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Franz von Bayros
Franz von Bayros
(* 28. Mai 1866 in Zagreb, † 2. April
1924 in Wien) auch bekannt als Marquis de Bayros, war ein
österreichischer Grafiker, Illustrator und Maler des Fin de siècle.

Häufig wird Bayros mit Aubrey Beardsley und Félicien Rops, den beiden
anderen großen Erotomanen, verglichen. Im Unterschied zu jenen war
Bayros jedoch häufig auch gezwungen, sein Talent den Gegebenheiten des
Marktes unterzuordnen. Seine Illustrationen zu den Klassikern der
erotischen Literatur zeichnen sich durch Kompositionstalent, subtiles
Spiel mit dem Ornament und Lust am prunkenden Milieu aus.
Franz von Bayros' Lebensweg entspricht fast schon exemplarisch den
Vorstellungen, die sich gemeinhin mit dem Leben eines echten décadent
verknüpfen. In ihm spiegeln sich Aufstieg und Fall eines begnadeten
Künstlers, aber auch die Irrungen und Wirrungen einer ganzen Epoche,
vor denen kaum ein Künstler seiner Generation verschont blieb, wider.
Franz von Bayros entstammte einer alten Adelsfamilie, die mit Karl VI.
Spanien verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Seine Vorfahren
standen fast alle als Offiziere im Dienst der Habsburger. Bayros'
Vater, Otto von Bayros, quittierte indes schon früh den Militärdienst,
um eine Karriere bei der österreichischen Bahn anzustreben. Für
Bayros, dessen Leidenschaft für die Malerei seit seinem sechsten
Lebensjahr immer offener zutage tritt, boten die wiederholten
beruflichen Versetzungen seines Vaters immer neue und abwechselnde
Inspirationen.
Verbürgt ist z.B. ein Zusammentreffen des zehnjährigen Franz' mit
einer Gruppe von Zigeunerinnen im damals noch türkischen Bosnien, das
bleibenden Eindruck auf den jungen Bayros haben sollte. In seinen
Versuchen, die sinnliche Schönheit und Harmonie dieser jungen Frauen
festzuhalten, äußert sich bereits ein wichtiges Motiv seines späteren
Werks.
Die frühen Jahre in Wien
Nach Abschluss der Realschule in Wien und Linz besteht Bayros mit 17
Jahren die Aufnahmeprüfung an der Wiener Akademie bei Eduard von
Engerth. Seine damaligen Lehrer, die Historienmaler Christian
Griepenkerl und August Eisenmenger, können ihm jedoch kaum Anregungen
vermitteln, so dass Bayros längere München-Aufenthalte als regelrechte
Befreiung empfindet. Der frühe Tod seines Vaters im Jahr 1888 zwingt
ihn zum Umdenken und kurzzeitig steht die Überlegung im Raum, die
Malerei ganz aufzugeben.
Ab 1890 setzt Bayros seine Studien verstärkt fort, u.a. arbeitet er
mit dem Porträtisten Eugen Felix, später mit dem Landschaftsmaler
Gottfried Seelos zusammen. Bayros verkehrt in der eleganten Welt und
bald gehört er zum Freundeskreis Johann Strauß' dessen Stieftochter
Alice er 1896 heiratet. Die Vermählung war alles andere als glücklich
und wurde bereits nach einem Jahr für ungültig erklärt.

Exlibris; um 19001897 kehrt Bayros Wien den Rücken und übersiedelt
nach München, der damaligen Kunstmetropole des Deutschen Reichs.
München bot dem Künstler in jener Zeit vielfältigste Möglichkeiten -
in der Malerei war die Stadt eines der Hauptzentren des deutschen
Naturalismus und auch Heimat zahlreicher bedeutender Impressionisten.
Gleichzeitig herrschte ein emsiger Literaturbetrieb und es entstanden
zahlreiche neue Verlage, u.a. verlegten hier Albert Langen und Georg
Müller.
