuflische Lüge ist, die nur erfunden wurde, um die Verbrechen der von Juden beherrschten Regierungen der Alliierten des Zweiten Weltkriegs an den Deutschen - Flächenbombardements von Zivilisten und Städten, Vertreibung und Ermordung von Millionen Deutscher, absichtliches Verhungernlassen von Millionen Deutscher, Diebstahl von Patenten im Wert mehrerer Billionen (Tausender von Milliarden) Euro nach heutiger Kaufkraft usw. - zu bemänteln, Israel den Aufbau seines Unrechtsstaats zu finanzieren und es jüdischen Großverbrechern zu ermöglichen, sich in unglaublichem Maße zu bereichern.

Doch eines Tages werden wir das jüdische Verbrechergesindel, das die Deutschen kollektiv zu Massenmördern stempelt, dadurch bestrafen, indem wir einen tatsächlichen "Holocaust" veranstalten.Jeder, der sich - wie Sie Haufen Judenscheiße - in irgendeiner Form gegen das deutsche Volk vergangen hat, wird mit Peitschenhieben aus seiner Behausung gezerrt und sofort an Ort und Stelle per Genickschuß liquidiert.“
Arnold Schmitt (IP 38.119.107.89)

Es ist unfassbar was Menschen, 60 Jahre nach der Vernichtung der Juden in Deutschland wieder öffentlich zu schreiben wagen. Die antisemitischen Ausfälle, die persönlichen Angriffe, der Mist und Müll den die Leute senden haut einen um. Ist das das Land in dem ich lebe? Haben wir im gleichen Schulsystem gelernt? Habe ich den gleichen Pass wie diese Zeitgenossen? Haben die nichts gelernt, nie nachgedacht? Es kann zutiefst deprimieren. Bekommt er nie positive Zuschriften? Möglicherweise. Lange habe ich mich gefragt, wie kann ein Mensch mit diesen Anfeindungen leben. Hat er ein besonders dickes Fell? Kann er einfach zur Tagesordnung übergeben? Oder ist es inzwischen sein persönlicher Anti-Applaus den er als zum Leben, zu seinem Leben gehörig akzeptiert hat? Eine Art Gegenreputation, die besonders auszeichnet, die Zustimmungen relativiert? Ich kenne das selbst, es gibt Momente da fühle ich mich wohl, wenn Nachbarn schlecht über mich reden. Würden sie das nicht tun, wäre ich langweilig. Broder scheint das nur als Schreiber zu treffen, denn er reagiert ja darauf. Erfreulicherweise, das ist eine Vermutung, trifft es ihn menschlich nicht so, daß es ihn zerstört. Vielleicht hat er ein sanguinisches Temperament  das ihn das überleben lässt.

Da freut es (mich) dann ungemein, daß es wenigstens einige helle Köpfe in der Jury des Schubart-Literaturpreises der Stadt Aalen gibt, die unbeeinflusst von Mainstream, Angriffen und Abwertungen Henryk M. Broder ausgezeichnet hat:

„Der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen für das Jahr 2005 wird verliehen an den Journalisten und Schriftsteller Henryk M. Broder für sein so streitbares wie kenntnisreiches und vom jeweils herrschenden Zeitgeist ganz unabhängiges publizistisches Werk. Seit mehr als zwei Jahrzehnten stehen Broders Stil und Stimme für die freiheitliche und republikanische Tradition des deutschsprachigen Journalismus ein. Christian Friedrich Daniel Schubart zählt ebenso zu seinen Ahnherrn wie Karl Kraus, der legendäre Herausgeber der „Fackel“. Zu Broders bleibenden Verdiensten zählt zumal sein bei aller polemischen Lust stets prägnant und präzise argumentierendes Engagement für das jüdisch-deutsche und das deutsch-israelische Verhältnis. Gerade für die Nachgeborenen des Holocaust auf beiden Seiten, auf derjenigen der Opfer und der Täter, haben Broders Bücher, Artikel und Essays repräsentativen Rang.“


Der ganze Text zur Preisverleihung und die Rede Henryk M. Broder's habe ich hier dokumentiert


Und man könnte seine Verdienste um das deutsch.amerikanische Verhältnis noch hinzufügen. Es ist gut, wenn man jenseits des Atlantiks wahrnimmt, daß es in Europa, in Deutschland doch Menschen gibt, die sich die Mühe machen einen näheren Blick auf Amerika zu werfen und amerikanische Außenpolitik zu verstehen.

Ich finde mich in Broders Aussagen wieder, kann mich mit ihnen identifizieren. Bei Broder hätte sich mein Vater nicht an Stirn getippt. Ich wünsche mir, ganz egoistisch für mich, daß Henryk M. Broder noch lange weiterschreibt, auch weil er mir das Gefühl gibt nicht allein zu sein in meinem Einstehen für die genannten Werte. Und für Broder selbst wünsche ich mir, daß er die Kraft hat die Anfeindungen noch eine Weile zu ertragen, ein Gegengewicht gegen den Zeitgeist zu bleiben – und wenn es nur wegen meiner Kinder und ihrer Zukunft in einem lebenswert erhaltenen Deutschland wäre.

 
   

   

 

   
       

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Antisemitismus ist nicht nur rechts...