Für Bayros war dieses Parkett perfekt geeignet: Er studierte in der
Spezialschule von Adolf Hölzel in Dachau und in Heinrich Knirrs Schule
in München (wo nicht zuletzt auch Paul Klee ausgebildet wurde). Bayros
sagt über diese Zeit: "Ich müsste am Anfange meiner Biographie
schreiben: ich wurde in meinem 31. Jahre in der Knirrschule zu München
geboren." Tatsächlich fällt in diese Phase seiner Entwicklung der
Durchbruch zu einem individuellen und eigenständigen Ton.
Gleichzeitig findet er Anschluss an die Künstlerkreise der Stadt und
ist bald Mitglied einer Gesellschaft, die sich "Vornehme Beobachter"
nennt und zu der auch Thilo von Seebach, Karl Georg von Maassen und
der Kunsthistoriker Dr. Hans Floerke gehören.
Auch auf künstlerischem Feld geht es in großen Schritten voran - er
setzt sich mit Impressionismus und Naturalismus auseinander und wendet
sich mehr und mehr von der Porträtmalerei ab und dem Zeichnerischen
zu.

1904 hat Bayros in München seine erste große Ausstellung, die sehr
erfolgreich wird. In schneller Folge gibt es nun Aufträge für
Buchillustrationen und Exlibris, darunter seine Illustrationen zur
"Manon Lescaut" des Abbé Prévost, die 1905 im Insel Verlag, Leipzig,
erscheinen oder zu den "Geschwätzigen Kleinoden" von Denis Diderot
(1906 bei Georg Müller, München). Zwischen 1911-13 erfolgt schließlich
die Herausgabe einiger Exlibris-Mappen und drei Bayros-Mappen bei K.
Th. Senger, München.
In diese Zeit (1904-08) fallen auch Bayros' ausgedehnte Studien Louis
XV., die der weiteren Vervollkommnung seines Stils dienen, sowie
Reisen nach Paris und Italien zu Studienzwecken. Besonders das Studium
des Rokoko erschließt ihm die Welt der raffinierten Erotik und in der
Folge wird er als Zeichner erotischer Illustrationen zusehends bekannt
- und im Jahr 1911 schließlich gar berüchtigt, als die Zensur
eingreift und er München verlassen muss.
Die zarte Linienführung, die ihm eigen ist, seine Phantasie in der
Ausgestaltung der Ornamente, sein subtiles Spiel mit nicht allzu
subtilen Anspielungen prädestinierten ihn tatsächlich zum Zeichner des
Galanten, des Frivolen, des Erotischen und nicht zu Unrecht nennt man
ihn in jenen Münchener Tagen den "wunderbaren Zeichner des reinsten
Rokoko".
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Rückkehr nach
Wien
Zurück in Wien, fühlt er sich fremd. Es fällt Bayros schwer,
Anschluss an den Wiener Kunstmarkt zu finden, und er plant wohl
auch deshalb eine Übersiedlung nach Rom, die aber durch den
Ausbruch des Weltkriegs vereitelt wird. Zwar findet er einen neuen
Kreis guter und interessanter Freunde, darunter Rudolf Hans
Bartsch, Anton Wildgans und Dr. Hugo Ganz und heiratet erneut;
dennoch nennt er den erneuten Aufenthalt in Wien oft seine
"Verbannung".
Die Auftragslage hatte sich nach dem spektakulären Münchener
Prozess naturgemäß etwas verschlechtert, doch allmählich fanden
sich wieder Bestellungen auf Buch- und
Zeitschriftenillustrationen, Exlibris und Plakate - vor allem aus
Österreich, Ungarn und Italien. Ein Beispiel für diese Periode
sind seine Illustrationen zu H.L. Roseggers "Von Königen und
Jakobinern".
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutet einen weiteren
Rückschlag in der Entwicklung des Künstlers. Nicht nur durchkreuzt
er Bayros' Pläne, sich in Italien niederzulassen und einen
Neuanfang zu wagen; viel schlimmer wiegt die ideologische
Verblendung, die ihn bis zum äußersten sich mit der Sache des
Deutschen Reiches identifizieren und den Zusammenbruch von 1918 im
Zustand tiefster Depression erleben lässt.
Die letzten Jahre
Erst der 600. Todestag des von ihm sehr verehrten Dante im
September 1921 gibt ihm neuen Antrieb. Für diesen Tag wollte er,
wie er selbst sagte, "sein Meisterwerk als Buchillustrator"
schaffen. Tatsächlich würden die 60 Aquarelle zur "Göttlichen
Komödie", die vom Amalthea-Verlag in Wien in einer imposanten
Fest-Ausgabe des Dante-Werks veröffentlicht wurden, das reifste
Dokument seiner Auffassung von Buchillustration abbilden, die
niemals nur leere Textillustration, sondern Weiterdichtung des
literarischen Werks sein sollte.
Der Erfolg der Arbeiten zu Dante war enorm und Ausstellungen der
Aquarelle in Deutschland und Italien brachten Bayros' Namen wieder
in aller Munde. Doch der materielle Erfolg wog gering. Eineinhalb
Jahre hatte Bayros fieberhaft an seinem Werk bis hin zum
körperlichen Zusammenbruch gearbeitet, doch die Entwertung der
österreichischen Krone fraß das Entgelt auf. Rastlos musste Bayros
für Brotaufträge weiterarbeiten, gezeichnet von seiner
schleichenden Krankheit. Am 2. April 1924 starb der Künstler an
einer Gehirnblutung. Die Arbeiten zur "Göttlichen Komödie" würden
sein letztes bedeutendes Werk, sein Vermächtnis gewesen sein. |
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Werke (Auswahl)
Illustrationen zu:
1905 - "Fleurettens Purpurschnecke. Erotische Lieder und Gedichte
aus dem 18. Jahrhundert"
1905 - "Die Geschichte der Manon Lescaut und des Chevalier
Desgrieux" von Abbé Prévost
1906 - "Die Memoiren der Fanny Hill" von John Cleland
1906 - "Die geschwätzigen Kleinode" von Denis Diderot
1906 - "Die Bohème" von Henri Murger
1907 - "Die hundert neuen Novellen" von Anthoine de La Sale
1907 - "Die hübsche Andalusierin" von Francisco Delicado
1909 - "Das Märchen aller Märchen oder Das Pentameron" von
Giovanni Battista Basile
1910 - "Das schöne Mädchen von Pao" von Otto Julius Bierbaum
1911 - "Das Decamerone" von Giovanni Boccaccio
1912 - "Das Füßchen der gnädigen Frau und anderes" von Gustav
Hochstetter
1913 - "Von Königen und Jakobinern" von H.L. Rosegger
Weitere Ausgaben:
"Ex Libris die sie nicht tauschten" unter dem Pseudonym Venu de
Bonestoc (Privatdruck 1906)
"Die Bonbonnière. Galante und artige Sammlung erotischer
Phantasien" (1907)
"Geschichten aus Aretino" (Privatdruck 1907)
"Die Genouillière" Mappenwerk mit 15 Zeichnungen (1907)
"Erzählungen am Toilettentische" Mappenwerk mit 15 Zeichnungen
(Privatdruck 1908)
"Bilder aus dem Boudoir der Madame CC" Mappenwerk mit 30
Zeichnungen (Privatdruck 1912)
"Lesbischer Reigen" Mappenwerk mit 6 Zeichnungen (Privatdruck
Budapest 1920)
"Garten der Aphrodite" Mappenwerk mit 18 Zeichnungen (ohne Orts-
und Zeitangaben)
"1001 Nacht" 5 Zeichnungen (Verlag Wilhelm Borngräber; Berlin
1913)
Literatur
Franz von Bayros: Das galante Werk',, Gala Verlag 1967, ISBN
B0000BPNVU
Franz von Bayros: Die Purpurschnecke, Gala Verlag 1971, ISBN
B0000BPNVW
Franz von Bayros: Zeichnungen, Gala-Verlag 1978, ISBN
3-8201-0028-8
Franz von Bayros: Im Garten der Aphrodite. Erotische Zeichnungen
und Illustrationen. Heyne-Verlag 1980, ISBN 3453501942
Rudolf Brettschneider: Franz von Bayros, Bibliograhie und
beschreibendes Verzeichnis seiner Exlibris, Leipzig 1926
(Source
Wikipedia) |
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