"Nie wieder Antisemitismus in Deutschland!“ „Wir müssen unserer Jugend die geschichtlichen Zusammenhänge begreifbar machen die zum Holocaust führten!“ „Antisemitismus ist ein Problem rechter, extremer Randgruppen!“ „Wir haben reagiert und Herrn X. wegen seiner unhaltbaren antisemitischen Äußerungen aus unserer Partei ausgeschlossen!“
So, oder ähnlich klingen beruhigende, beschwichtigende und relativierende Worte deutscher Offizieller. Politiker, Soziologen, Lehrer, Verbandsfunktionäre. Sie rücken ihre Krawatten zurecht, werfen sich in Pose, achten darauf, daß sie gut im Bild sind und äußern Betroffenheit. Darin sind wir Deutschen ja auch ganz groß. Diesen Betroffenheitsblick haben wir nun 60 Jahre einstudieren können und verbunden mit den obigen Sprechblasen kommt er dann auch ritualisiert rüber.

Zu meinen stärksten Jugenderinnerungen gehörten 2 schwarz/weiß Dokumentarfilme, 16 mm, von der Landesbildstelle in Berlin, die, umständlich in den Projektor eingelegt, in der Aula unserer Schule vorgeführt wurden. Da war ich 16. Einige meiner Klassenkameraden betrachteten die Vorführung als willkommene Unterbrechung des Normalunterrichts, aber einige waren auch sehr schweigsam und manche wischten sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Ich habe die Titel der Filme vergessen, aber die Bilder der von Bulldozern in Massengräber gescharrten übereinander rollenden Leichenberger der Ermordeten von Auschwitz nicht. Auch nicht die Berge der Brillen, der Koffer und der Schuhe. Nicht die Bilder der ausgezehrten dünnen Gestalten die in roh gezimmerten Baracken aus tief liegenden Augen in die Kamera blinzelten. Ja, wir haben das Thema Judenvernichtung und die deutsche Schuld im Unterricht durchgenommen. Viel und intensiv war es nicht, aber immerhin. Das war etwa 1965.

Bei meinen großen Kindern gab es schon keine Filme mehr. Das ganze wurde im Schnelldurchgang abgehakt, zwischen dem alten Rom und der RAF. Das war um 1992.

Später habe ich mir oft Gedanken gemacht, hier gehts weiter

 
   
   

   
       

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Henryk Modest Broder (* 20. August 1946 in Katowice, Polen) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller mit Wohnsitz in Berlin.

Broder schreibt für den Spiegel und den Berliner Tagesspiegel. Er ist Mit-Herausgeber des „Jüdischen Kalenders“, einer jährlich erscheinenden Text- und Zitatensammlung deutsch-jüdischer Kultur.

1958 wanderte seine Familie nach Deutschland ein und lebte in Köln, wo Broder Volkswirtschaft und Jura studierte. In den 1970ern schrieb er für das Satiremagazin Pardon. 1981 begann er kurzzeitig in Israel zu arbeiten, weil er es eigenen Aussagen nach leid war, sich mit "linken Antisemiten à la Schwarzer und Paczensky herumzuschlagen".

1986 erhielt er den Hauptpreis des 5. Internationalen Publizistikwettbewerbs in Klagenfurt für die politische Satire „Das 12. Bundesland“. Im Jahre 2005 erhielt Broder den Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen. Broder selber verleiht auf seiner Homepage den eher ironisch-kritisch gemeinten Preis „Schmock der Woche“.

Broder gehörte zu den wenigen deutschen Journalisten, die den Krieg der USA gegen den Irak und damit den Sturz des Regimes Saddam Husseins unterstützten.

 

Werke

  • Wer hat Angst vor Pornographie? Ein Porno-Report, Melzer, Darmstadt 1970

  • mit anderen: Die Schere im Kopf. Über Zensur und Selbstzensur, Köln 1976

  • Danke schön. Bis hierher und nicht weiter. Mit Beiträgen von Detlef Hartmann, Ulrich Klug, Uwe Maeffert, Ulrich Vultejus, Konkret Literatur-Verlag, Hamburg 1980

  • Der Ewige Antisemit. Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls, 1986

  • Fremd im eigenen Land. Juden in der Bundesrepublik, 1987

  • Ich liebe Karstadt und andere Lobreden, 1987

  • mit Geisel, Eike: Premiere und Pogrom. Der Jüdische Kulturbund 1933–1941. Texte und Bilder, Siedler, Berlin 1992

  • Erbarmen mit den Deutschen, 1993

  • Schöne Bescherung! Unterwegs im Neuen Deutschland, 1994

  • Volk und Wahn, Goldmann, München 1996

  • Die Juden von Mea Shearim, 1997

  • Die Irren von Zion, Hoffmann und Campe, Hamburg 1998

  • Jedem das Seine, Ölbaum Verlag 1999

  • www.deutsche-leidkultur.de, Ölbaum Verlag 1999

  • Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror, Berlin Verlag, Berlin 2002

  • Der Ewige Antisemit (Neuauflage), Berlin Verlag, Berlin 2005

TV-Dokumentationen

  • Manchmal waren es Sternstunden – der jüdische Kulturbund 1933-1941 (mit Eike Geisel)
  • Soll sein – Jiddische Kultur im jüdischen Staat (mit Frans van der Meulen)

 

 
   

   

© Der Inhalt dieses Kastens wurde übernommen von WIKIPEDIA

   
       

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Journalist Henryk M. Broder was born in 1946 in Katowice, Poland. He moved with his parents to Germany in 1958, went to school in Cologne and currently lives in Berlin and Jerusalem. Mr. Broder produced and directed several documentary films (The Jewish Cultural Association in Nazi-Germany 1933-1941; Yiddish Culture and Language in Israel; and Life and Death of Joseph Wulf). He is also the author of three books ( none translated into English).

Mr. Broder has worked as a reporter for most of the major dailies and weeklies in Germany, Austria and Switzerland and is now reporter-at-large for the German magazine Der Spiegel.

 
   

   

 

   
       

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